Man war das ´ne Woche!
Unser Kollegium gleicht
mittlerweile der Selbsthilfegruppe asthmatischer Dudelsackspieler, denn
alle pfeifen irgendwie aus dem letzten Loch und selbst so engagierte
Frontschweine wie Herr Bromseklöten schreien nach Brot und Spielen. Einsame
Ausnahmen gibt es wie immer („elende Spalter oder heroische Kämpfer“), aber auf
die gehe ich nachher noch ein. Wie immer war die Woche schon am Anfang
gelaufen, denn es begann mit dem Montag – MONTAG mehr muss man nicht sagen, denn bis
Mittwoch konnte dieses Niveau gehalten werden. Am Wochenzenit also, wurde
nach Unterrichtsschluss die Schülerverteilung im Grund- und Hauptschulzweig
besprochen und mal ehrlich, ein türkischer Basar war nichts dagegen. Da wurde
getauscht und gefeilscht obwohl man lediglich zwischen Pest und Cholera und
Diarrhöe und Reizdarm wählen konnte. Heikel war dann doch noch das Thema
Klassenverteilung. Und nach diversen rhetorischen Argumentationsschlachten und
emotionaler Untermauerung der Arbeitsneigungen, stimmte letztendlich der
masochistische Anteil meines Selbst, der Übernahme der Klassenleitung der neuen
dritten Klasse zu. Ich gebe zu, dass ich mich mittlerweile auf diese
Herausforderung freue, dennoch habe ich nicht bedacht, dass der Zeitpunkt der
Entscheidung ziemlich bescheiden gewählt wurde, denn jetzt wo man sich
eigentlich auf das Schuljahresende und die ersehnten Ferienfreuden einstellt,
sehe ich mich vor meinem geistigen Auge schon wieder in den Vorbereitungen zum
Schuljahresanfang – AAARGHHHH!
Doch zurück zum
Schulalltag. In den letzten Tagen beobachte ich zunehmend, dass nun auch die letzten Schüler in den Ferienmodus fahren – d.h. Fernsehen bis weit nach Mitternacht
und total übermüdet am Morgen. Dienstag in der Entspannung konnte ich mir
diesen Umstand jedoch erstmalig zum Vorteil ausbauen, denn ich habe einfach die
zwei Nervtöter der Klasse die Reflektionsrunde verschlafen lassen. Man war das
angenehm! Und falls einer noch mal nachfragt, befanden die zwei sich im
Fortgeschrittenenmodus der Tiefenentspannung – alles klar?!
Fällt den Kollegen
eigentlich auf, dass trotz dieses idealen Wetters (welches nun wirklich das
Potential für nette fette Infekten hat) in letzter Zeit kaum ein Schüler krank
gemeldet wird? Meine Hypothese: Auch die Eltern bereiten sich auf die Ferien
vor – und das heißt: Sie schieben das unvermeidliche Elend so weit wie möglich
raus und schicken ihre Geburtsrückstände trotz Siechtum in die Schule. Eine
Woche Erholung haben sie noch – gönnen wir sie ihnen. Man munkelt, dass vor
allem die Eltern aus der Klasse Tisch heimlich die Hausaufgaben ihrer Kinder
verschwinden lassen, damit diese nachsitzen und länger in der Schule verbleiben
müssen. Doch der Herr Kollege ist ein echter Fuchs, der macht den Eltern nämlich
einen Strich durch die Rechnung, indem er die Plagen jede Pause drinnen sitzen lässt (zur Freude der Kollegen) – apropos, wir kommen nun nämlich
zum netten Teil der Woche. Was macht man, wenn am Ende der Klassenkasse und der
Nerven noch zu viel Praxistag übrig ist? Genau, man geht mit der Klasse ins nahe gelegene EInkaufszentrum
– erst Frühstücken dann Shoppen (wobei Letzteres dann fast nebensächlich ist).
Beim Frühstück platziert man die Kinder dann so, dass sie bequem den Fernseher der Kinderecke sehen können – denn dann ist es ja auch fast wie zu Hause.
Während Ole sein Ei mit Erdbeermarmelade aß und der Lachs gegen Nutella
getauscht wurde, verkündete Jacques lautstark, dass er noch Geld hätte, um sich
zwei Eier kaufen zu können. Der Mann vom Nebentisch schaltete schneller als
ich, denn er konnte sich das Lachen nur knapp verkneifen. Tja, wann ist ein
Mann ein Mann?
Nach dem Frühstück ging es
dann gemächlich durch den Konsumtempel wobei Frau Bob und ich in kurzen
Intervallen pädagogische Drohsätze ausriefen: „Wie bleiben zusammen, sonst geht´s
zurück in die SCHULE!“ Eigentlich gab´s keinen Grund dazu, denn die Schüler
waren aller sehr angepasst - man wollte lediglich den Verwandtschaftsgrad
sicherstellen. Ein plötzlicher Wolkenguss ließ uns dann doch noch einwenig länger
verweilen. Nun die Kleinen wussten sich an dem Spielterminal zu beschäftigen
und wohlwollend sahen Frau Bob und ich zu, wie mit viel Phantasie und
lautstarker akustischer Untermalung ein einfaches Lenkrad zum Truck wurde – ach
wenn Dreizehnjährige spielen.
Kommen wir nun endlich zum
Freitag und zu denn einsamen Helden der Arbeit. In diesem Fall meine Heldin
Frau Bob. Denn sie rettete uns alle – Herr Bromseklöten, seine liebreizende
Referendarin Gregoria und mich – ach ja und die Kinder. Ganz ohne uns
organisierte und regelte sie das Krökeltunier unserer beiden Klassen, so mit
allen Drum und Drann (Listen und all dem Kram) – SUPER! Herr Bromseklöten
brachte uns in seiner Euphorie dann auch gleich noch ein Kännchen Beamtenbrause
und der erste Block flutschte wie Seife im der Herrendusche. Im letzten
Block gab´s dann lediglich noch Galgenraten mit Sommerbegriffen – wie
Regenschirm und Gummistiefel.
So, dass war´s. Und wie
immer habe ich mehr gesagt (oder in diesem Fall geschrieben), als ich
eigentlich wollte – aber so sind sie die Pädagogen.
Genießt das letzte
Wochenende in diesem Schuljahr!
Mit kollegialen Grüßen
Frau Tierfreund
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