Juhu, geschafft – das Halbjahr wurde mit dem krönenden Akt der Zeugnisübergabe feierlich beendet.
Bleibt der Rückblick auf 6 anstrengende Monate, die geprägt waren von kleineren und größeren Totalausfällen, ermüdenden Durststrecken sowohl auf Seiten der Lehrer, als auch der Schüler, einiger verlorener Seelen, die unbekannt verzogen sind oder von der Schule gegangen wurden und der einen oder anderen kuriosen Situation.
Besonders nach dem Formular-Krieg der letzten Wochen, in dessen Verlauf ich mir manchmal 4 Hände, einen größeren Arbeitsspeicher in meinem Hirn und weniger Schlafbedürfnis gewünscht hätte, um all die Zeugnisse, Berufsschulanmeldebögen und Lernhilfeüberprüfungszettel auszufüllen, war es dann schließlich geschafft: die Schüler mit ihren Giftzetteln entlassen, dahin wo der Pfeffer wächst, den Lehrkörper (jetzt eher Leerkörper) ein (vorerst) letztes Mal bis zum nächsten Sitzmöbel im Lehrerzimmer geschleppt und kräftig aufgeatmet.
Den erschöpften und erleichterten Gesichtern meiner Kollegen entnehme ich, dass es ihnen auch nicht anders geht.
Und dann schreiten wir zum gemütlichen Teil des Vormittags:
Die Schulleitung findet ein paar wertschätzende Worte für die Kollegen die so toll durchgehalten haben und ein paar aufmunternde für die, die unsere Schule verlassen werden, um anderswo weiterzumachen.
Jungmütter, wie Fr. Joke, die sich noch in Elternzeit befinden, schauen kurz rein, überzeugen sich, dass es immer noch so zugeht, wie vor einem Jahr und verlassen das Etablissement sogleich wieder – froh, dass noch 2 Monate Elternzeit auf sie warten,
Kollegen wie Herr Brandt, Herr Fan, Herr Tulpe und Herr Pingpong genehmigen sich zur Feier des Tages eine besonders ausgiebige Raucherpause,
Frau Zellphonitzky teilt allen Leuten aus ihrem Telefonbuch mit, dass das Halbjahr vorbei ist,
Frau Kandinsky realisiert auch, dass es geschafft ist und beginnt sich auf den abendlichen Theaterbesuch zu freuen,
Frau Großstädter und Frau Torf verbannen die Schulsachen in die Ecke und tauschen sie gegen besonders flauschige Sauna-Handtücher ein,
Herr Stempel beißt lächelnd in sein aufgeklapptes Käsebrot,
Herr Bromseklöten führt das letzte Telefonat,
Herr Mei trägt sich noch schnell in die AG-Liste ein,
Frau Koche sucht ein verlorengegangenes Backblech aus der Schulküche,
Frau Bob freut sich schon auf ihren neuen Klassenraum,
Herr Wald-Orff verkündet, dass er in den freien Tagen das Amazonasgebiet aufforsten möchte,
Frau Gehrdinger kann es kaum erwarten, mit ihrem Hund spazieren zu gehen,
Frau Fee bittet nochmal darum, ihr die Stundenplanänderungen mitzuteilen,
Frau Ogg und Frau Arbeit strahlen sich glücklich an,
Herr Wackernagel, der Hausmeister, lässt ausrichten, dass er im zweiten Halbjahr erstmal zur Kur fahren wird,
Frau Seltsam wird vermisst,
Herr Schwarz klopft Herrn Gläubig anerkennend auf die Schulter,
Frau Mavinski betrachtet selbstzufrieden ihr nun endlich vollbrachtes und vollendetes Stundenplanwerk und
Frau Schrammetal und Herr Zausel, die das Kollegium verlassen, spendieren noch ne große Portion Essbares. Was es ist – keine Ahnung, Hauptsache Kalorien, und davon viel.
Und dann ist das Halbjahr offiziell beendet.
Pünktlich um 14 Uhr stehen Herr Hobelspan und Herr Winzig mit ihren Wohnmobilen auf dem Darß und trinken auf ihre Freundschaft! Wie gut, dass Herr Hobelspan nicht ahnt, dass Herr Winzig ihm 3 Tage vorher noch ganz uneigennützig die schlimmste Klasse der Schule unterjubeln wollte.
Wer weiß – vielleicht erfährt er es im zweiten Halbjahr.
Aufjeden Fall bleibt´s spannend!
Der Alltag an einer Förderschule irgendwo in Deutschland - manchmal grausam, manchmal deprimierend, manchmal nervenaufreibend, manchmal schmerzhaft. Aber: Immer auch witzig, lustig, aufregend, menschlich und vor allem nie langweilig!!! In diesem Blog lesen Sie die besten Stories aus dem Nähkästchen des besten Kollegiums der Welt. Viel Spaß!
Montag, 30. Januar 2012
Hartz IV-Wir kommen!
Frau Seltsam und ich denken ja, was unsere Schüler angeht, grundsätzlich positiv. Wir sehen das Gute in ihnen und gehen vom besten aus. Und wenn ein Jugendlicher ins entsprechende Alter kommt, ist es nur natürlich, dass wir uns um seinen künftigen beruflichen Werdegang kümmern und ihm beim Einstieg ins Berufsleben behilflich sind. So wie wir es auch bei unseren eigenen Kindern machen würden.
Mit bestem Wissen und Gewissen (oder wie sagt man in diesem Fall???) wurde also kurz vor Halbjahresende noch schnell ein Termin beim Berufsinformationszentrum im Arbeitsamt der nahegelegenen Großstadt gebucht und uns der Name einer Sachbearbeiterin genannt, die uns dort erwarten würde.
Treffpunkt mit den Schülern: Morgens um 9Uhr vor dem Arbeitsamt. (Zugegebenermaßen fiel es Frau Seltsam und mir nicht ganz leicht, unserer Horde 15jähriger Schüler überhaupt das Vertrauen entgegen zu bringen, dass sie den Weg dorthin alleine und ohne größere Katastrophen bewältigen würden.) Aber sie schafften es. –Äh, sie schafften es zumindest pünktlich zu sein!
Frau Seltsam, Frau Koch (die Sachbearbeiterin) und ich standen zuversichtlich im Foyer des Arbeitsamtes als sich ein Trupp von Sternsingern laut grölend der Eingangstür näherte. Sternsinger? Ja, so ähnlich – zumindest hatten sie alle ne Krone auf und gaben Töne von sich. Können ja nur Sternsinger sein!
„Frau Samstag, sehen Sie – Sie können uns vertrauen! Wir sind pünktlich!“ Ja, pünktlich schon, denke ich mir, aber wieso habt ihr alle diese peinlichen, albernen Pappkronen vom nahegelegenen FastFoodRestaurant auf?, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen. Frau Seltsam und ich lächeln Frau Koch aufmunternd zu, die daraufhin erstmal ihre runtergefallene Kinnlade schließt. Man sieht ihr ihre Gedanken an: Waaas – mit diesem Trupp soll ich heute Berufsberatung machen? Prost Mahlzeit!
Wenig später stürmen die Sternsinger die Computer im BIZ. Bevor wir mit dem Aufrufen der Arbeitsamt-Software beginnen können, kommt es zum ersten Tumult, weil Frau Seltsam und ich erstmal diverse Kaffeebecher einsammeln müssen, bevor sie sich über die Tastaturen der PCs ergießen.
Und dann geht’s los: Zunächst will Frau Koch einen Test mit uns machen, der über Stärken und Schwächen jedes Einzelnen Aufschluss gibt. Räumliches Denken ist als erste Kategorie dran.
Räumliches Denken? Häh? Bereits die erste Aufgabe in dieser Kategorie ist für die Hälfte der Klasse zu schwer. „Was soll ich da jetzt machen?“ „Ich versteh die Frage irgendwie nicht!“ „Brauch ich nicht testen – kann ich!“ „Was wollen die von mir? Glauben die etwa, ich kann den Raum nicht erkennen? Opfer!!“
Irgendwann hat dann auch der letzte Sternsinger die erste Aufgabe verstanden. Es wird still und ein allgemeines Mausgeklicke der gekrönten Häupter beginnt. Das Ergebnis dieser Kategorie am Schluss ernüchternd: Nicht mal der Schüler, der Tischler werden will, hat ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Was solls. Kann ja nicht jeder überall gut sein, denke ich und Frau Koch ruft die zweite Kategorie auf: Textverständnis. Okay. Das ist unfair. Gleich an zweiter Stelle so eine schwere Kategorie. Die Jungs müssen doch erstmal warm werden. Und da kommt dann gleich diese Königsdisziplin. Da nützt die Pappkrone dann auch nichts mehr.
Andi versucht sich zu drücken und geht erstmal aufs Klo. Als er nach 15 Minuten immer noch nicht zurück ist, schicke ich Juan hinterher. Er kommt mit dem völlig verwirrten Andi im Schlepptau zurück, der sich mit den Worten entschuldigt: „Sorry, aber ich hab den Weg vom Klo zurück nicht gefunden!“ Frau Koch: „Ja, kein Wunder – das mit dem räumlichen Denken, ist ja auch nicht so gut bei dir!“ Nik kommentiert: „Mit dem Denken bei Andi allgemein nicht, Frau Koch!“ Er spricht mir aus der Seele. Merlin will dann auch noch aufs Klo. Langsam ist mir so viel kommen und gehen unangenehm. Ich flüstere ihm zu: „Das hältst du jetzt noch n bißchen aus. So klein ist deine Blase bestimmt nicht!“. Er (leider nicht flüsternd sondern empört schreiend – so dass es auch ja alle anderen Schulklassen im BIZ hören können): „Ich muss nicht klein, ich muss groß!“ Gut, hätten wir das auch geklärt. Die anderen Besucher wenden sich peinlich berührt ab.
Und so nimmt der Vormittag seinen Lauf. Frau Koch bricht den Stärken-Test nach der zweiten Kategorie ab. Das Programm „Steckbrief zu jedem Beruf“ muss nun herhalten. Aber auch da wird es nicht besser. „Frau Samstag, das ist voll das Scheißprogramm. Meinen Beruf gibt’s hier garnicht!“ (Tja, Merlin – gib mal nicht „Sosalastent“ sondern „Sozialassistent“ ein. Vielleicht findeste dann was!), Nik beschließt bei McDonalds zu studieren. Und zwar Astronomie. (Den Unterschied zur Gastronomie ist ihm nicht klar zu machen) (.....wenn das Herr Hobelspan wüsste, dass man Astronomie bei McDonalds studieren kann!), Niklas will Autoschleifer werden (wir finden heraus, dass er Fahrzeuglackierer meint) und Andi schließt das ganze Unterfangen (übrigens nach 3 Stunden, die er in typischer Spielkonsolen-Muskelhypotonie-Haltung verbringt,) mit den Worten: „Wozu brauch ich den ganzen Scheiß überhaupt – ich will eh Hartz-IV-Empfänger werden!“, ab. Was bleibt Frau Seltsam und mir da beim Rausgehen noch anderes zu sagen, als: „Jungs – merkt euch dieses Gebäude – hier werdet ihr später häufig Formulare ausfüllen!“ Optimaler kann eine Berufsvorbereitung nicht ausfallen, finden wir – und begeben uns erschöpft auf den Heimweg. Frau Koch winkt uns süß-sauer-lächelnd hinterher.
Mit bestem Wissen und Gewissen (oder wie sagt man in diesem Fall???) wurde also kurz vor Halbjahresende noch schnell ein Termin beim Berufsinformationszentrum im Arbeitsamt der nahegelegenen Großstadt gebucht und uns der Name einer Sachbearbeiterin genannt, die uns dort erwarten würde.
Treffpunkt mit den Schülern: Morgens um 9Uhr vor dem Arbeitsamt. (Zugegebenermaßen fiel es Frau Seltsam und mir nicht ganz leicht, unserer Horde 15jähriger Schüler überhaupt das Vertrauen entgegen zu bringen, dass sie den Weg dorthin alleine und ohne größere Katastrophen bewältigen würden.) Aber sie schafften es. –Äh, sie schafften es zumindest pünktlich zu sein!
Frau Seltsam, Frau Koch (die Sachbearbeiterin) und ich standen zuversichtlich im Foyer des Arbeitsamtes als sich ein Trupp von Sternsingern laut grölend der Eingangstür näherte. Sternsinger? Ja, so ähnlich – zumindest hatten sie alle ne Krone auf und gaben Töne von sich. Können ja nur Sternsinger sein!
„Frau Samstag, sehen Sie – Sie können uns vertrauen! Wir sind pünktlich!“ Ja, pünktlich schon, denke ich mir, aber wieso habt ihr alle diese peinlichen, albernen Pappkronen vom nahegelegenen FastFoodRestaurant auf?, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen. Frau Seltsam und ich lächeln Frau Koch aufmunternd zu, die daraufhin erstmal ihre runtergefallene Kinnlade schließt. Man sieht ihr ihre Gedanken an: Waaas – mit diesem Trupp soll ich heute Berufsberatung machen? Prost Mahlzeit!
Wenig später stürmen die Sternsinger die Computer im BIZ. Bevor wir mit dem Aufrufen der Arbeitsamt-Software beginnen können, kommt es zum ersten Tumult, weil Frau Seltsam und ich erstmal diverse Kaffeebecher einsammeln müssen, bevor sie sich über die Tastaturen der PCs ergießen.
Und dann geht’s los: Zunächst will Frau Koch einen Test mit uns machen, der über Stärken und Schwächen jedes Einzelnen Aufschluss gibt. Räumliches Denken ist als erste Kategorie dran.
Räumliches Denken? Häh? Bereits die erste Aufgabe in dieser Kategorie ist für die Hälfte der Klasse zu schwer. „Was soll ich da jetzt machen?“ „Ich versteh die Frage irgendwie nicht!“ „Brauch ich nicht testen – kann ich!“ „Was wollen die von mir? Glauben die etwa, ich kann den Raum nicht erkennen? Opfer!!“
Irgendwann hat dann auch der letzte Sternsinger die erste Aufgabe verstanden. Es wird still und ein allgemeines Mausgeklicke der gekrönten Häupter beginnt. Das Ergebnis dieser Kategorie am Schluss ernüchternd: Nicht mal der Schüler, der Tischler werden will, hat ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Was solls. Kann ja nicht jeder überall gut sein, denke ich und Frau Koch ruft die zweite Kategorie auf: Textverständnis. Okay. Das ist unfair. Gleich an zweiter Stelle so eine schwere Kategorie. Die Jungs müssen doch erstmal warm werden. Und da kommt dann gleich diese Königsdisziplin. Da nützt die Pappkrone dann auch nichts mehr.
Andi versucht sich zu drücken und geht erstmal aufs Klo. Als er nach 15 Minuten immer noch nicht zurück ist, schicke ich Juan hinterher. Er kommt mit dem völlig verwirrten Andi im Schlepptau zurück, der sich mit den Worten entschuldigt: „Sorry, aber ich hab den Weg vom Klo zurück nicht gefunden!“ Frau Koch: „Ja, kein Wunder – das mit dem räumlichen Denken, ist ja auch nicht so gut bei dir!“ Nik kommentiert: „Mit dem Denken bei Andi allgemein nicht, Frau Koch!“ Er spricht mir aus der Seele. Merlin will dann auch noch aufs Klo. Langsam ist mir so viel kommen und gehen unangenehm. Ich flüstere ihm zu: „Das hältst du jetzt noch n bißchen aus. So klein ist deine Blase bestimmt nicht!“. Er (leider nicht flüsternd sondern empört schreiend – so dass es auch ja alle anderen Schulklassen im BIZ hören können): „Ich muss nicht klein, ich muss groß!“ Gut, hätten wir das auch geklärt. Die anderen Besucher wenden sich peinlich berührt ab.
Und so nimmt der Vormittag seinen Lauf. Frau Koch bricht den Stärken-Test nach der zweiten Kategorie ab. Das Programm „Steckbrief zu jedem Beruf“ muss nun herhalten. Aber auch da wird es nicht besser. „Frau Samstag, das ist voll das Scheißprogramm. Meinen Beruf gibt’s hier garnicht!“ (Tja, Merlin – gib mal nicht „Sosalastent“ sondern „Sozialassistent“ ein. Vielleicht findeste dann was!), Nik beschließt bei McDonalds zu studieren. Und zwar Astronomie. (Den Unterschied zur Gastronomie ist ihm nicht klar zu machen) (.....wenn das Herr Hobelspan wüsste, dass man Astronomie bei McDonalds studieren kann!), Niklas will Autoschleifer werden (wir finden heraus, dass er Fahrzeuglackierer meint) und Andi schließt das ganze Unterfangen (übrigens nach 3 Stunden, die er in typischer Spielkonsolen-Muskelhypotonie-Haltung verbringt,) mit den Worten: „Wozu brauch ich den ganzen Scheiß überhaupt – ich will eh Hartz-IV-Empfänger werden!“, ab. Was bleibt Frau Seltsam und mir da beim Rausgehen noch anderes zu sagen, als: „Jungs – merkt euch dieses Gebäude – hier werdet ihr später häufig Formulare ausfüllen!“ Optimaler kann eine Berufsvorbereitung nicht ausfallen, finden wir – und begeben uns erschöpft auf den Heimweg. Frau Koch winkt uns süß-sauer-lächelnd hinterher.
Freitag, 27. Januar 2012
Bei den Heinzelmännchen
Kennen Sie das auch von zu Hause? Wochenlang lässt man die Wohnung versiffen, aber wenn man in den Urlaub fährt, wird vorher geputzt, gefegt und geschrubbt, was das Zeug hält. Dabei hat man ja erstmal gar nichts davon - schließlich ist man danach ja vorläufig weg. Umso schöner ist es aber natürlich, nach der Reise in ein adrettes Zuhause zurückzukehren. Genau so verhält es sich bei uns in der Klasse auch: Vor den Ferien wird alles nachgeholt, was man in den Tagen und Wochen in puncto Aufräumen und Saubermachen zuvor versäumt hat. Den Tag der Zeugnisausgabe kann man sowieso knicken, was irgendwelche besonderen Aktionen angeht, denn schließlich ist schon nach der dritten Stunde Schulschluss und vorher sind alle so aufgeregt, das geistige Arbeit absolut nicht in Frage kommt. Zur Belohnung werden einige Runden "Galgenraten" ausgelobt, die wir aber nur schaffen, wenn alle kräftig ranklotzen. So packen also alle mit an und irgendwie hat man das Gefühl, man sei bei den Heinzelmännchen gelandet.
An erster Stelle steht grundsätzlich: Das Aufräumen der Fächer. Jedes Kind hat so eine Art Zwischenablage, in die im Alltag zunächst mal alle Arbeitsblätter, Bilder und das ganze andere Gedöns zwischengeparkt wird. Kennt jeder von seinem Schreibtisch. All diese Dinge müssen nun in die richtigen Mappen abgeheftet werden. Und zwar mit der richtigen Seite nach oben! Das erfordert höchste Konzentration. Kennt jeder von der Steuererklärung. Manche Papiere müssen sogar noch gelocht werden, das ist besonders schwer: Löcher auf die richtige Seite und immer schön mittig.
Während ich mit einem der beiden vorhandenen Locher versuche, Marvin zu erklären wie er es richtig macht, erschließt sich hinter meinem Rücken Justin im Sinne von "Jugend forscht" selbstständig die Funktionsweise des zweiten Gerätes. Dabei bleibt es natürlich nicht aus, das sich der Inhalt des Konfettifaches in der ganzen Klasse verteilt. Als ich Justin das Kehrblech in die Hand drücke, tänzelt Mustafa um mich herum und behauptet, fertig zu sein. Ja, ist klar! Nach zwei Minuten! Tatsächlich ist sein Fach leer - die gesammelten Papiere hat er ungeordnet und lose in seinen Ranzen gestopft.
Während ich mit einem der beiden vorhandenen Locher versuche, Marvin zu erklären wie er es richtig macht, erschließt sich hinter meinem Rücken Justin im Sinne von "Jugend forscht" selbstständig die Funktionsweise des zweiten Gerätes. Dabei bleibt es natürlich nicht aus, das sich der Inhalt des Konfettifaches in der ganzen Klasse verteilt. Als ich Justin das Kehrblech in die Hand drücke, tänzelt Mustafa um mich herum und behauptet, fertig zu sein. Ja, ist klar! Nach zwei Minuten! Tatsächlich ist sein Fach leer - die gesammelten Papiere hat er ungeordnet und lose in seinen Ranzen gestopft.
Immer gibt es Schüler, die allein mit diesen Sortieraufgaben gut und gerne eine ganze Doppelstunde beschäftigt sind, unter anderem Luca. Er verfährt nach dem Motto von Beppo Straßenkehrer aus "Momo" - "Schritt, Atemzug, Besenstrich. Schritt, Atemzug, Besenstrich", für ihn ist das Ganze eine sehr meditative Angelegenheit. Solange er dabei niemanden stört, lasse ich ihn lieber und dränge ausnahmsweise mal nicht zur Eile.
Ich hätte eigentlich auch gar keine Zeit, mich auch noch um Luca zu kümmern - denn auf der anderen Seite gibt es auch Kandidaten, die nach fünf Minuten tatsächlich fertig sind und hier ist schnelles Handeln erforderlich. Um die halbwegs harmonische und arbeitssame Atmosphäre aufrecht zu
erhalten ist die nahezu LÜCKENLOSE Versorgung aller Schüler mit Arbeit nämlich unerlässlich - bei nur einer Minute ohne klaren
Arbeitsauftrag fangen sie an, die zuvor erreichte Ordnung wieder kaputt
zu machen. Für die Express-Arbeiter gibt es daher immer einige Aufgaben in petto, mit denen sie erstmal wieder für eine Weile beschäftigt sind.
So darf Erkan dieses Mal die Tafel wischen. Das ist heute eine besonders ekelige Angelegenheit, weil diese mit bunter Kreide beschrieben ist und das gibt jedes Mal ein großes Geschmiere, wenn man nicht aufpasst. Überhaupt kann man beim Tafelwischen viel falsch machen - und Erkan lässt heute nichts aus. Zunächst versucht er es mit einem furztrockenen Schwamm, bunter Kreidestaub nebelt uns sofort ein und löst bei allen umstehenden einen heftigen Hustenreiz aus. Ich sage ihm, er soll den Schwamm anfeuchten und schicke ihn zum Waschbecken.
Anschließend beauftrage ich Pascal und Chantalle, die gesammelten Kunstwerke des letzten Halbjahres von der Wand abzunehmen. Ich hole ihnen eine Leiter und mahne zur Vorsicht. In der Zwischenzeit hat Erkan die Umgebung des Waschbeckens in einem Radius von mindestens einem Meter total geflutet. Noch ehe ich eingreifen kann, ist er schon auf dem Weg durch die Klasse und hat im Nullkommanix ein wunderbares Tropfbild auf dem Boden vor der Tafel gezaubert. Es bedarf also noch einmal einer genauen Klärung des Begriffes "feucht" (ein Wissen, dass Erkan später bestimmt nochmal gut gebrauchen kann) sowie der sachgerechten Verwendung von Schwamm und Abzieher.
Während ich noch erkläre, ertönt aus der anderen Ecke des Raumes ein Schrei: Chantalle ist in eine Reißzwecke getreten, die Pascal fallen gelassen hat. Dieser vollführt gerade akrobatische Übungen auf der Leiter, um an die weiter entfernten Bilder zu kommen - auf die Idee, die Leiter einfach mal einen Meter zu verrücken kommt er nicht.
Nun meldet sich Marco zu Wort, er ist jetzt auch fertig. Er darf das Geschirr abwaschen, das noch vom gestrigen Klassenfrühstück liegen geblieben ist. Ich weiß, dass er das gerne macht und auch gut kann. Was er nicht weiß: Chantalle hat gestern die Pinsel vom Werkunterricht mit dem Spülschwamm abgewaschen und dieser ist noch vollgesogen mit roter Abtönfarbe. Die verteilt sich nun auf den Tellern und Tassen. Marco merkt das zum Glück sofort und wechselt das Wasser - in diesem Moment ist Erkan mit Tafelwischen fertig (hat er wirklich prima hingekriegt) und schmeißt den Schwamm von hinten Marco über die Schulter - direkt ins frische Abwaschwasser.
Irgendwann, man glaubt es kaum, sind wir dann doch mit allem fertig und der Klassenraum sieht so aus, dass man ihn getrost über die Ferien allein lassen kann. Schnell schicke ich die Schüler in die Pause. Danach noch zwei Runden Galgenraten, dann werden die Zeugnisse ausgeteilt - und ab geht es in die Ferien. Die versiffte Wohnung wartet. Glück auf!
Donnerstag, 26. Januar 2012
Zeugniszeit ist Leidenszeit
Das Halbjahresende steht unmittelbar bevor und wie jedes Jahr haben in diesen Tagen nahezu alle Kollegen dunkle Ringe unter den Augen. Jeden Tag könnte man ohne Probleme bis spät in die Nacht an seinem Platz im Lehrerzimmer sitzen und Papierkram erledigen. Apropos Lehrerzimmer: Das sieht im Moment wegen der vielen Laptops aus wie das Rechenzentrum der Nasa - oder wie der "situation room" im Weißen Haus auf dem Foto von der Bin-Laden-Aktion.
Woran das liegt? Da sind natürlich vor allem die Zeugnisse. Obwohl ich dieses Jahr eigentlich geglaubt hatte, gut in der Zeit zu liegen, wurde es auch dieses Mal eine Last-Minute-Aktion. Es ging damit los, dass die Kollegen, die die Machwerke gegenlesen sollten, am Wochenende verreist waren. Dann streikte der Drucker im Lehrerzimmer, zwischenzeitlich brach das ganze W-Lan für mehrere Tage zusammen. Als die Zeugnisse dann endlich ausgedruckt vorlagen, fanden sich natürlich noch Rechtschreibfehler und die Schulleiterin, die sie unterschreiben musste, war erstmal für ein paar Tage auf Fortbildung. Letztendlich trug dann auch noch der Kopierer mit einem Papierstau der ersten Güteklasse dazu bei, dass meine Zeugnisse erst heute, am Tag vor der Ausgabe, um Punkt 15:30 Uhr fertig vorlagen. Dabei hatte es so gut angefangen und ich hatte sogar schon vor den Weihnachtsferien die ersten Berichte über das Arbeits- und Sozialverhalten fertig gehabt.
Nun sind aber die Zeugnisse nicht das einzige, was in diesen tristen Januarwochen erledigt werden will. Da müssen zum Beispiel über 100 Schüler ihre Arbeitsgemeinschaften für das zweite Halbjahr wählen - schön mit Erst-, Zweit- und Drittwunsch - und auf die Gruppen verteilt werden. Das ist ein großer logistischer Aufwand und zugegebenermaßen geht es nicht immer sehr demokratisch dabei zu. Im Zweifelsfall steht der Lehrerwille nämlich über dem Schülerwillen. Auf jeden Fall wäre es für die Zusammenstellung der Gruppen natürlich günstig, wenn man wüsste, wieviele Mitarbeiter und wieviele Schüler genau es im zweiten Halbjahr geben wird. Während jedoch Frau Mavinski immer noch am Stundenplan rumdoktort und praktisch täglich auf Änderungen im Personalkarrussel reagiert, herrscht auch auf der anderen Seite, bei den Schülerzahlen, längst noch nicht Klarheit. Schafft es Kimberly noch rechtzeitig zum Halbjahreswechsel, von der Schule zu fliegen? Zieht Patrick tatsächlich mit seiner Mutter nach Bremen? Kommt bei John-Pascal der Antrag auf Probebeschulung durch und kann Marcel endlich für die letzten Monate seiner allgemeinen Schulpflicht ins Dauerpraktikum geschickt werden? Jedes Mal, wenn die Listen frisch ausgedruckt sind, ergibt sich noch irgendeine Änderung. Und ganz zum Schluss kommt dann Herr Mei und stellt fest, dass er sich ja noch gar keine Arbeitsgemeinschaft überlegt hat - was er denn wohl mal anbieten könnte?
Als ob dies nicht genug wäre, liegt zwei Wochen nach Zeugnisausgabe der Stichtag für die Beantragung sonderpädagogischer Überprüfungsverfahren. Auf alle, die also der Meinung sind, dass einer oder mehrere unserer Schüler an unserer Bildungseinrichtung nicht richtig aufgehoben ist, sondern besser zu den Seh-, Hör-, Körper- oder geistig Behinderten passen würde, wartet hier die nächste Aufgabe: Ein ausführlicher Schulbericht, in dem die gesammelten Eigenarten des Kandidaten in möglichst dramatischen Worten geschildert wird sowie massenhaft Formulare. Deren Sinn hat sich mir zwar bisher noch nicht in Gänze erschlossen, aber ich fülle sie alle stupide aus und knalle sie der Schulleiterin auf den Tisch. Soll sie sehen, was sie damit macht.
Zusätzlich zu all diesen bürokratischen Pflichtübungen häufen sich in diesen Tagen auch die diversen Abschiedsfeierlichkeiten für Schüler, die die Klasse verlassen, die Kollegin, die in Mutterschutz geht und die Referendarin, die ihre erste "richtige" Stelle an einer anderen Schule angeht. Hier steht man zu allem Überfluss auch noch unter einem gewissen moralischen Druck, zumindest ein halbwegs vorzeigbares Abschiedsgeschenk zu fabrizieren - am besten irgend etwas von der Klasse selbst gemaltes oder selbst gebasteltes. Eigentlich sollte man von solchen Geschenken immer einige in petto haben, man könnte sie wunderbar in irgendeiner "Saure-Gurken-Zeit", in der sonst nichts los ist, auf Vorrat produzieren und bei Bedarf einfach rauskramen. Bei der Tagesschau haben sie ja auch für die wichtigsten Promis Nachrufe fertig im Schrank liegen, damit man damit nicht erst anfangen muss, wenn die Zeit drängt. So weitsichtig bin ich aber natürlich nicht, mir fällt das garantiert immer erst einen Tag vorher ein und zwar in der sechsten Stunde.
Kein Wunder also, dass die Zeugniszeit in der Regel auch die Zeit mit dem höchsten Krankenstand ist - einen Kollegen nach dem anderen rafft es momentan dahin. Und die, die noch tapfer durchhalten sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Zombiemäßig schlurfen sie durch die Flure und man hört sie raunen: "Muss kopieren! Muss drucken! Muss ausfüllen!". Frau Samstag hat mittlerweile schon so einen Tatterig, dass sie vorhin ihren Kaffeebecher über den Tisch verkippt hat - genau an der Stelle, an der einige Sekunden zuvor noch die fertigen Zeugnisse von Frau Großstädter lagen. Es sind die Nerven. Die Gespräche, sofern sie noch nicht gänzlich in surreale und absurde abdriften, drehen sich vor allem um die großen und kleinen Gebrechen des Lehrkörpers. Der eine hat Rücken, der andere Schulter, der dritte keine Stimme. Ein Ächzen und Stönen liegt über der Lehrer-Lounge und ich bin geneigt, extra zu diesem Zweck einen eigenen Blog einzurichten. Geplanter Titel: WWWehchen.de. Die Domain wäre noch frei, hab ich grad nachgeguckt. In diesem Sinne: Glück auf!
Mittwoch, 25. Januar 2012
Ich mach Beschwerde
Wenn es an unserer Schule zum Stundenbeginn läutet, sammelt sich jede Klasse an einem festgelegten Treffpunkt auf dem Schulhof, um dann von der zuständigen pädagogischen Fachkraft in den Klassenraum geführt zu werden. Wie schon an anderer Stelle beschrieben, dauert es in der Regel eine ganze Weile, bis wirklich alle dort angekommen sind und es dauert noch länger, bis alle an ihrem Platz sind. Dann, so könnte man meinen, kann endlich der Unterricht beginnen.
Falsch! Denn wenn gerade alle sitzen, geht es los: Unser großartiges Beschwerde-Management.
Heute ist Pascal der erste, er meldet sich wehement und stößt dann wutentbrannt aus: "Der Justin hat mich in der Pause in den Bauch geboxt! Ich mach Beschwerde!" Das bedeutet: er möchte sich SOFORT in die Klasse von Justin begeben, um dort vor versammelter Mannschaft seine Story zum Besten zu geben. Natürlich finden sich sofort mehrere Schüler, die entweder Zeugen waren oder selbst auch von Justin geboxt wurden. Die müssen selbstverständlich unbedingt mit. Ich finde das zwar überhaupt nicht gut, weiß aber auch, dass ich keine Ruhe in den Laden kriegen werde, ehe die Sache zu einem Ende gebracht ist.
Und so kommt es, dass etwa zehn Minuten nach Pausenende wieder der Schulhof von Schülern bevölkert ist, die dieses Mal aber jeweils ein festes Ziel vor Augen haben, das sie energisch ansteuern: Den Klassenraum des Erzfeindes. Schnell muss man dabei natürlich sein, denn womöglich hat der Justin gerade zeitgleich bei seiner Klassenlehrerin Frau Ogg eine Beschwerde über Pascal angemeldet, weil dieser ihm andauernd den Stinkefinger gezeigt hat, und ist nun auf den Weg in unseren Raum. Da will man doch schließlich der erste sein, der seine Version loswerden kann. Ungünstig ist es natürlich, wenn beide Streithähne sich auf halber Strecke treffen, denn dann gibt es nicht selten noch einmal auf die Glocke.
Heute ist es aber etwas anders: Kaum ist Pascal weg - mit Chantalle als wichtig, wichtig Zeugin im Schlepptau - klopft es bei uns. Vor der Tür steht Oleg aus der Fünften: "Ich hab ne Beschwerde!" Obwohl ich natürlich diesen Satz schon längst nicht mehr hören kann und überhaupt dieses ganze Prozedere total satt habe, bitte ich ihn freundlich herein und lasse ihn sein Anliegen vortragen. Ich bin ja kein Unmensch. Oleg schildert nun also in den schillerndsten Farben, wie er in der Pause von Marvin an der Kapuze gezogen wurde und kann sogar eine auf etwa 2-3 cm Länge eingerissene Naht vorweisen. Ich weiß in meiner unendlichen Klugheit und Erfahrung natürlich sofort, was passiert ist: Die beiden haben wie in jeder Pause Polizei gespielt und obwohl sie bereits tausendmal belehrt wurden, fand dieses Spiel immer noch in der Annahme statt, der Arbeitsalltag eines Polizisten bestünde darin, menschliche Extremitäten und verschiedene Textilien einem Belastungstest zu unterziehen. Ich höre mir trotzdem alles an und entschließe mich dann, es für dieses Mal bei einer gegenseitigen mündlichen Entschuldigung mit Handschlag zu belassen. Außerdem gebe ich Oleg die Telefonnummer von Marvin mit, damit die Eltern sich gegenseitig die Köppe einhauen können, falls jemand der Meinung ist, dass da was ersetzt werden muss.
Etwas enttäuscht zieht Oleg also wieder von dannen - er hatte wohl gehofft, eine schöne Wiedergutmachung abstauben zu können, wie etwa eine Tafel Schokolade oder womöglich sogar einen selbstgebackenen Kuchen von Marvin (bzw. von seiner Mutter). Solche Regelungen werden in der Tat häufiger mal getroffen, aber natürlich nicht wegen so eine Lappalie. Da muss schon Blut geflossen, mindestens ein Knochen gebrochen oder extremer psychischer Druck ausgeübt worden sein.
Kaum ist die Tür hinter Oleg ins Schloss gefallen, ist auch Pascal wieder da. Ich frage ihn, wie die Sache ausgegangen ist und ob seine Beschwerde erfolgreich war. Bin gespannt, wie Frau Ogg die Sache geregelt hat. Pascal antwortet mir kleinlaut: "Ich muss drei Tage die Pause drinnen sitzen." Ich frage ihn, wie das denn sein kann - ob es nicht so gewesen sei, dass ER sich über Justin beschweren wollte und nicht umgekehrt? Ich ahne aber natürlich schon längst, wie die Sache gelaufen ist. Und tatsächlich: Justin konnte blöderweise mehrere Zeugen aus der Ogg-Klasse vorweisen, die seit Tagen beobachtet haben, wie der Pascal den Justin bei jeder Gelegenheit provoziert hat. Und da ist dem Justin nun mal der Kragen geplatzt. Zwar hat Frau Ogg auch ihm, wie ich später von ihr erfahre, eine Schreibaufgabe zum Thema "friedliches Verhalten in Konfliktsituationen" aufgebrummt. Aber das ist ja nichts im Vergleich zu drei Tage drinnen sitzen.
Naja, vielleicht hat Pascal ja immerhin DIESES Mal gelernt, dass man sich nur beschweren sollte, wenn man selber alles richtig gemacht hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ansonsten muss er es halt morgen noch einmal lernen - denn auch beim Drinnensitzen, man glaubt es kaum, gibt es viele prima Gelegenheiten, jemanden zu provozieren und hinterher Beschwerde zu machen. Glück auf!
Nichts geht mehr!
Bisher ist zum Glück noch nichts passiert.
Das grenzt an ein Wunder.
Das Klima ist rau, die Luft zum schneiden, die Nerven blank, die Stimmen schrill.
In dieser Woche gibt es Zeugnisse.
An der Tür zum Lehrerzimmer sollte ein Schild hängen mit folgender Aufschrift:
Zutritt nur für Mitarbeiter dieses Hauses.
Unbefugten ist der Zutritt untersagt!
Lebensgefahr!
Es gibt nun mal einfach Zeiten, da sollte man sich als Fremder hüten, unser Lehrerzimmer zu betreten. In diesen Zeiten besteht nämlich ganz massiv die Gefahr als Sündenbock oder was auch immer erheblich leiden zu müssen; es könnte sein, dass diese artfremde Person getreten, geschlagen, zermalmt und zerstückelt irgendwo in der Ecke hinter dem Computertisch ihren letzten Platz auf Erden finden könnte.
Warum?
Es sind nicht nur einfach Zeugnisse- sie sind seeeehr viel mehr als das!
Für unsere Schüler bedeuten sie: einige Tage schulfrei haben, nach Hause zu den Eltern fahren, raus aus den geregelten Strukturen müssen, daran erinnert werden, dass eine Schule auch Leistungsanforderungen bedeutet, zu erahnen, dass man den Eltern mit den Giftblättern nicht unbedingt eine Freude machen wird.
Das wiederum führt dazu, dass unsere ohnehin sehr labilen Kinderlein völlig am Rad drehen. Der sonst so ruhige und zuverlässige Thomas mobbt plötzlich was das Zeug hält. Daran pendelt zwischen acht und vierzehn Uhr zwischen Schulhof und Klassenzimmereingang. Rene, sonst ein wirklich freundlicher und sympathischer Kerl, kann sich irgendwie nur noch brüllend und beleidigend verständigen. Björn zeichnet sich in diesen Wochen durch Fauch-Geräusche aus. Dafür spricht Iwan gar nicht mehr uns starrt ständig finster vor sich auf die Tischplatte. Cheyenne ritzt sich Jungennamen in die Arme.
Undsoweiterundsofort
Für uns an der Schule Arbeitenden bedeuten die Zeugnisse (neben dem Versuch, mit den Kids den Vormittag möglichst friedlich über die Bühne zu bringen) eine riesengroße Zahl an Konflikten zu klären. Projekte zu Ende zu bringen. Zeugnisse zu schreiben. Berufsschulen zu kontaktieren. Festzustellen, dass uns ab der nächsten Woche 20 Lehrerstunden fehlen. Einzusehen, dass sich keine Feuerwehrkraft finden wird. Zeugnisanhänge wahrheitsgemäß auszufüllen. Schulberichte über JEDEN EINZELNEN Schüler formulieren zu müssen. Mit dem Zeugnisprogramm auf dem Schulrechner klar zu kommen. Nachmittags in Jugendämtern bei Hilfeplangesprächen mitzuwirken.
Da kann es schon mal zu Ausfallerscheinungen kommen.
Frau Samstag rennt wie von der Tarantel gestochen zwischen PC und Flur hin und her. Plötzlich reißt sie den ahnungslosen Herrn Brandt von seinem Stuhl hoch und zerrt ihn hinter sich her in den Flur. Dort vor der Pinwand bekommt er knappe Instruktionen: „Stehen bleiben! Lies mir diese emailadresse vor. Erst wenn ich wieder am Rechner bin. Laut! Langsam!“ Herr Brandt pariert und diktiert. Frau Samstag konnte geholfen werden.
Frau Marvinski hingegen verzweifelt am Zeugnisprogramm. Es funktioniert nicht auf ihrem Rechner. Herr Tulpe, ein ausgemachter Fuchs am Computer, gibt Tips und verschwindet, gibt Tips und verschwindet, gibt Tips und verschwindet. Irgendwann platzt der guten Frau der Kragen und sie beleidigt den bösen Pc auf`s Übelste. Ihre Beschimpfungen wollen gar kein Ende mehr nehmen. Frau Großstädter schreitet schließlich zur Tat und… tätschelt Frau Marvinski beruhigend den Rücken. Das hilft.. Zeugnisse bekommt ihre Klasse wohl in diesem Jahr trotzdem nicht.
Es ist übrigens bemerkenswert, dass Frau Großstädter diesen lebensrettenden Einsatz zeigte- man sieht sie sonst derzeit nur mit aufgestützten Ellenbogen im Lehrerzimmer sitzen, das Gesicht in den Händen schützend verborgen.
Währenddessen klagt Herr Schwarz lauthals:“ Bald kommt der große Arsch und scheißt uns alle zu!“
Herr Wald-Orff hüpft übermütig durchs Lehrerzimmer und rempelt kichernd an, was ihm im Weg ist.
Herr Mei telefoniert verzweifelt hinter seinen Schülern her, die inzwischen alle seit Tagen abgängig sind.
Herr Fan hält Herrn Gläubig den Telefonhörer ans Ohr, während dieser zitternd seinen Beruhigungstee umklammert.
Frau Gehrdinger ruft bei den Eltern ihrer Schüler an und fleht diese an, bloß nicht ihre (Frau Gehrdingers) Einträge im Merkheft zu lesen- sie habe sich nur abreagieren wollen!
Von Frau Zellphonitzkis Handy ertönt laut ein Commedian, den keiner außer ihr lustig findet.
Was ich so mache? Keine Ahnung. Kriege ich nicht mit. Meine Tochter scheint aber irgendwie genervt zu sein. „Mama. Es wird jeden Tag schlimmer mit Dir!“
Wir können damit leben. Aber wehe es kommt ein Fremdling der womöglich befremdet guckt… Wir registrieren ALLES!
Ich garantiere für nichts………………..
Das grenzt an ein Wunder.
Das Klima ist rau, die Luft zum schneiden, die Nerven blank, die Stimmen schrill.
In dieser Woche gibt es Zeugnisse.
An der Tür zum Lehrerzimmer sollte ein Schild hängen mit folgender Aufschrift:
Zutritt nur für Mitarbeiter dieses Hauses.
Unbefugten ist der Zutritt untersagt!
Lebensgefahr!
Es gibt nun mal einfach Zeiten, da sollte man sich als Fremder hüten, unser Lehrerzimmer zu betreten. In diesen Zeiten besteht nämlich ganz massiv die Gefahr als Sündenbock oder was auch immer erheblich leiden zu müssen; es könnte sein, dass diese artfremde Person getreten, geschlagen, zermalmt und zerstückelt irgendwo in der Ecke hinter dem Computertisch ihren letzten Platz auf Erden finden könnte.
Warum?
Es sind nicht nur einfach Zeugnisse- sie sind seeeehr viel mehr als das!
Für unsere Schüler bedeuten sie: einige Tage schulfrei haben, nach Hause zu den Eltern fahren, raus aus den geregelten Strukturen müssen, daran erinnert werden, dass eine Schule auch Leistungsanforderungen bedeutet, zu erahnen, dass man den Eltern mit den Giftblättern nicht unbedingt eine Freude machen wird.
Das wiederum führt dazu, dass unsere ohnehin sehr labilen Kinderlein völlig am Rad drehen. Der sonst so ruhige und zuverlässige Thomas mobbt plötzlich was das Zeug hält. Daran pendelt zwischen acht und vierzehn Uhr zwischen Schulhof und Klassenzimmereingang. Rene, sonst ein wirklich freundlicher und sympathischer Kerl, kann sich irgendwie nur noch brüllend und beleidigend verständigen. Björn zeichnet sich in diesen Wochen durch Fauch-Geräusche aus. Dafür spricht Iwan gar nicht mehr uns starrt ständig finster vor sich auf die Tischplatte. Cheyenne ritzt sich Jungennamen in die Arme.
Undsoweiterundsofort
Für uns an der Schule Arbeitenden bedeuten die Zeugnisse (neben dem Versuch, mit den Kids den Vormittag möglichst friedlich über die Bühne zu bringen) eine riesengroße Zahl an Konflikten zu klären. Projekte zu Ende zu bringen. Zeugnisse zu schreiben. Berufsschulen zu kontaktieren. Festzustellen, dass uns ab der nächsten Woche 20 Lehrerstunden fehlen. Einzusehen, dass sich keine Feuerwehrkraft finden wird. Zeugnisanhänge wahrheitsgemäß auszufüllen. Schulberichte über JEDEN EINZELNEN Schüler formulieren zu müssen. Mit dem Zeugnisprogramm auf dem Schulrechner klar zu kommen. Nachmittags in Jugendämtern bei Hilfeplangesprächen mitzuwirken.
Da kann es schon mal zu Ausfallerscheinungen kommen.
Frau Samstag rennt wie von der Tarantel gestochen zwischen PC und Flur hin und her. Plötzlich reißt sie den ahnungslosen Herrn Brandt von seinem Stuhl hoch und zerrt ihn hinter sich her in den Flur. Dort vor der Pinwand bekommt er knappe Instruktionen: „Stehen bleiben! Lies mir diese emailadresse vor. Erst wenn ich wieder am Rechner bin. Laut! Langsam!“ Herr Brandt pariert und diktiert. Frau Samstag konnte geholfen werden.
Frau Marvinski hingegen verzweifelt am Zeugnisprogramm. Es funktioniert nicht auf ihrem Rechner. Herr Tulpe, ein ausgemachter Fuchs am Computer, gibt Tips und verschwindet, gibt Tips und verschwindet, gibt Tips und verschwindet. Irgendwann platzt der guten Frau der Kragen und sie beleidigt den bösen Pc auf`s Übelste. Ihre Beschimpfungen wollen gar kein Ende mehr nehmen. Frau Großstädter schreitet schließlich zur Tat und… tätschelt Frau Marvinski beruhigend den Rücken. Das hilft.. Zeugnisse bekommt ihre Klasse wohl in diesem Jahr trotzdem nicht.
Es ist übrigens bemerkenswert, dass Frau Großstädter diesen lebensrettenden Einsatz zeigte- man sieht sie sonst derzeit nur mit aufgestützten Ellenbogen im Lehrerzimmer sitzen, das Gesicht in den Händen schützend verborgen.
Währenddessen klagt Herr Schwarz lauthals:“ Bald kommt der große Arsch und scheißt uns alle zu!“
Herr Wald-Orff hüpft übermütig durchs Lehrerzimmer und rempelt kichernd an, was ihm im Weg ist.
Herr Mei telefoniert verzweifelt hinter seinen Schülern her, die inzwischen alle seit Tagen abgängig sind.
Herr Fan hält Herrn Gläubig den Telefonhörer ans Ohr, während dieser zitternd seinen Beruhigungstee umklammert.
Frau Gehrdinger ruft bei den Eltern ihrer Schüler an und fleht diese an, bloß nicht ihre (Frau Gehrdingers) Einträge im Merkheft zu lesen- sie habe sich nur abreagieren wollen!
Von Frau Zellphonitzkis Handy ertönt laut ein Commedian, den keiner außer ihr lustig findet.
Was ich so mache? Keine Ahnung. Kriege ich nicht mit. Meine Tochter scheint aber irgendwie genervt zu sein. „Mama. Es wird jeden Tag schlimmer mit Dir!“
Wir können damit leben. Aber wehe es kommt ein Fremdling der womöglich befremdet guckt… Wir registrieren ALLES!
Ich garantiere für nichts………………..
Dienstag, 24. Januar 2012
Testosteron all over!!!
Ich denke nur noch an Sex. Ja genau!
Nein-das ist kein Beichtgeheimnis aus meinem innersten Ich.
Und es fühlt sich auch wahrlich nicht prickelnd an, nur noch an Sex denken zu können.
Es ist nämlich nicht meiner - viel mehr drehen sich meine Gedanken um den Sex den meine Schüler (angeblich? vermutlich? vermeintlich? wahrscheinlich?) haben. Das muss aufhören! Sofort! Schluss mit Sex! Keinen Sex mehr für Menschen, die noch keine Prüfung bestanden haben! Ich gründe ne Bürgerinitiative!!!! Jawoll!
Die Pubertät hat inzwischen nicht nur Raum, sondern Besitz von den Neuntklässlern ergriffen. Sex ist in aller Munde – äh, oder wo auch immer!
Ich bin verzweifelt. Wie soll ich die bloß durch die Abschlussprüfungen kriegen? Ich weiß es nicht!
Es geht einfach gar nichts mehr. Es passt nichts mehr in ihre Hirne.
Versuchen Sie mal einem Schüler den Satz des Pytagoras beizubringen, wenn dieser die Schenkel des Dreiecks mit ganz anderen Schenkeln in Verbindung bringt, sich in seinem Kopf Bilder aufbauen und er die Stimme der Lehrerin höchstens noch als nerviges Hintergrundgeräusch zu einer erotischen Kopfkinoszene wahrnimmt.
Und glauben Sie mal nicht, das wird besser, wenn man das Thema wechselt und Wahrscheinlichkeitsrechnung macht. ….
Nicht nur, dass mich dieser verdammte adoleszente Testosteronpegel, der meinen Wissensvermittlungsversuchen ständig im Weg steht, ärgert - noch dazu leide ich immer so mit. Letzte Woche zum Beispiel, da hat der Nik aus meiner Klasse vier geschlagene Schulstunden mit versteinerter Miene und verheulten Augen zum Fenster raus gestarrt.
Und warum? Weil er in die Pauline verknallt ist. Was daran das Problem ist? Ja, das hat er mir dann in der fünften Stunde in einem Vier-Augen-Gespräch erklärt. Die Pauline ist nämlich im Prinzip total nett. Das Ding ist nur, „die hat so ´n süchisches Problem, Frau Samstag, wissen Se ?! Die hat nämlich ne Schwester und die Schwester ist mit dreizehn schwanger geworden und hat dann abgetrieben. Und dann is se mit 15 nochmal schwanger geworden und hat n Kind gekriegt. Und jetzt hat die Pauline voll die Angst, dass ihr das auch passiert mit Schwangerwerden und so und deswegen lässt sie keinen an ihren Körper ran. Voll Scheiße!“.
Gut, das ist natürlich echt ein haariges Problem. Jetzt versteh ich Niks tiefe Niedergeschlagenheit. Noch dazu hat er leider in seinem ganzen Frust über die Situation mit Pauline den Nachbarsjungen krankenhausreif geprügelt, weil der ihm in die Quere kam. Das fand sein Vater gar nicht so lustig. Deswegen Hausarrest!
Inzwischen ist die Situation natürlich ganz anders, also zumindest auf den zweiten Blick. Heute hat Nik wieder vier Stunden aus dem Fenster gestarrt (diesmal verträumt lächelnd). Doof nur, dass in den ersten beiden dieser vier Stunden eine Mathearbeit zu schreiben war. Die hat er dann fast unausgefüllt wieder abgegeben. Da half kein Anfeuern, kein Schimpfen, kein Motivieren, kein an-die-Ehre-appellieren, kein Satz von wegen: „Tu was für deinen Abschluss- du musst ja bald n paar Kinder ernähren!“ (es hält sich nämlich seit 3 Tagen das Gerücht, Nik würde bald Vater werden!). Nein – Nik gibt auf. Hirn aus! Blut woanders!
Und da soll ich ruhig bleiben – wo Nik doch sowieso schon der größte Wackelkandidat von allen auf dem Weg zum Abschluss ist. In einem weiteren 4-Augen-Gespräch teilte mir Nik heute mit, dass Pauline inzwischen abgehakt sei. Dafür gäbe es aber nun Nadine…… „Und Frau Samstag…“ mischt Jason sich in das Gespräch ein „…die Nadine ist nicht gerade hässlich. Also, die ist sozusagen n richtig heißes Gerät! Da müssen Sie Nik schon verstehen! Der kann eben grade an nichts Anderes denken!“. Süß, ne –wie die sich füreinander einsetzen. Ja, ich verstehe das ja auch. Im Prinzip zumindest. Aber verdammt nochmal – mein Job ist es, die Knaben durch die Abschlussprüfung zu bringen und nicht etwa der demographischen Entwicklung entgegenzuwirken und die Minderjährigen anzufeuern, damit sie mehr Nachwuchs in die Welt setzen!
Es ist nämlich nicht nur Nik bei dem das Thema Fortpflanzung zurzeit ganz weit oben steht. Es sind quasi alle aus der Klasse. Sogar der autistische Juan entdeckt derzeit seine Triebe und hängt der Tanja aus der 7.Klasse in der Pause die ganze Zeit am Hintern, als wolle er ihren Fruchtbarkeitsgrad erschnuppern.
Was soll ich bloß tun? Tröstlich nur, dass es Fr. Großstädter auch nicht anders geht, mit ihren Abschlussschülern. Sie hat mir heute erzählt, dass sie jeden Morgen um 5 Uhr im Bett hochschreckt, weil sie sich im Schlaf gefragt hat, wie ihre Klasse jemals erfolgreich die Abschlussprüfung schaffen will. Oh, ich kenne das gut! Aber, Frau Großstädter – hier kommt die Lösung: Lass dich tätowieren! Jawoll!
So wie unsere neue Kollegin! Von der habe ich meinen Jungs erzählt (die werden sie erst nächste Woche kennenlernen) und als ich erwähnte, dass ihre Arme voller Tattoos sind, da hatte ich auf einmal (und das völlig unerwartet) die volle Aufmerksamkeit. „Echt, Frau Samstag? So richtig tätowiert?“, krächzte Niklas aus der hinteren Reihe mit deutlich hormondurchsetzter Stimme. „So richtige Tätowierungen? Gibt’s vielleicht noch woanders an ihrem Körper Tätowierungen? (Antwort wird nicht abgewartet, Kopfkino reicht ihm….!) Das ist geeeeiiiiiiillllll!“ beendet er den Satz schon hörbar sabbernd.
Tja – Frau Seltsam und ich haben nächste Woche n Termin beim Tätowierer. Wir werden Fr. Großstädter mitnehmen! Das hilft ihr sicher! Reicht ja so n Henna-Tattoo, das genau 6 Monate hält und pünktlich am Tag der Abschlusszeugnisse wieder abfällt. Ja, so machen wirs. Wäre doch gelacht, wenn wir uns die Aufmerksamkeit nicht irgendwie zurückholen! In diesem Sinne: Auf in den Kampf!
Nein-das ist kein Beichtgeheimnis aus meinem innersten Ich.
Und es fühlt sich auch wahrlich nicht prickelnd an, nur noch an Sex denken zu können.
Es ist nämlich nicht meiner - viel mehr drehen sich meine Gedanken um den Sex den meine Schüler (angeblich? vermutlich? vermeintlich? wahrscheinlich?) haben. Das muss aufhören! Sofort! Schluss mit Sex! Keinen Sex mehr für Menschen, die noch keine Prüfung bestanden haben! Ich gründe ne Bürgerinitiative!!!! Jawoll!
Die Pubertät hat inzwischen nicht nur Raum, sondern Besitz von den Neuntklässlern ergriffen. Sex ist in aller Munde – äh, oder wo auch immer!
Ich bin verzweifelt. Wie soll ich die bloß durch die Abschlussprüfungen kriegen? Ich weiß es nicht!
Es geht einfach gar nichts mehr. Es passt nichts mehr in ihre Hirne.
Versuchen Sie mal einem Schüler den Satz des Pytagoras beizubringen, wenn dieser die Schenkel des Dreiecks mit ganz anderen Schenkeln in Verbindung bringt, sich in seinem Kopf Bilder aufbauen und er die Stimme der Lehrerin höchstens noch als nerviges Hintergrundgeräusch zu einer erotischen Kopfkinoszene wahrnimmt.
Und glauben Sie mal nicht, das wird besser, wenn man das Thema wechselt und Wahrscheinlichkeitsrechnung macht. ….
Nicht nur, dass mich dieser verdammte adoleszente Testosteronpegel, der meinen Wissensvermittlungsversuchen ständig im Weg steht, ärgert - noch dazu leide ich immer so mit. Letzte Woche zum Beispiel, da hat der Nik aus meiner Klasse vier geschlagene Schulstunden mit versteinerter Miene und verheulten Augen zum Fenster raus gestarrt.
Und warum? Weil er in die Pauline verknallt ist. Was daran das Problem ist? Ja, das hat er mir dann in der fünften Stunde in einem Vier-Augen-Gespräch erklärt. Die Pauline ist nämlich im Prinzip total nett. Das Ding ist nur, „die hat so ´n süchisches Problem, Frau Samstag, wissen Se ?! Die hat nämlich ne Schwester und die Schwester ist mit dreizehn schwanger geworden und hat dann abgetrieben. Und dann is se mit 15 nochmal schwanger geworden und hat n Kind gekriegt. Und jetzt hat die Pauline voll die Angst, dass ihr das auch passiert mit Schwangerwerden und so und deswegen lässt sie keinen an ihren Körper ran. Voll Scheiße!“.
Gut, das ist natürlich echt ein haariges Problem. Jetzt versteh ich Niks tiefe Niedergeschlagenheit. Noch dazu hat er leider in seinem ganzen Frust über die Situation mit Pauline den Nachbarsjungen krankenhausreif geprügelt, weil der ihm in die Quere kam. Das fand sein Vater gar nicht so lustig. Deswegen Hausarrest!
Inzwischen ist die Situation natürlich ganz anders, also zumindest auf den zweiten Blick. Heute hat Nik wieder vier Stunden aus dem Fenster gestarrt (diesmal verträumt lächelnd). Doof nur, dass in den ersten beiden dieser vier Stunden eine Mathearbeit zu schreiben war. Die hat er dann fast unausgefüllt wieder abgegeben. Da half kein Anfeuern, kein Schimpfen, kein Motivieren, kein an-die-Ehre-appellieren, kein Satz von wegen: „Tu was für deinen Abschluss- du musst ja bald n paar Kinder ernähren!“ (es hält sich nämlich seit 3 Tagen das Gerücht, Nik würde bald Vater werden!). Nein – Nik gibt auf. Hirn aus! Blut woanders!
Und da soll ich ruhig bleiben – wo Nik doch sowieso schon der größte Wackelkandidat von allen auf dem Weg zum Abschluss ist. In einem weiteren 4-Augen-Gespräch teilte mir Nik heute mit, dass Pauline inzwischen abgehakt sei. Dafür gäbe es aber nun Nadine…… „Und Frau Samstag…“ mischt Jason sich in das Gespräch ein „…die Nadine ist nicht gerade hässlich. Also, die ist sozusagen n richtig heißes Gerät! Da müssen Sie Nik schon verstehen! Der kann eben grade an nichts Anderes denken!“. Süß, ne –wie die sich füreinander einsetzen. Ja, ich verstehe das ja auch. Im Prinzip zumindest. Aber verdammt nochmal – mein Job ist es, die Knaben durch die Abschlussprüfung zu bringen und nicht etwa der demographischen Entwicklung entgegenzuwirken und die Minderjährigen anzufeuern, damit sie mehr Nachwuchs in die Welt setzen!
Es ist nämlich nicht nur Nik bei dem das Thema Fortpflanzung zurzeit ganz weit oben steht. Es sind quasi alle aus der Klasse. Sogar der autistische Juan entdeckt derzeit seine Triebe und hängt der Tanja aus der 7.Klasse in der Pause die ganze Zeit am Hintern, als wolle er ihren Fruchtbarkeitsgrad erschnuppern.
Was soll ich bloß tun? Tröstlich nur, dass es Fr. Großstädter auch nicht anders geht, mit ihren Abschlussschülern. Sie hat mir heute erzählt, dass sie jeden Morgen um 5 Uhr im Bett hochschreckt, weil sie sich im Schlaf gefragt hat, wie ihre Klasse jemals erfolgreich die Abschlussprüfung schaffen will. Oh, ich kenne das gut! Aber, Frau Großstädter – hier kommt die Lösung: Lass dich tätowieren! Jawoll!
So wie unsere neue Kollegin! Von der habe ich meinen Jungs erzählt (die werden sie erst nächste Woche kennenlernen) und als ich erwähnte, dass ihre Arme voller Tattoos sind, da hatte ich auf einmal (und das völlig unerwartet) die volle Aufmerksamkeit. „Echt, Frau Samstag? So richtig tätowiert?“, krächzte Niklas aus der hinteren Reihe mit deutlich hormondurchsetzter Stimme. „So richtige Tätowierungen? Gibt’s vielleicht noch woanders an ihrem Körper Tätowierungen? (Antwort wird nicht abgewartet, Kopfkino reicht ihm….!) Das ist geeeeiiiiiiillllll!“ beendet er den Satz schon hörbar sabbernd.
Tja – Frau Seltsam und ich haben nächste Woche n Termin beim Tätowierer. Wir werden Fr. Großstädter mitnehmen! Das hilft ihr sicher! Reicht ja so n Henna-Tattoo, das genau 6 Monate hält und pünktlich am Tag der Abschlusszeugnisse wieder abfällt. Ja, so machen wirs. Wäre doch gelacht, wenn wir uns die Aufmerksamkeit nicht irgendwie zurückholen! In diesem Sinne: Auf in den Kampf!
Montag, 23. Januar 2012
Live-Voting beim Elterngespräch
Eigentlich wollte ich ja heute nichts schreiben, aber Frau Tulipan hat mich so nett darum gebeten, deshalb doch noch ein Bericht von meinem Highlight des Tages:
Heute waren die Eltern von Erkan zum Elterngespräch da.
Es ist ja nicht so, dass die Eltern unserer Schüler nicht von uns auf dem Laufenden gehalten werden, was das Verhalten ihrer Kinder in der Schule angeht. Über das Mitteilungsheft und ein ausgefeiltes Belobigungssystem - mit bunten Kringeln, Smileys, lustigen Stempeln und allem Drum und Dran - bekommen sie eigentlich täglich eine Rückmeldung und müssten deshalb bestens informiert sein. Theoretisch. Voraussetzung ist natürlich, dass man ab und zu mal einen Blick in diese Unterlagen wirft. Und genau das haben Erkans Eltern offenbar nie getan. Stattdessen haben sie in allen bisherigen Telefonaten anscheinend jeweils nur die ersten zwei Sätze mitverfolgt:
"Erkan gut Junge?"
"Ja, schon, Erkan ist ein guter Junge, ABER..."
Und dann wurde wohl regelmäßig auf Durchzug geschaltet.
Anders kann ich es mir nicht erklären, dass meine Schilderungen aus dem Schulalltag sie heute dermaßen aus der Bahn geworfen haben. Während ich zu Beginn des Gesprächs noch auf höchst unangenehme Weise angekumpelt wurde ("Herrn Bromseklöten, ich hab meiner Frau gesagt: Bei dem Herrn Bromseklöten ist unser Erkan gut aufgehoben. Das ist ein feiner Kerl, der Herrn Bromseklöten, hab ich gesagt!") sank meine Popularität innerhalb von nur fünf Minuten ganz tief nach unten - ebenso wie die Mundwinkel von Papa und Mama Erkan. Am Ende wurde ich als inkompetent, faul und unmenschlich beschimpft und die ganze Familie verließ fluchtartig und unter wüsten Flüchen den Raum. Kurz gesagt: Er verhielt sich wie ein kleiner Junge am Heiligabend, dem fünf Minuten vor der Bescherung die Geschenke gestrichen wurden.
Immerhin, dachte ich mir, befinde ich mich damit jetzt in illustrer Gesellschaft zu dem Sachbearbeiter aus dem Jugendamt und dem Erzieher aus dem Hort. Die hatten das alles nämlich schon vor mir durchgemacht und mich vorgewarnt. Ich saß also während des "Gespräches" da, guckte aus dem Fenster, ließ die Schimpftiraden geduldig an mir vorüberziehen - und hatte plötzlich eine Vision:
Wie wäre es, wenn es dieses Live-Voting, das Stefan Raab ja jetzt neu erfunden hat um "unseren Star für Baku" zu ermitteln, auch im wirklichen Leben gäbe? Das wäre doch sehr interessant und unterhaltsam. Man wüsste ständig, wie es um die eigene Beliebtheit stehen würde. Man würde dann immer so einen Balken oben links im Sichtfeld eingeblendet haben, z.B. bei der Partnersuche oder in Vorstellungsgesprächen wäre das doch eine prima Sache.
Immerhin, dachte ich mir, befinde ich mich damit jetzt in illustrer Gesellschaft zu dem Sachbearbeiter aus dem Jugendamt und dem Erzieher aus dem Hort. Die hatten das alles nämlich schon vor mir durchgemacht und mich vorgewarnt. Ich saß also während des "Gespräches" da, guckte aus dem Fenster, ließ die Schimpftiraden geduldig an mir vorüberziehen - und hatte plötzlich eine Vision:
Wie wäre es, wenn es dieses Live-Voting, das Stefan Raab ja jetzt neu erfunden hat um "unseren Star für Baku" zu ermitteln, auch im wirklichen Leben gäbe? Das wäre doch sehr interessant und unterhaltsam. Man wüsste ständig, wie es um die eigene Beliebtheit stehen würde. Man würde dann immer so einen Balken oben links im Sichtfeld eingeblendet haben, z.B. bei der Partnersuche oder in Vorstellungsgesprächen wäre das doch eine prima Sache.
In Elterngesprächen würde dieser Balken wahrscheinlich bei bestimmten Schlagworten schnell nach oben flitzen, etwa bei "Ich weiß, wie sie sich fühlen, ich habe selbst Kinder", "Erkan gut Junge", "Hat nur die falschen Freunde", "Wie schaffen sie das bloß alles", "Hauptschulabschluss", "Hochbegabt" und so weiter, und so fort. Und ganz rapide abwärts gehen würde es - so wie heute, wenn Begriffe wie "Hyperaktiv", "Medikamente", "Kinder- und Jugendpsychologe" oder "Überprüfung" fallen. Heute wäre jedenfalls so ein Tag gewesen, an dem ich die erste Runde nie überstanden hätte.
So blieb mir nur, mich vor Verlassen des Besprechungszimmers durch einen Blick aus dem Fenster davon zu überzeugen, dass Papa Erkans 3er BMW nicht mehr auf dem Parkplatz stand. Anderenfalls wäre wohl ein Date mit meinem Zahnarzt am Nachmittag unausweichlich gewesen. Glück auf!
Sonntag, 22. Januar 2012
Schulranzen-Archäologie
Mitunter habe ich das Vergnügen, die Schulranzen meiner lieben Schülerlein zu inspizieren. Privatspäre hin oder her, manchmal ist es einfach notwendig, dass ich mich der Sache mal annehme und nach dem Rechten schaue. Zum Beispiel, wenn Pascal wieder einmal behauptet, sein Mitteilungsheft vergessen zu haben - ich aber den begründeten Verdacht habe, dass er sehr wohl dabei hat, dass jedoch Mama dort etwas unangenehmes reingeschrieben hat, was ich nicht lesen soll. Oder wenn Erkan es malwieder geschafft hat, eine volle Fantaflasche durch herumschmeißen seines Ranzes im selbigen auslaufen zu lassen und nun das ganze Teil unter Wasser, pardon: Fanta, steht. Oder wenn es zuverlässige Zeugenaussagen gibt, dass Justin geklaute Kaugumis dabei hat.
Dann heißt es: Ärmel hochgekrempelt, tief durchgeatmet und tapfer zugegriffen, denn was nun folgt, kann in vielen Fällen mit jeder Ekelaufgabe aus dem Dschungelcamp mithalten. Da kommen, neben den eigentlichen Schulmaterialien so manch interessante Dinge zum Vorschein, von denen man lieber nichts wissen würde und die man erst recht nicht gern zwischen den Fingern haben möchte.
Wie bei archäologischen Ausgrabungen haben wir es in der Regel mit mehreren Schichten zu tun, die aus unterschiedlichen Epochen stammen. Als erstes fallen einem da die Dinge ins Auge, die ganz oben auf liegen, weil sie im Moment die oberste Priorität im Leben des Schülers haben. Das können sein: Ein Panini-Fußballalbum, ein Nintendo DS, Muttis Handy, ein bis zwei Bakugans. Das sind so Plastikkugeln, die sich in Kampfroboter verwandeln, wenn man sie irgendwo gegenwirft - schwer angesagt. Also alles ganz wichtige Dinge, die man täglich braucht und daher immer in Greifweite haben muss.
Darunter kommt dann die Schicht der Dinge, die unserem jungen Freund auch mal wichtig waren, aber etwas in Vergessenheit geraten sind. Da wären zum Beispiel ein selbstgefalteter Papierflieger aus der letzten Woche, ein Bild, dass man von einem anderen Schüler vor einigen Tagen als Entschuldigung für irgendeinen Streit bekommen hat und ein schon etwas plattgedrückter aber ansonsten noch recht appetitlich anzusehender Schokoriegel. Den hat Marvin neulich verteilt, als er Geburtstag hatte.
Nun stoßen wir allmählich in größere Tiefen vor und langsam wird es unappetitlich. Wir kommen nun zu Dingen, deren Nutzen sich dem kleinen Ranzenbesitzer noch nie besonders erschlossen hat, bei denen er aber irgendwie genötigt wurde, sie einzupacken und die entsprechend schnell aus dem Gedächtnis gelöscht wurden. Hierzu gehört an erster Stelle: Obst jeder Art. Wir können an dieser Stelle viel lernen über die Verwesungsgeschwindigkeit unterschiedlicher Früchte. Bananen, so stellen wir fest, matschen ganz schnell und sind eindeutig Schulranzen inkompatibel. Aber auch Kiwis, die beim Kauf oft ja noch steinhart sind, verändern ihre Konsistenz sehr schnell zwischen Mathebüchern und Schreibheften. Erstaunlich lange halten sich hingegen Äpfel, selbst wenn sie angebissen sind. Zwischen dem Obstsalat finden wir andere Dinge, mit denen der Schüler nichts anzufangen wusste, zum Beispiel Elternbriefe. Spätestens jetzt wird klar, warum Familie Kaluppke nicht beim Elternabend war: Die Einladung ist niemals angekommen. Es ist natürlich klar, dass von den Kaluppkes niemand auf die Idee gekommen ist, gezielt danach zu suchen - oder überhaupt mal einen Blick in den Ranzen zu werfen. Deswegen stecke ich ja gerade überhaupt in dieser unangenehmen Situation!
Endlich erreichen wir dann die Talsohle des Ranzens. Hier hat sich einiges angesammelt, das nicht mehr eindeutig zu identifizieren ist. Alles hat sich mittlerweile zu einer einzigen Pampe vermischt. Zu erkennen sind noch Holzspäne aus dem Anspitzer, Radiergummibröckchen, Kaugummipapiere, Brotrinden und vertrocknete Salamischeiben. Kein Wunder, dass sich in dieser Umgebung Fruchtfliegen und andere Kleinsttiere pudelwohl fühlen und schon munter Eier gelegt haben.
Spätestens jetzt komme ich mir vor wie auf der "Body Farm" des FBI und ich kämpfe gegen den Würgereiz.
Drei Dinge stehen plötzlich für mich fest: 1. Das gibt einen saftigen Eintrag ins Mitteilungsheft mit Kopie für die Schulakte. 2. Der betroffene Schüler wird das alles in der nächsten Stunde höchstpersönlich unter meiner Aufsicht sauber schrubben. Und 3.: Ich muss ganz schnell raus hier und an die frische Luft! Glück auf!
Samstag, 21. Januar 2012
Vada a bordo, cazzo!
2012 ist erst wenige Tage alt, und dennoch steht eines für mich fest, nämlich das Zitat des Jahres. Es wird nicht mehr zu toppen sein. Es lautet: "Vada a bordo, cazzo!", was auf deutsch soviel heißt wie "Zurück auf's Schiff, A***loch!". Dieser Satz galt dem Kapitän des gesunkenen Kreuzfahrtschiffes "Cotsa Concordia" und stammt von dem diensthabenden Kommandanten der Küstenwache, der in Italien mittlerweile den Status eines Volkshelden hat.
Warum ich dieses Zitat so toll finde? Hören Sie sich mal den vollständigen Funkverkehr zwischen den beiden Herren an, gibt es z.B. auf youtube. Dann können Sie vielleicht verstehen, warum ich eine gewisse Seelenverwandtschaft zu dem Kommandanten verspüre.
Da ist also dieser dusselige und dreiste Kapitän, der viel zu früh das sinkende Schiff verlassen hat und nun per Funk aufgefordert wird, dorthin zurückzukehren. Er macht es aber einfach nicht. Er stellt sich dumm, erfindet immer neue Ausreden, spielt auf Zeit. Der Kommandant versucht es freundlich. Der Kommandant versucht es streng. Er bittet, er fordert auf, er befiehlt, er schreit, er droht und er flucht. Der Kapitän macht einfach nicht das, was er machen soll. Irgendwann platzt dem Kommandanten der Kragen. Und dafür soll er nun einen Orden bekommen.
Ich finde, dann habe ich auch einen Orden verdient. MINDESTENS einen! Pro Tag!
Denn solche Situationen passieren mir ständig. Keiner hört auf mich! Niemand interessiert sich für das, was ich sage. Ich glaube, ich bin eigentlich so ziemlich der unmächtigste Mensch der Welt. Alle machen eh, was sie wollen. Da hilft kein geduldiges Erklären, kein freundliches Bitten - und auch kein Schreien und Drohen.
Nehmen wir zum Beispiel Quentin. Er ist ein Meister im Aussitzen. Quentin soll im Deutschunterricht etwas schreiben? Dazu hat er keine Lust. Deswegen lässt er sich gaaanz viel Zeit beim Herauskramen seiner Federtasche. Dann stellt er fest: Oh, mein Schreibheft ist voll. Was machen wir denn da? Ist womöglich noch eines im Klassenschrank? Ach, und der Bleistift muss erstmal angespitzt werden. Jedenfalls sind alle anderen fast mit ihrer Aufgabe fertig, da fängt Quentin gerade erst an. Natürlich arbeite ich mit Belohnungen, Bestärkungen und Lob. Ich bin ja kein Drill Instructor. Aber trotzdem habe ich oft das Gefühl, einen aussichtslosen Kampf zu führen.
Oder Pascal. Kippelt ständig mit dem Stuhl. Und hat so auch schon einige Stürze gebaut. Auch hier helfen keine Ermahnungen (denk ans letzte Mal, du hattest eine große Beule...) und keine noch so paradoxen
Interventionen (du weißt nicht wie man auf einem Stuhl sitzt? Dann musst du jetzt im Stehen arbeiten!). Es braucht erst wieder den nächsten Un- bzw. Umfall. Da müsste doch langsam so etwas wie die Erkenntnis reifen: Ist vielleicht nicht so günstig, die Kippelei. Höre ich doch mal lieber auf den alten Bromseklöten, irgendwie hat er ja recht. Nein, passiert aber nicht..
Ähnlich läuft es bei Chantalle: In jeder Stunde sucht sie den Blickkontakt zu Erkan. Obwohl, oder gerade weil sie genau weiß: Der macht immer irgendwelche Faxen. Dann beschwert sie sich lautstark: Der lenkt mich ab, der schneidet mir Grimassen, woraus in der Regel ein Streit mit gegenseitigen Beschuldigungen ensteht, der für alle Schüler ein ruhiges Arbeiten unmöglich macht. Dabei rede ich mir seit Wochen den Mund fusselig: Guck auf deine Aufgabe. Dreh deinen Tisch so, dass du nicht zu Erkan gucken musst. Setz dich zur Not in den Nebenraum, da hast du deine Ruhe. Bringt alles nichts, warum auch, macht doch viel zu viel Spaß, sich dauernd zu zoffen.
Oder die Sache mit den sogenannten "Spaßkämpfen" in der Pause. In jeder Aufsicht spule ich den selben Text ab: Macht nicht so doll, passt auf, gleich tut sich jemand weh, ihr wisst doch, wie es letztes Mal ausgegangen ist. Dennoch habe ich nach jeder Pause Streitereien aufzudröseln, die genau aus diesen "Spielen" hervorgegangen sind: Dann hat der Justin den Marvin doch zu doll angefasst und der Leon ist in den Matsch gefallen, als der René ihn gejagt hat. So etwas macht mich unendlich müde.
Immer wieder gern genommen ist auch folgende Situation: Wir bearbeiten einen Lückentext, die einzusetztenden Wörter stehen unten auf dem Blatt. Ich weise das Auditorium, wie jedes Mal, darauf hin: Schreibt mit Bleistift! Falls ihr euch vertan habt, könnt ihr ein Wort wegradieren. Ansonsten müsst ihr nochmal ganz von vorne anfangen. Meinen Sie, das interessiert jemanden? Nein, man muss immer wieder auf's Neue die Erfahrung machen: Am Ende bleibt ein Wort stehen, dass nun gar nicht in die letzte freie Lücke passen will. Und dummerweise ist alles mit Kuli geschrieben. Also nochmal von vorne, wie ärgerlich. Tja, hättet ihr mal auf Euren Kommandanten gehört.
Ich könnte hier noch tausend andere ähnliche Situationen nennen. Vielleicht sollte ich einfach mal meinen Unterricht auf Tonband aufnehmen und an alle Radiosender schicken. Vielleicht sendet es ja jemand und ich bekomme auch einen Orden. In diesem Sinne: Vada a bordo! Und Glück auf!
Freitag, 20. Januar 2012
Willkommen in unserer Welt
(Sollte dieser Blog irgendwann einmal tatsächlich ein Buch werden, wovon Frau Mavinski ja fest überzeugt ist, wird dies das Vorwort!)
Wenn in den Medien malwieder über deutsche Schulen hergezogen wird, ist in der Regel vom "dreigliedrigen" Schulsystem die Rede. Das ist aber im Grunde genommen falsch, denn eigentlich ist unser Schulsystem viergliedrig. In der öffentlichen Diskussion gerne vergessen werden die Förderschulen. Diese Bildungsanstalten - formerly known as Sonderschule und Hilfsschule - sind sozusagen die Resterampe des Systems und das Sammelbecken für alle, die den Anforderungen von Grundschule und später mindestens Hauptschule nicht gewachsen sind - aus welchen Gründen auch immer.
Auch meine Kollegen und ich arbeiten an solch einer Förderschule und wenn wir das auf Partys oder sonst irgendwo erzählen, dann werden wir manchmal angeguckt, als kämen wir vom Mond. Die Reaktionen reichen von "Naja, das muss ja auch jemand machen" über "Boah, das ist doch bestimmt total frustrierend?" bis hin zu überraschten Frage:n wje "Ach, und sowas kann man studieren?" oder "Kann man denn davon leben?" Als männlicher FÖL (= Förderschullehrer) wird man sowieso gleich ganz schief angeguckt und entweder für schwul oder debil gehalten.
In solchen Momenten lässt man sich schnell dazu hinreißen, die heftigsten Horrorstories aus dem bisherigen Berufsleben zum Besten zu geben: Geschichten von stühleschmeißenden, scheißeschmierenden und drogendealenden Schülern. Um wenigstens ein bisschen Eindruck bei der Zuhörerschaft zu schinden. Diese Fälle gibt es natürlich wirklich, aber überwiegend geht es bei uns eigentlich doch sehr fröhlich zu und oft ist es sogar richtig lustig - genau davon handeln die Geschichten in diesem Blog.
Dass dies so ist, liegt natürlich vor allem an den Schülern, die in der Masse zwar schon oft als nervig und anstrengend empfunden werden, im Grunde genommen aber dem Schulalltag durch ihre Schrullen, Eigenarten und Unvollkommenheiten erst die richtige Würze verleihen, ohne die er total fad wäre. Durch sie ist jeder Vormittag wie eine große Wundertüte und wenn man morgens im Auto zur Schule fährt, weiß man eigentlich nie, was einen erwartet. Wer kann das von seinem Beruf schon behaupten?
Neben den Schülern trägt aber auch unser Kollegium dazu bei, dass es bei uns nie langweilig wird. Auch hier finden sich viele, die im öffentlichen Schulsystem nie klarkommen würden. Wir sind, genau wie unsere Schüler, viel zu schrullig, individuell und freiheitsliebend, um an einer "Regel-"Schule glücklich werden zu können und sich in das enge Korsett aus Lehrplanvorgaben und Elternerwartungen einzwängen zu lassen. Und wir lieben viel zu sehr das gemeinsame Arbeiten, um den ganzen Vormittag alleine als Einzelkämpfer vor einer Klasse stehen zu können und mit dem Schlussgong nach Hause ins einsame Arbeitszimmer abzudampfen.
Ein bisschen ist unsere Schule also wie das gallische Dorf von Asterix und Obelix: Ein Rückzugsort für - in positivem Sinne - "Spinner" und "Verrückte", an dem die Geschehnisse der Welt (in diesem Fall die gesamte Bildungsdiskussion der letzten Jahre) weitestgehend vorbeiziehen und in das sich kaum jemand Außenstehendes hineinwagt. Ich wage die Prognose, dass dies auch noch eine ganze Weile so bleiben wird - trotz Diskussion über gemeinsamen Unterricht, Integration oder Inklusion.
Wir laden Sie nun ein - auf eine Reise in die Welt der Justins, Pascals und Chantalles, die Welt der Bügelperlendidaktik und des Curriculumkreises. Begleiten Sie uns auf unserem täglichen pädagogischen Himmelfahrtskommando. In diesem Sinne: Gut festhalten und Glück auf!
Wenn in den Medien malwieder über deutsche Schulen hergezogen wird, ist in der Regel vom "dreigliedrigen" Schulsystem die Rede. Das ist aber im Grunde genommen falsch, denn eigentlich ist unser Schulsystem viergliedrig. In der öffentlichen Diskussion gerne vergessen werden die Förderschulen. Diese Bildungsanstalten - formerly known as Sonderschule und Hilfsschule - sind sozusagen die Resterampe des Systems und das Sammelbecken für alle, die den Anforderungen von Grundschule und später mindestens Hauptschule nicht gewachsen sind - aus welchen Gründen auch immer.
Auch meine Kollegen und ich arbeiten an solch einer Förderschule und wenn wir das auf Partys oder sonst irgendwo erzählen, dann werden wir manchmal angeguckt, als kämen wir vom Mond. Die Reaktionen reichen von "Naja, das muss ja auch jemand machen" über "Boah, das ist doch bestimmt total frustrierend?" bis hin zu überraschten Frage:n wje "Ach, und sowas kann man studieren?" oder "Kann man denn davon leben?" Als männlicher FÖL (= Förderschullehrer) wird man sowieso gleich ganz schief angeguckt und entweder für schwul oder debil gehalten.
In solchen Momenten lässt man sich schnell dazu hinreißen, die heftigsten Horrorstories aus dem bisherigen Berufsleben zum Besten zu geben: Geschichten von stühleschmeißenden, scheißeschmierenden und drogendealenden Schülern. Um wenigstens ein bisschen Eindruck bei der Zuhörerschaft zu schinden. Diese Fälle gibt es natürlich wirklich, aber überwiegend geht es bei uns eigentlich doch sehr fröhlich zu und oft ist es sogar richtig lustig - genau davon handeln die Geschichten in diesem Blog.
Dass dies so ist, liegt natürlich vor allem an den Schülern, die in der Masse zwar schon oft als nervig und anstrengend empfunden werden, im Grunde genommen aber dem Schulalltag durch ihre Schrullen, Eigenarten und Unvollkommenheiten erst die richtige Würze verleihen, ohne die er total fad wäre. Durch sie ist jeder Vormittag wie eine große Wundertüte und wenn man morgens im Auto zur Schule fährt, weiß man eigentlich nie, was einen erwartet. Wer kann das von seinem Beruf schon behaupten?
Neben den Schülern trägt aber auch unser Kollegium dazu bei, dass es bei uns nie langweilig wird. Auch hier finden sich viele, die im öffentlichen Schulsystem nie klarkommen würden. Wir sind, genau wie unsere Schüler, viel zu schrullig, individuell und freiheitsliebend, um an einer "Regel-"Schule glücklich werden zu können und sich in das enge Korsett aus Lehrplanvorgaben und Elternerwartungen einzwängen zu lassen. Und wir lieben viel zu sehr das gemeinsame Arbeiten, um den ganzen Vormittag alleine als Einzelkämpfer vor einer Klasse stehen zu können und mit dem Schlussgong nach Hause ins einsame Arbeitszimmer abzudampfen.
Ein bisschen ist unsere Schule also wie das gallische Dorf von Asterix und Obelix: Ein Rückzugsort für - in positivem Sinne - "Spinner" und "Verrückte", an dem die Geschehnisse der Welt (in diesem Fall die gesamte Bildungsdiskussion der letzten Jahre) weitestgehend vorbeiziehen und in das sich kaum jemand Außenstehendes hineinwagt. Ich wage die Prognose, dass dies auch noch eine ganze Weile so bleiben wird - trotz Diskussion über gemeinsamen Unterricht, Integration oder Inklusion.
Wir laden Sie nun ein - auf eine Reise in die Welt der Justins, Pascals und Chantalles, die Welt der Bügelperlendidaktik und des Curriculumkreises. Begleiten Sie uns auf unserem täglichen pädagogischen Himmelfahrtskommando. In diesem Sinne: Gut festhalten und Glück auf!
Mittwoch, 18. Januar 2012
Wer kann, der kann!
Der gemeine Förderschullehrer zeichnet sich ja dadurch aus, dass er im Gegensatz zu den handelsüblichen Gymnasiallehrern „alles“ kann. Soll heißen: Ein Förderschullehrer unterrichtet alle Fächer – auch die die er gar nicht studiert hat. Was ihn dazu berechtigt: Ein IQ von über 70. Das reicht. Damit liegt man auf jeden Fall über den Fähigkeiten der meisten Schüler. Das ist Lehrberechtigung (Leerberechtigung???) genug!
Es gibt nur ein einziges Fach, da sind wir uns in unserem Kollegium nicht ganz sicher, ob unser IQ die 70-Punkte-Marke tatsächlich durchschlägt. Und das ist Physik!
Physik ist das Fach, um das sich seit der Pensionierung von Herrn Duden keiner mehr kümmert, keiner mehr reißt, keiner mehr schert. Dieses Fach liegt förmlich brach!
Nun ist es unserer engagierten Ex-Lehramtsanwärterin Fr. Niederländer zu verdanken, dass sie den Stein wieder ins Rollen brachte. Physik ist schließlich ein wichtiger Bestandteil des Hauptschulcurriculums. Und in den künftigen Ausbildungsberufen unserer Schüler sind zumindest Grundkenntnisse in Physik dringend erforderlich!
Also gut – ein fundierter Physikunterricht muss her. Bloß – wo kriegen? Ein Grüppchen von Kollegen sammelte sich (man könnte sie auch „die Gefährten“ nennen) – streifte durch die Wälder der Didaktik-Messen, beratschlagte sich mit unseren Partnerschulen, durchforstete rastlos die Kataloge von Schulbuchherstellern und blieb schließlich an den Materialkoffern eines einschlägigen deutschen Lehrmittelausstatters hängen.
Ein Vertreter wurde eingeladen, der in einer nachmittäglichen Nachhilfesession Herrn Stempel, Herrn Käpt´n, Frau Niederländer und Frau Samstag in die Geheimnisse seines mitgebrachten Materialkoffers einweihte und sie anschließend so zermürbt und willenlos zurückließ, dass ohne weiter nachzudenken, der besagte Materialkoffer sogleich in unterschiedlichen Ausführungen und großer Stückzahl bestellt wurde. Puh--- Herr Käpt´n wurde ganz blass, als er den Rechnungsbetrag sah, der den Schuletat um Weiten sprengte. Wie er die Sache schließlich geregelt hat – keine Ahnung. Sein Auto, mit dem er die letzten Jahre immer zur Schule gekommen ist, hat er jedenfalls seit dem nicht mehr!
Dafür haben wir nun einen ganzen Satz Physik-Materialkoffer zu den Themen „Elektrizitätslehre, Mechanik und Optik“.
Da der Physik-IQ von Fr. Niederländer und mir tatsächlich weit unter 70 liegt, hatten wir bei erneutem Ausprobieren der Materialien die größte Mühe, die Versuche nachzuvollziehen, die uns der Herr Vertreter in mühevoller Kleinarbeit hatte verständlich machen wollen. So fingen wir bei Null an. Handreichungen waren zwar vorhanden – jedoch eindeutig für Nobelpreisträger formuliert! Wir mit einem IQ von 70: Keine Chance!
Selbst als wir uns Herrn Fan ins Boot holten, änderte sich an unserer Hilflosigkeit nicht viel. 3x70 genügt eben auch nicht, um die folgenden Fragen zu lösen:
Was ist der Unterschied zwischen Ampere, Volt und Ohm? Wie viele Glühbirnchen müssen sterben, bis wir in der Lage sind ein Netzgerät korrekt zu bedienen? Was macht man mit dem ganzen Gestänge im Mechanikbaukasten und wo zum Teufel liegt der Unterschied zwischen additiver und subtraktiver Farbmischung? Keine Ahnung!
Nach wochenlangem Tüfteln fühlten wir uns dann zumindest halbwegs in der Lage dem Rest des Kollegiums den Umgang mit diesen Wunderkästen näher zu bringen. Herr Fan, der inzwischen der Pate der Optikkästen geworden war, erkrankte leider plötzlich (vermutlich verstrahlt) und so mussten Fr. Niederländer und ich uns mit unserem gefährlichen Halbwissen und den noch viel gefährlicheren Materialkoffern alleine dem Kollegium stellen.
Der Pädagoge himself, der sich ja eher durch Selbstverliebtheit, VonSichRestlosÜberzeugtSein und einer ausgewachsenen Profilneurose mit tiefsitzendem Narzissmus auszeichnet, zeigte an diesem Tag mal sein anderes Gesicht. Naja. Zumindest die meisten aus unserem Kollegium: Unsicherheit machte sich breit. Kaum einer traute sich so recht an die aufgebauten Versuche. Physik? Konnte ich noch nie und werde ich auch nicht mehr lernen. Ein Flächendeckender Physik-IQ von 70 breitete sich im ganzen Raum aus. Im ganzen Raum – nein ein kleines Grüppchen von Kollegen trotzte der aufkommenden Hilflosigkeit. Herr Brandt entpuppte sich als fundierter Konstrukteur von Stromkreisen mit Parallel- und Reihenschaltung, Herr Bromseklöten ließ sich nicht lumpen und förderte sein tief vergrabenes Physikwissen aus der eigenen Schulzeit zu Tage und nach kurzer Zeit ließen sich auch die anfangs schüchterneren Vertreter wie Fr. Seltsam, Fr.Tulipan, Fr. Kandinsky und Fr. Torf nicht mehr bremsen und probierten sich mutig aus. Fast hätte es funktioniert und alle hätten sich am Schluss befähigt gefühlt, Versuche mit Schülern in Eigenregie durchzuführen –wäre da nicht Herr Wald-Orff gewesen, der an diesem Tag (das hat er manchmal) sein großes Ego spazieren führen musste und alle zur Seite drängte. „So ihr Blondchen, jetzt komme ich!“ Und ehe sich Fr. Zellphonitzky, Fr. Seltsam und die anderen „Blondinen“ wehren konnten, hatte er sie schon zur Seite geschoben, die vorbereiteten Arbeitsanweisungen gleich mit, und mit einer stoischen Ignoranz gegenüber den entsetzen Schreien von Fr. Samstag fing er an, wahllos Kabel zu verbinden, Glühbirnchen in Stromkreise zu zwängen und Stecker in die falschen Stellen des Netzteils zu jagen. Im Prinzip kann man sagen: Herr Wald-Orff produzierte an diesem Tag den kunstvoll ausgeführtesten Kurzschluss, den die Physiklehrerwelt je gesehen hat. Und das im Brustton der Überzeugung! Ganz ehrlich: Wäre er ein Schüler gewesen, ich hätte ihn rausgeschmissen! Aber bei Herrn Wald-Orff kann man das ja nicht machen. Am Ende dreht er einem dann vielleicht noch den Arm auf den Rücken und man muss sich auf Knien robbend bei ihm entschuldigen. Also durfte er bleiben. Irgendwie wars ja fast ein bißchen niedlich, wie er sich über seinen Kurzschluss am Ende gefreut hat! Die Blondinen mögen ihm verzeihen! Wer kann, der kann eben!
Ich finde jedenfalls, wir schlagen uns trotz unseres Physik-IQs von 70 ganz wacker. Fr. Großstädter wird sogar schon richtig übermütig. Die will jetzt mindestens einmal pro Woche den Schlüssel für die Physikschränke von mir haben. Ich glaube ja, die nimmt die Materialkoffer heimlich mit nach Hause und baut sich mit Herrn Großstädter dann richtig heiße Versuchsreihen auf…….
Es gibt nur ein einziges Fach, da sind wir uns in unserem Kollegium nicht ganz sicher, ob unser IQ die 70-Punkte-Marke tatsächlich durchschlägt. Und das ist Physik!
Physik ist das Fach, um das sich seit der Pensionierung von Herrn Duden keiner mehr kümmert, keiner mehr reißt, keiner mehr schert. Dieses Fach liegt förmlich brach!
Nun ist es unserer engagierten Ex-Lehramtsanwärterin Fr. Niederländer zu verdanken, dass sie den Stein wieder ins Rollen brachte. Physik ist schließlich ein wichtiger Bestandteil des Hauptschulcurriculums. Und in den künftigen Ausbildungsberufen unserer Schüler sind zumindest Grundkenntnisse in Physik dringend erforderlich!
Also gut – ein fundierter Physikunterricht muss her. Bloß – wo kriegen? Ein Grüppchen von Kollegen sammelte sich (man könnte sie auch „die Gefährten“ nennen) – streifte durch die Wälder der Didaktik-Messen, beratschlagte sich mit unseren Partnerschulen, durchforstete rastlos die Kataloge von Schulbuchherstellern und blieb schließlich an den Materialkoffern eines einschlägigen deutschen Lehrmittelausstatters hängen.
Ein Vertreter wurde eingeladen, der in einer nachmittäglichen Nachhilfesession Herrn Stempel, Herrn Käpt´n, Frau Niederländer und Frau Samstag in die Geheimnisse seines mitgebrachten Materialkoffers einweihte und sie anschließend so zermürbt und willenlos zurückließ, dass ohne weiter nachzudenken, der besagte Materialkoffer sogleich in unterschiedlichen Ausführungen und großer Stückzahl bestellt wurde. Puh--- Herr Käpt´n wurde ganz blass, als er den Rechnungsbetrag sah, der den Schuletat um Weiten sprengte. Wie er die Sache schließlich geregelt hat – keine Ahnung. Sein Auto, mit dem er die letzten Jahre immer zur Schule gekommen ist, hat er jedenfalls seit dem nicht mehr!
Dafür haben wir nun einen ganzen Satz Physik-Materialkoffer zu den Themen „Elektrizitätslehre, Mechanik und Optik“.
Da der Physik-IQ von Fr. Niederländer und mir tatsächlich weit unter 70 liegt, hatten wir bei erneutem Ausprobieren der Materialien die größte Mühe, die Versuche nachzuvollziehen, die uns der Herr Vertreter in mühevoller Kleinarbeit hatte verständlich machen wollen. So fingen wir bei Null an. Handreichungen waren zwar vorhanden – jedoch eindeutig für Nobelpreisträger formuliert! Wir mit einem IQ von 70: Keine Chance!
Selbst als wir uns Herrn Fan ins Boot holten, änderte sich an unserer Hilflosigkeit nicht viel. 3x70 genügt eben auch nicht, um die folgenden Fragen zu lösen:
Was ist der Unterschied zwischen Ampere, Volt und Ohm? Wie viele Glühbirnchen müssen sterben, bis wir in der Lage sind ein Netzgerät korrekt zu bedienen? Was macht man mit dem ganzen Gestänge im Mechanikbaukasten und wo zum Teufel liegt der Unterschied zwischen additiver und subtraktiver Farbmischung? Keine Ahnung!
Nach wochenlangem Tüfteln fühlten wir uns dann zumindest halbwegs in der Lage dem Rest des Kollegiums den Umgang mit diesen Wunderkästen näher zu bringen. Herr Fan, der inzwischen der Pate der Optikkästen geworden war, erkrankte leider plötzlich (vermutlich verstrahlt) und so mussten Fr. Niederländer und ich uns mit unserem gefährlichen Halbwissen und den noch viel gefährlicheren Materialkoffern alleine dem Kollegium stellen.
Der Pädagoge himself, der sich ja eher durch Selbstverliebtheit, VonSichRestlosÜberzeugtSein und einer ausgewachsenen Profilneurose mit tiefsitzendem Narzissmus auszeichnet, zeigte an diesem Tag mal sein anderes Gesicht. Naja. Zumindest die meisten aus unserem Kollegium: Unsicherheit machte sich breit. Kaum einer traute sich so recht an die aufgebauten Versuche. Physik? Konnte ich noch nie und werde ich auch nicht mehr lernen. Ein Flächendeckender Physik-IQ von 70 breitete sich im ganzen Raum aus. Im ganzen Raum – nein ein kleines Grüppchen von Kollegen trotzte der aufkommenden Hilflosigkeit. Herr Brandt entpuppte sich als fundierter Konstrukteur von Stromkreisen mit Parallel- und Reihenschaltung, Herr Bromseklöten ließ sich nicht lumpen und förderte sein tief vergrabenes Physikwissen aus der eigenen Schulzeit zu Tage und nach kurzer Zeit ließen sich auch die anfangs schüchterneren Vertreter wie Fr. Seltsam, Fr.Tulipan, Fr. Kandinsky und Fr. Torf nicht mehr bremsen und probierten sich mutig aus. Fast hätte es funktioniert und alle hätten sich am Schluss befähigt gefühlt, Versuche mit Schülern in Eigenregie durchzuführen –wäre da nicht Herr Wald-Orff gewesen, der an diesem Tag (das hat er manchmal) sein großes Ego spazieren führen musste und alle zur Seite drängte. „So ihr Blondchen, jetzt komme ich!“ Und ehe sich Fr. Zellphonitzky, Fr. Seltsam und die anderen „Blondinen“ wehren konnten, hatte er sie schon zur Seite geschoben, die vorbereiteten Arbeitsanweisungen gleich mit, und mit einer stoischen Ignoranz gegenüber den entsetzen Schreien von Fr. Samstag fing er an, wahllos Kabel zu verbinden, Glühbirnchen in Stromkreise zu zwängen und Stecker in die falschen Stellen des Netzteils zu jagen. Im Prinzip kann man sagen: Herr Wald-Orff produzierte an diesem Tag den kunstvoll ausgeführtesten Kurzschluss, den die Physiklehrerwelt je gesehen hat. Und das im Brustton der Überzeugung! Ganz ehrlich: Wäre er ein Schüler gewesen, ich hätte ihn rausgeschmissen! Aber bei Herrn Wald-Orff kann man das ja nicht machen. Am Ende dreht er einem dann vielleicht noch den Arm auf den Rücken und man muss sich auf Knien robbend bei ihm entschuldigen. Also durfte er bleiben. Irgendwie wars ja fast ein bißchen niedlich, wie er sich über seinen Kurzschluss am Ende gefreut hat! Die Blondinen mögen ihm verzeihen! Wer kann, der kann eben!
Ich finde jedenfalls, wir schlagen uns trotz unseres Physik-IQs von 70 ganz wacker. Fr. Großstädter wird sogar schon richtig übermütig. Die will jetzt mindestens einmal pro Woche den Schlüssel für die Physikschränke von mir haben. Ich glaube ja, die nimmt die Materialkoffer heimlich mit nach Hause und baut sich mit Herrn Großstädter dann richtig heiße Versuchsreihen auf…….
Das Herz einer jeden Förderschule: Das Telefon
Normalerweise wird Frauen ja nachgesagt, sie würden ausgesprochen gerne und häufig telefonieren. Tatsächlich zählte ich selbst früher auch einmal zu „diesen Frauen“. Aber das muss lange her sein. Inzwischen ist mein Bedarf an Telefongesprächen gesättigt. Man könnte auch sagen, ich bin pappsatt. In meiner Freizeit finden keine Telefongespräche mehr statt!
Mein „Telefoniergen“ ist schlichtweg dadurch befriedigt, dass ich in einer Förderschule arbeite.
Da steht „gerne und häufig telefonieren“ ja quasi schon in der Stellenbeschreibung. Oder anders gesagt: Wer nicht in der Lage ist zum Telefon zu greifen, der kann auch nicht Förderschullehrer werden!
In unserer Bildungsanstalt gibt es 2 Telefonapparate, die den Pädagogen zur Verfügung stehen. Und das ist eindeutig zu wenig! Nicht selten kommt es zu dramatischen Szenen, wenn nach 13 Uhr alle zu den Telefonen hechten und jeder der erste sein will. Da wird schon mal ein kleines Wettrennen mit ausschlagenden Ellenbogen veranstaltet um der erste am Klingeldraht zu sein.
Im Grunde ist es wie in der freien Wildbahn: Nur die Harten kommen in den Garten.
Das hat Herr Wald-Orff auch verstanden, denn er hat die Technik entwickelt, einem das Telefon einfach während dem laufenden Gespräch vom Ohr zu reißen und sich mit den Worten „Darf ich mal?Danke!“ -ohne eine Antwort abzuwarten- schnellen Schrittes mit seiner Beute zu entfernen!
Eine sehr erfolgreiche Taktik! Beneidenswert!
Wenn man einen der heißbegehrten Apparate ergattert hat, dann muss man nur noch ein stilles Örtchen finden, wo man möglichst ungestört sprechen kann. Das ist gar nicht so leicht.
Einer der beliebtesten Orte ist ein unbeheiztes Materiallager, das sich hinter der Aula verbirgt. Dort steht dann gerne mal der eine oder andere Kollege schlotternd im Dunkel und tastet sich mit dem Telefon in der Hand an Bühnendekoration und Leitzordnern entlang.
Eine andere beliebte Ecke befindet sich im Bermudadreieck zwischen Heizungskeller, Toiletten und Wäschekorb. Gut – da mieft es manchmal modrig-feucht und das Telefongespräch wird von den unmissverständlichen Geräuschen, die aus den Toiletten dringen, untermalt, aber immerhin ist es warm und hell. Man kann ja nicht alles haben.
Der bequemste Platz zum Telefonieren ist natürlich das Sekretariat, aber das kann man sich erst unter den Nagel reißen, wenn unsere Sekretärin Frau Fee endlich ihr Reich verlassen hat.
Und man muss sich auf Neider gefasst machen, die einem den Platz streitig machen.
Nur an die Telefone der Schulleitung wagt sich keiner ran! Vor Herrn Stempel und Herrn Käpt´n hat man einfach Respekt!
Grundsätzlich ist es so: Die Einstellung dem Telefon gegenüber wandelt sich im Laufe des Vormittags drastisch. Morgens vor 8Uhr möchte man es sich soweit wie möglich vom Leib halten. Mittags soll es so schnell wie möglich an den Leib ran! Morgens ist es eher die Außenwelt, die etwas von uns möchte. Mittags schlagen wir dann zurück!
Leider ist mein Platz im Lehrerzimmer an einer Stelle, von der sich das Telefon leicht erreichen lässt. So kommt man häufig vor 8Uhr oder in den Pausen nur dazu, seinen Kram zu erledigen, wenn man das Mobilteil des Telefons aus der Aufladestation nimmt und es heimlich den Kollegen an Tisch 3 unterjubelt. Meist klingelt es aber schon, bevor man diesen Plan in die Tat umsetzen konnte. „Förderschule, Samstag am Apparat?“ „Ja, Tach, Frau Schmidt ist mein Name. Ich möchte meinen Sohn krank melden!“. Und obwohl ich Frau Schmidt bestens kenne, weil sie die Elternvertreterin meiner Klasse ist, meldet sie sich jedesmal mit den Worten „Tach –Frau Schmidt ist mein Name!“
Häufig verlaufen diese morgendlichen Telefonate aber auch ohne nennenswerten Informationsgewinn im Sande. „Guten Morgen, ich möchte meinen Sohne Justin krank melden.“ „In welche Klasse geht denn Ihr Justin?“(Justins haben wir nämlich in jeder Klasse mindestens einen) „Oh, das weiß ich jetzt auch nicht so genau!“ „Okay-wie heißt denn der Klassenlehrer?“ „Ach Gottchen – da fragen Sie mich was!“…………..
Nach einem langen und nervenaufreibenden Vormittag mit diversen Justins, Pascals und Cheyennes, wird es um 13 Uhr dann wie gesagt Zeit, die Erzeuger an den glorreichen Taten ihrer Zöglinge vom Vormittag teilhaben zu lassen. Nicht, dass die Eltern sich noch ausgegrenzt fühlen, bei dem was wir mit ihren Kinder erleben ----das wollen wir ja nicht.
Von diesen Telefonaten gibt es unterschiedliche Kategorien. Die häufigsten zwei Kategorien sind: A – Im höchsten Maße unangenehm und unerfreulich, B- zum Kopfschütteln und Schmunzeln,
Kategorie A: „Hallo Frau Pratzke! Es tut uns leid, aber wir hatten auf dem Rückweg vom Schulausflug Stau. Nun hat ihr Sohn den Schulbus verpasst und muss mit der Straßenbahn von der Schule nach Hause fahren!“ Reaktion von Frau Pratzke: „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Das immer mir so etwas passieren muss. Immer sind es wir!“ „Äh, nein- die anderen Schüler müssen auch mit der Straßenbahn heimfahren!“. „Das ist doch wohl nicht zu fassen – wie kann man denn nur so dämlich planen. Sie sind ja wohl zu gar nichts zu gebrauchen! Ich reiche eine Beschwerde gegen Sie ein! Sehen Sie zu, wie Sie meinen armen kleinen Jungen nach Hause bringen! Aber mit der assozialen Straßenbahn fährt der sicher nicht!“ (Der arme, kleine Junge ist 14!) Frau Seltsam, die dieses Gespräch führen musste, verweigerte daraufhin ersteinmal sämtliche Telefongespräche und musste erst langsam wieder ans Telefonieren herangeführt werden!
Ebenfalls Kategorie A: „Guten Tag, Fr. Kork! Ihr Sohn war heute zum wiederholten Male in einen gewalttätigen Konflikt verwickelt und hat in der Pause einem Jungen die Nase blutig geschlagen, so dass dieser ins Krankenhaus musste! Ihr Sohn hat ein Aggressionsproblem!“ Frau Kork, hörbar lallend: „Iiiich sags mal ganz ehhhrlich!- Also, wenn miicch eeinner immer provo-provo-provoziert, dann sag ichs ihnen gaannz ehrlich!“ „Was sagen Sie mir dann ganz ehrlich?“ „Also, wenn mich einer provo-provo-provoziert, dann sag ichs Ihnen ganz ehrlich – dann schlag ich auch zu!“ ……
Kategorie B: Kemal fehlt seit Tagen in der Schule. Mutter ist unter ihrer Handynummer nicht zu erreichen. Auf der Festnetznummer meldet sich schließlich Kemal selbst: „Tach, Fr. Samstag!“ „Hallo Kemal – Sag mal, wo steckst du denn? Wir vermissen dich schon! Warum bist du denn heute nicht in der Schule?“ „Häh? Heute? Ich bin davon ausgegangen, heute wäre Sonntag!“ „Kemal – heute ist Montag! Schwing deine Hufe hier her!“ „Das wird nicht gehen, Fr. Samstag- ich spüle nämlich gerade Geschirr! Und ich kann ihnen sagen---das ist echt ne Menge! Meine Mutter kommt heute nämlich wieder, und da muss ich glaube ich doch mal langsam aufräumen – Hier siehts aus, als hätte ne Bombe eingeschlagen!“ Dafür habe ich natürlich Verständnis, frage aber doch interessiert nach: „Wie lange war denn deine Mutter weg?“ „Zwei Wochen! In Frankreich bei ihrem neuen Freund!“ „Letzte Woche hattest du Praktikum – warst du dort?“ „Äh, äh, ganz ehrlich? Nein! Aber Schwänzen kann man das nicht wirklich nennen! Ich war eher krank. Meine Mutter wollte auch eigentlich mit mir zum Arzt gehen!“ - Eigentlich? Ich ergänze seinen Satz …“Aber die war ja nicht da, richtig? Verstehe, verstehe!“ „Ja, aber heute kommt sie wirklich wieder! Sie hat schon die Grenze passiert!“ (–man kann Kemal zumindest nicht vorwerfen, dass er sich nicht ausdrücken kann!) „Okay, Kemal – dann sieh zu, dass du zumindest ab morgen wieder in die Schule kommst!“ „Oh, das wird wahrscheinlich nicht möglich sein – meine Mutter will heute Abend noch mit mir nach Frankreich umziehen!“.
Tja – was soll man dazu noch sagen! Au revoir, Cheri!
In die Kategorie B gehören natürlich auch die Gespräche, die meine Kollegin Fr. Seltsam täglich (!!!!) mit dem Hort führt, den Kimberly, Chayenne, Jaqueline und noch ein paar andere Mädchen unserer Schule besuchen. Bei den Gesprächen dreht es sich fast immer um „Frauenangelegenheiten“. „Hallo, Fr. Hirte – hier ist Seltsam aus der Schule. Ich wollte ihnen nur sagen, dass Kimberly schon seit Tagen über Unterleibsschmerzen klagt und heute heulend in der Schule zusammengebrochen ist. Sie wollte sich vor lauter Verzweiflung die Pulsadern mit einer Bastelschere aufschneiden und ließ sich gar nicht mehr beruhigen. Ihre Periode hat sie schon länger, jetzt befürchtet sie schwanger zu sein – vielleicht können Sie mal mit ihr reden!“ 10 Minuten später, Rückruf von Fr. Hirte: „Hallo Frau Seltsam – Entwarnung. Kimberley ist nicht schwanger – gerade hat sie ihre Tage bekommen!“ Und so oder so ähnlich geht das Tag täglich! Wenn man Frau Seltsams Telefonaten lauscht, könnte man meinen, sie arbeitet in einem Jungmütter-Betreuungsheim oder als Streetworkerin auf dem Straßenstrich…..
Natürlich gibt es neben Kategorie A und B noch viele andere Gesprächskategorien. Aber davon ein anderes Mal mehr. Jedenfalls ist es kein Wunder, dass man nach den zahlreichen nervenaufreibenden und häufig mit höchstem diplomatischem Fingerspitzengefühl zu führenden Telefongesprächen auf ebensolche am Abend keine Lust mehr hat. Da hilft alles nichts – Stecker ziehen oder sich verleugnen – selbst wenn die beste Freundin anruft!
Mein „Telefoniergen“ ist schlichtweg dadurch befriedigt, dass ich in einer Förderschule arbeite.
Da steht „gerne und häufig telefonieren“ ja quasi schon in der Stellenbeschreibung. Oder anders gesagt: Wer nicht in der Lage ist zum Telefon zu greifen, der kann auch nicht Förderschullehrer werden!
In unserer Bildungsanstalt gibt es 2 Telefonapparate, die den Pädagogen zur Verfügung stehen. Und das ist eindeutig zu wenig! Nicht selten kommt es zu dramatischen Szenen, wenn nach 13 Uhr alle zu den Telefonen hechten und jeder der erste sein will. Da wird schon mal ein kleines Wettrennen mit ausschlagenden Ellenbogen veranstaltet um der erste am Klingeldraht zu sein.
Im Grunde ist es wie in der freien Wildbahn: Nur die Harten kommen in den Garten.
Das hat Herr Wald-Orff auch verstanden, denn er hat die Technik entwickelt, einem das Telefon einfach während dem laufenden Gespräch vom Ohr zu reißen und sich mit den Worten „Darf ich mal?Danke!“ -ohne eine Antwort abzuwarten- schnellen Schrittes mit seiner Beute zu entfernen!
Eine sehr erfolgreiche Taktik! Beneidenswert!
Wenn man einen der heißbegehrten Apparate ergattert hat, dann muss man nur noch ein stilles Örtchen finden, wo man möglichst ungestört sprechen kann. Das ist gar nicht so leicht.
Einer der beliebtesten Orte ist ein unbeheiztes Materiallager, das sich hinter der Aula verbirgt. Dort steht dann gerne mal der eine oder andere Kollege schlotternd im Dunkel und tastet sich mit dem Telefon in der Hand an Bühnendekoration und Leitzordnern entlang.
Eine andere beliebte Ecke befindet sich im Bermudadreieck zwischen Heizungskeller, Toiletten und Wäschekorb. Gut – da mieft es manchmal modrig-feucht und das Telefongespräch wird von den unmissverständlichen Geräuschen, die aus den Toiletten dringen, untermalt, aber immerhin ist es warm und hell. Man kann ja nicht alles haben.
Der bequemste Platz zum Telefonieren ist natürlich das Sekretariat, aber das kann man sich erst unter den Nagel reißen, wenn unsere Sekretärin Frau Fee endlich ihr Reich verlassen hat.
Und man muss sich auf Neider gefasst machen, die einem den Platz streitig machen.
Nur an die Telefone der Schulleitung wagt sich keiner ran! Vor Herrn Stempel und Herrn Käpt´n hat man einfach Respekt!
Grundsätzlich ist es so: Die Einstellung dem Telefon gegenüber wandelt sich im Laufe des Vormittags drastisch. Morgens vor 8Uhr möchte man es sich soweit wie möglich vom Leib halten. Mittags soll es so schnell wie möglich an den Leib ran! Morgens ist es eher die Außenwelt, die etwas von uns möchte. Mittags schlagen wir dann zurück!
Leider ist mein Platz im Lehrerzimmer an einer Stelle, von der sich das Telefon leicht erreichen lässt. So kommt man häufig vor 8Uhr oder in den Pausen nur dazu, seinen Kram zu erledigen, wenn man das Mobilteil des Telefons aus der Aufladestation nimmt und es heimlich den Kollegen an Tisch 3 unterjubelt. Meist klingelt es aber schon, bevor man diesen Plan in die Tat umsetzen konnte. „Förderschule, Samstag am Apparat?“ „Ja, Tach, Frau Schmidt ist mein Name. Ich möchte meinen Sohn krank melden!“. Und obwohl ich Frau Schmidt bestens kenne, weil sie die Elternvertreterin meiner Klasse ist, meldet sie sich jedesmal mit den Worten „Tach –Frau Schmidt ist mein Name!“
Häufig verlaufen diese morgendlichen Telefonate aber auch ohne nennenswerten Informationsgewinn im Sande. „Guten Morgen, ich möchte meinen Sohne Justin krank melden.“ „In welche Klasse geht denn Ihr Justin?“(Justins haben wir nämlich in jeder Klasse mindestens einen) „Oh, das weiß ich jetzt auch nicht so genau!“ „Okay-wie heißt denn der Klassenlehrer?“ „Ach Gottchen – da fragen Sie mich was!“…………..
Nach einem langen und nervenaufreibenden Vormittag mit diversen Justins, Pascals und Cheyennes, wird es um 13 Uhr dann wie gesagt Zeit, die Erzeuger an den glorreichen Taten ihrer Zöglinge vom Vormittag teilhaben zu lassen. Nicht, dass die Eltern sich noch ausgegrenzt fühlen, bei dem was wir mit ihren Kinder erleben ----das wollen wir ja nicht.
Von diesen Telefonaten gibt es unterschiedliche Kategorien. Die häufigsten zwei Kategorien sind: A – Im höchsten Maße unangenehm und unerfreulich, B- zum Kopfschütteln und Schmunzeln,
Kategorie A: „Hallo Frau Pratzke! Es tut uns leid, aber wir hatten auf dem Rückweg vom Schulausflug Stau. Nun hat ihr Sohn den Schulbus verpasst und muss mit der Straßenbahn von der Schule nach Hause fahren!“ Reaktion von Frau Pratzke: „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Das immer mir so etwas passieren muss. Immer sind es wir!“ „Äh, nein- die anderen Schüler müssen auch mit der Straßenbahn heimfahren!“. „Das ist doch wohl nicht zu fassen – wie kann man denn nur so dämlich planen. Sie sind ja wohl zu gar nichts zu gebrauchen! Ich reiche eine Beschwerde gegen Sie ein! Sehen Sie zu, wie Sie meinen armen kleinen Jungen nach Hause bringen! Aber mit der assozialen Straßenbahn fährt der sicher nicht!“ (Der arme, kleine Junge ist 14!) Frau Seltsam, die dieses Gespräch führen musste, verweigerte daraufhin ersteinmal sämtliche Telefongespräche und musste erst langsam wieder ans Telefonieren herangeführt werden!
Ebenfalls Kategorie A: „Guten Tag, Fr. Kork! Ihr Sohn war heute zum wiederholten Male in einen gewalttätigen Konflikt verwickelt und hat in der Pause einem Jungen die Nase blutig geschlagen, so dass dieser ins Krankenhaus musste! Ihr Sohn hat ein Aggressionsproblem!“ Frau Kork, hörbar lallend: „Iiiich sags mal ganz ehhhrlich!- Also, wenn miicch eeinner immer provo-provo-provoziert, dann sag ichs ihnen gaannz ehrlich!“ „Was sagen Sie mir dann ganz ehrlich?“ „Also, wenn mich einer provo-provo-provoziert, dann sag ichs Ihnen ganz ehrlich – dann schlag ich auch zu!“ ……
Kategorie B: Kemal fehlt seit Tagen in der Schule. Mutter ist unter ihrer Handynummer nicht zu erreichen. Auf der Festnetznummer meldet sich schließlich Kemal selbst: „Tach, Fr. Samstag!“ „Hallo Kemal – Sag mal, wo steckst du denn? Wir vermissen dich schon! Warum bist du denn heute nicht in der Schule?“ „Häh? Heute? Ich bin davon ausgegangen, heute wäre Sonntag!“ „Kemal – heute ist Montag! Schwing deine Hufe hier her!“ „Das wird nicht gehen, Fr. Samstag- ich spüle nämlich gerade Geschirr! Und ich kann ihnen sagen---das ist echt ne Menge! Meine Mutter kommt heute nämlich wieder, und da muss ich glaube ich doch mal langsam aufräumen – Hier siehts aus, als hätte ne Bombe eingeschlagen!“ Dafür habe ich natürlich Verständnis, frage aber doch interessiert nach: „Wie lange war denn deine Mutter weg?“ „Zwei Wochen! In Frankreich bei ihrem neuen Freund!“ „Letzte Woche hattest du Praktikum – warst du dort?“ „Äh, äh, ganz ehrlich? Nein! Aber Schwänzen kann man das nicht wirklich nennen! Ich war eher krank. Meine Mutter wollte auch eigentlich mit mir zum Arzt gehen!“ - Eigentlich? Ich ergänze seinen Satz …“Aber die war ja nicht da, richtig? Verstehe, verstehe!“ „Ja, aber heute kommt sie wirklich wieder! Sie hat schon die Grenze passiert!“ (–man kann Kemal zumindest nicht vorwerfen, dass er sich nicht ausdrücken kann!) „Okay, Kemal – dann sieh zu, dass du zumindest ab morgen wieder in die Schule kommst!“ „Oh, das wird wahrscheinlich nicht möglich sein – meine Mutter will heute Abend noch mit mir nach Frankreich umziehen!“.
Tja – was soll man dazu noch sagen! Au revoir, Cheri!
In die Kategorie B gehören natürlich auch die Gespräche, die meine Kollegin Fr. Seltsam täglich (!!!!) mit dem Hort führt, den Kimberly, Chayenne, Jaqueline und noch ein paar andere Mädchen unserer Schule besuchen. Bei den Gesprächen dreht es sich fast immer um „Frauenangelegenheiten“. „Hallo, Fr. Hirte – hier ist Seltsam aus der Schule. Ich wollte ihnen nur sagen, dass Kimberly schon seit Tagen über Unterleibsschmerzen klagt und heute heulend in der Schule zusammengebrochen ist. Sie wollte sich vor lauter Verzweiflung die Pulsadern mit einer Bastelschere aufschneiden und ließ sich gar nicht mehr beruhigen. Ihre Periode hat sie schon länger, jetzt befürchtet sie schwanger zu sein – vielleicht können Sie mal mit ihr reden!“ 10 Minuten später, Rückruf von Fr. Hirte: „Hallo Frau Seltsam – Entwarnung. Kimberley ist nicht schwanger – gerade hat sie ihre Tage bekommen!“ Und so oder so ähnlich geht das Tag täglich! Wenn man Frau Seltsams Telefonaten lauscht, könnte man meinen, sie arbeitet in einem Jungmütter-Betreuungsheim oder als Streetworkerin auf dem Straßenstrich…..
Natürlich gibt es neben Kategorie A und B noch viele andere Gesprächskategorien. Aber davon ein anderes Mal mehr. Jedenfalls ist es kein Wunder, dass man nach den zahlreichen nervenaufreibenden und häufig mit höchstem diplomatischem Fingerspitzengefühl zu führenden Telefongesprächen auf ebensolche am Abend keine Lust mehr hat. Da hilft alles nichts – Stecker ziehen oder sich verleugnen – selbst wenn die beste Freundin anruft!
Freitag, 13. Januar 2012
Wer mit wem? Wann? Wo? Und wie oft??
Braun und weiß - das sind bekanntlich die Farben vom FC St.Pauli, von der Milchschnitte und auch, naja, von manchen Babywindeln. Aber braun und weiß, das bin auch ich. Jedenfalls auf der Stundenplantafel in unserem Lehrerzimmer. Dort ist jeder Kollege mit Magneten in einer bestimmten Farbkombination dargestellt. Was auf den ersten Blick total chaotisch aussieht, gibt dem geübten Betrachter einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Fragen des Schulalltags: Wer mit wem? Wann? Wo? Und wie oft?
Natürlich gibt es für so etwas auch mittlerweile umfangreiche Computerprogramme, aber bei uns ist alles noch echte Handarbeit - was im Falle eines Erdbebens oder eines Flugzeugabsturzes über unserer Schule zur Folge hätte, dass das ganze Konstrukt in sich zusammenfallen würde. Immerhin hatte Frau Mavinski kürzlich die Idee, die Tafel abzufotografieren. Für alle Fälle, man weiß ja nie. Frau Mavinski ist nämlich die Kollegin, die uns jedes halbe Jahr auf's Neue dieses künstlerisch wertvolle Mosaik an die Wand zaubert. Und dafür gebührt ihr Lob, Ehre und Dank.
Natürlich ist das "Stundenplanstecken" wie alle heiligen Handlungen mit einer Menge an Ritualen verbunden. Schon Tage vorher dürfen alle pädagogischen Fachkräfte ihre Wünsche für den Stundenplan auf Zettel schreiben und bei Frau Mavinski ins Fach legen. Anders als beim Weihnachtsmann gilt hier nicht die Regel: "Nur, was in Papier geht" und so darf man sich hier mal so richtig austoben, z.B. gaaanz viele Stunden in Doppelbesetzung mit der feschen jungen Kollegin. Was man dann kriegt, ist natürlich eine andere Sache. Womöglich doch wieder den ollen Bromseklöten.
Und dann macht sich Frau Mavinski ans Werk. Dies beginnt jedes Mal mit der Frage: Wo ist die Kiste mit den bunten Magneten? In der dafür vorgesehenen Schublade jedenfalls nicht, natürlich. Ist sie etwa der letzten Wegschmeißaktion von Frau Tulipan zum Opfer gefallen? Oder haben verfressene Kollegen sie für Lakritz gehalten? Naja, irgendwann taucht sie auf. Nun folgt noch die feierliche Bestimmung der beiden Assistenten, die für die große Meisterin Mavinski die Tafel von der Wand abhängen dürfen, dann kann sie mit ihrer rituellen Handlung beginnen. Und wehe dem, der sie dabei stört! Der kriegt garantiert die Klasse von Herrn Mei am Freitag in der sechsten Stunde aufgedrückt - als Strafe.
Deshalb verpieseln sich alle lieber nach Hause, stehen aber am nächsten Morgen ganz besonders früh auf der Matte um sich das fertige Werk anzusehen und - natürlich - zu meckern. Da hat doch unser Camping-Freak tatsächlich Freitag bis 13 Uhr. Wo gibt's denn so was? Wie soll er denn dann pünktlich um 15 Uhr mit seinem Womo auf dem Darß stehen! Mensch, Frau Mavinski, wieder mal nicht nachgedacht. Oder Frau Zellphonitzki und Frau Torf, die beiden Unzertrennlichen, die dieses Mal gleich für zwei Stunden pro Woche auseinander gerissen wurden. Dabei weiß doch jeder, dass die beiden nicht ohne einander können.
So bildet sich schnell eine große Menschentraube um die Tafel, als würde dort ein Teller mit Mettbrötchen stehen. Und manch einer versucht natürlich in dem Gewühl die Gunst der Stunde zu nutzen, um den ein oder anderen Kollegen noch zu einem Tauschgeschäft zu bewegen (biete Kunst in der 5a gegen Musik in der 6b) oder zur Not heimlich mal ganz schnell selbst Hand anzulegen.
Irgendwann sind dann aber doch alle zufrieden und glücklich - das ist genau der Moment in dem garantiert eine Kollegin mit der Nachricht rausrückt, dass sie schwanger ist, ein Kollege mitteilt, dass sein Versetzungsantrag nun endlich durch ist oder das Studienseminar anruft und uns noch eine Referendarin aufschwatzt, die noch eingeteilt werden muss. Auch dann bleibt Frau Mavinsiki äußerlich ganz ruhig - aber sie denkt ganz sicher nur: "Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!" Glück auf!
Natürlich gibt es für so etwas auch mittlerweile umfangreiche Computerprogramme, aber bei uns ist alles noch echte Handarbeit - was im Falle eines Erdbebens oder eines Flugzeugabsturzes über unserer Schule zur Folge hätte, dass das ganze Konstrukt in sich zusammenfallen würde. Immerhin hatte Frau Mavinski kürzlich die Idee, die Tafel abzufotografieren. Für alle Fälle, man weiß ja nie. Frau Mavinski ist nämlich die Kollegin, die uns jedes halbe Jahr auf's Neue dieses künstlerisch wertvolle Mosaik an die Wand zaubert. Und dafür gebührt ihr Lob, Ehre und Dank.
Natürlich ist das "Stundenplanstecken" wie alle heiligen Handlungen mit einer Menge an Ritualen verbunden. Schon Tage vorher dürfen alle pädagogischen Fachkräfte ihre Wünsche für den Stundenplan auf Zettel schreiben und bei Frau Mavinski ins Fach legen. Anders als beim Weihnachtsmann gilt hier nicht die Regel: "Nur, was in Papier geht" und so darf man sich hier mal so richtig austoben, z.B. gaaanz viele Stunden in Doppelbesetzung mit der feschen jungen Kollegin. Was man dann kriegt, ist natürlich eine andere Sache. Womöglich doch wieder den ollen Bromseklöten.
Und dann macht sich Frau Mavinski ans Werk. Dies beginnt jedes Mal mit der Frage: Wo ist die Kiste mit den bunten Magneten? In der dafür vorgesehenen Schublade jedenfalls nicht, natürlich. Ist sie etwa der letzten Wegschmeißaktion von Frau Tulipan zum Opfer gefallen? Oder haben verfressene Kollegen sie für Lakritz gehalten? Naja, irgendwann taucht sie auf. Nun folgt noch die feierliche Bestimmung der beiden Assistenten, die für die große Meisterin Mavinski die Tafel von der Wand abhängen dürfen, dann kann sie mit ihrer rituellen Handlung beginnen. Und wehe dem, der sie dabei stört! Der kriegt garantiert die Klasse von Herrn Mei am Freitag in der sechsten Stunde aufgedrückt - als Strafe.
Deshalb verpieseln sich alle lieber nach Hause, stehen aber am nächsten Morgen ganz besonders früh auf der Matte um sich das fertige Werk anzusehen und - natürlich - zu meckern. Da hat doch unser Camping-Freak tatsächlich Freitag bis 13 Uhr. Wo gibt's denn so was? Wie soll er denn dann pünktlich um 15 Uhr mit seinem Womo auf dem Darß stehen! Mensch, Frau Mavinski, wieder mal nicht nachgedacht. Oder Frau Zellphonitzki und Frau Torf, die beiden Unzertrennlichen, die dieses Mal gleich für zwei Stunden pro Woche auseinander gerissen wurden. Dabei weiß doch jeder, dass die beiden nicht ohne einander können.
So bildet sich schnell eine große Menschentraube um die Tafel, als würde dort ein Teller mit Mettbrötchen stehen. Und manch einer versucht natürlich in dem Gewühl die Gunst der Stunde zu nutzen, um den ein oder anderen Kollegen noch zu einem Tauschgeschäft zu bewegen (biete Kunst in der 5a gegen Musik in der 6b) oder zur Not heimlich mal ganz schnell selbst Hand anzulegen.
Irgendwann sind dann aber doch alle zufrieden und glücklich - das ist genau der Moment in dem garantiert eine Kollegin mit der Nachricht rausrückt, dass sie schwanger ist, ein Kollege mitteilt, dass sein Versetzungsantrag nun endlich durch ist oder das Studienseminar anruft und uns noch eine Referendarin aufschwatzt, die noch eingeteilt werden muss. Auch dann bleibt Frau Mavinsiki äußerlich ganz ruhig - aber sie denkt ganz sicher nur: "Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!" Glück auf!
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