Samstag, 29. September 2012

Die große weite Welt

Kürzlich haben meine Schüler an einem landesweiten Ideenwettbewerb teilgenommen und eine Gruppe hat sogar einen Preis gewonnen. Fünfhundert Euro in bar für die Klassenraumausstattung. Boah, das war wie ein Lottogewinn für uns! Zu dieser Summe kam noch eine weitere Attraktion hinzu: Wir wurden eingeladen, auf Kosten des Veranstelters in einer fremden Stadt an der feierlichen Preisverleihung teilzunehmen. Nun ist für die meisten meiner Schüler schon eine gewöhnliche Klassenfahrt in irgendein Naturfreundehaus ein Erlebnis erster Güte, aber auf dieser Reise sollten wir sogar richtig feudal im Hotel übernachten. Da war die Aufregung natürlich im Vorfeld enorm. "Hernn Bromseklöten! Wir sind jetzt richitge Stars!" "Herrn Bromseklöten, wir machen die Minibar leer!" "Herrn Bromseklöten, ich gucke die ganze Nacht Horrorfilme und lasse mir vom Zimmerservice Pizza bringen!". Das alles kannten sie aus dem Fernsehen. Kevin allein in New York. In einem richtigen Hotel waren die meisten noch nie gewesen.
Als wir die Reiseunterlagen zugeschickt bekamen setzte ich mich gleich an den Rechner und googelte unser Quartier. Wahrscheinlich irgendsoein heruntergekommenes Cityhostel an einer lauten Ausfallstraße, dachte ich mir. Nach jahrelanger Erfahrung mit unserem Bildungssystem ging ich davon aus, dass niemand besonders viel Geld für meine Schüler ausgeben würde. Aber, weit gefehlt, dieses Mal war es anders. Das "Parkhotel am Schwanenteich" mit seinen vier Sternen wartete auf uns. Oh weia, wenn das mal gut gehen würde, dachte ich mir. Die wissen doch gar nicht, wie man sich da zu benehmen hat.
An einem Mittwochmorgen traten wir also unsere Reise ins Unbekannte an. Unsere Fahrt sollte um 7 Uhr morgens am heimischen Bahnhof losgehen. Drei Wochen vorher hatte ich die Eltern der fünf teilnehmenden Schüler informiert, dass sie bitte organisieren sollen, wie ihre Schützlinge dorthin kommen würden. In vier Fällen gelang dies auch  - teilweise durch meine Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten. Lediglich die Mutter von Pascal, der in einem weit außerhalb gelegenen Kaff wohnt, hatte am Tag vorher angerufen und gefragt, wie ihr Sohn denn nun zum Bahnhof kommen solle. Hallo?, dachte ich mir, soll sie sich mit ihm halt in den Bus setzen! Ist zwar ein längerer Ritt, aber machbar. Muss man halt einfach mal früh aufstehen. Arbeiten tut Pascals Mutter jedenfalls nicht.
Geschafft hat sie es dann trotzdem nicht, schade für Pascal. Aber irgendwie bin ich dann auch nicht für die Lösung aller Probleme zuständig. Und so fuhren wir ohne Pascal. Mit dabei und voll aufgeregter Vorfreude waren hingegen René, Niko, Helmut und Chantalle. Und, zu meiner Unterstützung, Frau Ogg.
Gemeinsam bestiegen wir den Zug und suchten uns ein nettes Plätzchen, an dem wir es uns gemütlich machten. René holte seinen mp3-Player undeine  zwei-Kilo-Box Weingummi raus, die restliche Fahrt starrte er mampfend aus dem Fenster. Außer ein paar leise vernehmbaren Bässen war von ihm nichts mehr zu hören. Perfekt. Ähnlich verhielt es sich mit Niko, der seinen Nintendo DS aufklappte und völlig vom Geschehen auf dem kleinen Bildschirm eingenommen war. Zum Glück hatte seine treusorgende Mutter frische Akkus eingepackt. Etwas mehr Zuspruch und Entertainment forderten hingegen Helmut und Chantalle ein. Helmut, der vorher noch nie mit dem Zug gefahren war, musste vor lauter Aufregung erst einmal aufs Klo. Da in beide Richtungen die Toiletten besetzt waren und er sich nicht entscheiden konnte, vor einer der Türen zu warten, lief er mehrfach zwischen beiden Klos hin und her. So war er bald zugbekannt. Wir ließen ihn machen und hofften einfach, dass er nicht irgendwann auf die Idee kommen würde,  nach links oder rehts abzubiegen. Irgendwann fand er dann wohl Einlass, jedenfalls kam er längere Zeit nicht mehr an unserem Platz vorbei.
Chantalle hingegen war voll und ganz mit der Frage des richtigen Stylings für unseren Trip beschäftigt. Gemeinsam mit Frau Ogg diskutierte sie verschiedene Möglichkeiten des Einsatzes von Makeup, Zopfspangen und Haargummis. Als der Service-Wagen vorbei kommt, verkloppt sie gleich ihr ganzes Taschengeld - immerhin ist an der Front erstmal Ruhe. Irgendwann schickten wir sie los, Helmut zu suchen und tatsächlich gelang es ihr, herauszufinden in welcher Toilette dieser steckte und ihn auch wieder an Land zu bringen. Die restliche Fahrt beschäftigten wir die beiden mit diversen kleinen Reisespielen und Rätseln - und vermieden dadurch weitestgehend erfolgreich, dass die beiden anfingen im Zug rumzutoben oder sich aus Langeweile wegen irgend etwas in die Haare zu kriegen. Zwischendurch klärten wir auch einige wichtige Fragen: "Sind wir noch in Deutschland?" ("Ja, wir fahren nur in eine andere STADT, nicht in ein anderes LAND!") "Was ist das für ein großes Haus?" ("Das ist die Bahnhofshalle von Xyz. Wir halten hier, damit Leute ein- und aussteigen können. ... NEIN, wir bleiben sitzen!").
Wie wir da so saßen, schienen wir sehr familiär auszusehen, jedenfalls hörte ich eine vorbeigehende ältere Frau zu ihrem Mann noch sagen: "Ganz schön junge Eltern für so viele Kinder!". Da mussten wir sehr lachen - na, lass die Leute reden. Irgendwann hatten wir jedenfalls unser Ziel erreicht und wir verließen den Zug.
Mit dem Taxi ging es zum Festsaal, in dem die Preisverleihung stattfinden sollte. Taxifahren ist ja zumindest etwas, in dem unsere Schüler Profis sind. Jeden Tag werden sie auf diese Art ja zur Schule gebracht und wieder abgeholt.
Am Ziel angekommen sind sie jedoch wieder in einer total fremden Welt. Hier wimmelt es von Leuten, denn wir sind natürlich nicht die einzige Schule, die hier vertreten ist. Insgesamt laufen hier bestimmt an die 300 Schüler aus dem ganzen Bundesland herum, dazu Lehrer, Organisatoren, Sponsoren, Presseleute. Helmut ist plötzlich ganz anhänglich und kuschelt sich an mich. "Zu viele Leute hier, Herrn Bromseklöten!" flüstert er. Doch als wir persönlich begrüßt werden und unsere "VIP"-Umhängebänder bekommen, taut er schnell wieder auf. Sofort beginnt er, dem freundlichen Herrn am Empfang bis ins kleinste Detail alles über unseren Wettbewerbsbeitrag zu erzählen. Dieser ist anfangs noch recht interessiert, wird aber zusehends nervöser, als er merkt, dass Helmut nicht gedenkt, so schnell mit reden aufzuhören und sich hinter uns ein Stau von anderen ankommenden Gruppen bildet. Offenbar ist er ziemlich unsicher, wie er mit der Stituation umgehen soll, denn seine Erfahrungen mit Förderschülern ist vermutlich gleich null. Also ist es an Frau Ogg und mir, Helmut abzulenken und seine Aufmerksamkeit auf das Buffet zu lenken, auf dem es weiter hinten kleine Stärkungen und Erfrischungen gibt. Alle Schüler stürzen sich sofort auf die Colaflaschen - dieses Getränk in nahezu unbegrenzten Mengen zu konsumieren ist für sie der totale Luxus. Als sich dann die Türen des Festsaals öffnen, haben alle einen totalen Blubberbauch. Außerdem hat sich das Lampenfieber inzwischen auch bei Niko ausgebreitet, dem bisher der eigentliche Zweck unserer Reise nicht klar zu machen war. Jetzt steht er mit uns anderen aber stolz wie Bolle im Scheinwerferlicht und hört sich an, was die Laudatoren zu sagen haben. Zum Glück sind wir als erstes dran, aber nach uns werden noch etwa 10 weitere Gruppen geehrt, die Veranstaltung dauert fast zwei Stunden. So lange können unsere Schüler im Unterricht nie stillsitzen, aber hier schaffen sie es irgendwie. Niko flüstert die ganze Zeit: "Wir haben gewonnen! Wir haben gewonnen!", Chantalle fällt alle fünf Minuten jauchzend Frau Ogg um den Hals, Helmut zieht die ganze Zeit Grimassen in Richtung der umsitzenden Zuschauer und René mampft weiter Weingummi und hat schon wieder die Knöpfe in den Ohren. Aber: Sie halten es durch, sie fallen sonst nicht weiter auf.
Nachdem alles überstanden ist und wir uns wieder an der frischen Luft bewegen, kommt der jedoch der große Zusammenbruch. Nun sind sie wieder ganz die alten. Niko beleidtigt Chantalle, Chantalle tritt Niko. Helmut hat Hunger, René ist plötzlich verschwunden und kommt nach einer Weile mit einem neuen Eimer Haribo zurück. Bevor er den aber öffnen kann, beschließen wir, gemeinsam einen Teil unseres Preisgeldes in eine warme Mahlzeit umzusetzen und steuern die nächste Pizzeria an. Hier klappt alles wieder ganz prima, nur Helmut kämpft mit seiner Lasagne. Mit dem Messer versucht er, das braune Tonschälchen, in dem diese serviert wurde, zu durchschneiden: "Herrn Bromseklöten, muss ich die harte Kruste mitessen?".
Nach dem Essen wird es höchste Zeit, das Hotel anzusteuern. Mit kopiertem Stadtplan und unseren Köfferchen und Rucksäcken sehen wir ein bisschen wie eine ganz normale Reisegruppe aus. Nach wenigen Minuten erreichen wir dann das Hotel. Hier hat man uns schon erwartet. Die Dame an der Rezeption bleibt professionell, man merkt aber, dass sie uns schon ein wenig lustig findet. Während Frau Ogg und ich mit dem Einchecken beschäftigt sind, beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie Niko wahllos Infoprospekte über Ausflugsziele aus dem Aufsteller nimmt (hier gibt es was umsonst - da muss man zuschlagen!) und Helmut "Jugend forscht" mit der automatischen Schiebetür spielt. Plötzlich weiß ich ganz genau, an wen mich meine Schüler auf dieser Fahrt oft erinnern: an Mister Bean!
Wir lassen uns die Schlüssel geben und beziehen unsere Zimmer. Die drei Jungs sind zufrieden mit ihrem Zimmer, sofort läuft die Glotze, die Süßigkeiten sind rausgeholt und alle drei fläzen sich auf ihren Betten. Nach fünf Minuten ist eine Luft wie in einem Pumakäfig und das Zimmer sieht aus als hätten die Rolling Stones zu ihren wildesten Zeiten hier zwei Wochen gewohnt. Chantalle hingegen ist bockig.
Sie will nicht alleine schlafen. Das findet sie langweilig. Und das tolle Schwimmbad im Hotelkeller darf sie auch nicht ausprobieren, denn sie hat keine Badesachen mit. "Scheiß Eltern!" ruft sie Frau Ogg und mir zu und heult erst einmal ne Weile. Die ganze Anspannung des Tages fällt wohl von ihr ab. Wir können sie dann damit beruhigen, dass sie hier - vom Bett aus - endlich mal so viel Viva gucken will wie sie will und animieren sie auch dazu, mal die Wanne in ihrem Bad auszuprobieren. Nach einer kurzen Einweisung ("Stöpsel rein, Wasser an, selber rein...") kann sie dies akzeptieren, verschanzt sich im Badezimmer und kommt nicht eher raus, bevor das Wasser unter der Tür hindurchläuft. Dann legt sie sich ins Bett und ist nach wenigen Minuten eingeschlafen. Da auch von den Jungs keine Geräusche mehr nach draußen dringen, gehen auch Frau Ogg und ich zum gemütlichen Teil des Abends über und lassen den erfolgreichen Tag mit einem roten Italiener ausklingen.
Am nächsten Morgen machen wir dann den Weckdienst. Es dauert eine Weile, bis die Jungs aus den Betten gekrochen sind und bei Chantalle müssen wir besonders lange klopfen, bis sie uns hört. Wir beschließen - anders als auf Klassenfahrten - heute mal nicht auf die Körperpflege unserer Schützlinge zu achten, denn schließlich werden wir mittags ja schon wieder zu Hause sein. Und Helmut hatte sowieso schon zu Beginn unserer Reise kund getan: "Ich dusche nur dienstags und freitags". (Wir haben den Verdacht, dass er es mit dem Zähneputzen genau so hält.)
Vor der Rückreise steht aber noch das letzte Highlight an: Das opulente Frühstücksbuffet. Für unsere Schüler eine völlige Reizüberflutung! So ein Überangebot an Speisen haben sie noch nie erlebt, mit Ausnahme von René, der kürzlich im Cluburlaub in Spanien war. Aber der hat sowieso keinen Hunger heute. Die drei anderen legen ganz unterschiedliche Herangehensweisen bei der Zusammenstellung ihrer Mahlzeit an den Tag. Niko beschränkt sich auf das, was er kennt und was sich bewährt hat. Er ignoriert die ca. 15 Meter Buffet und schmiert sich einfach eine Scheibe Weißbrot mit Nutella - und ist zufrieden. Chantalle ist offener und probiert alles aus - vom Matjeshering über den Möhrchensaft bis hin zu sowas komplett ausgeflipptem wie frischer Ananas. Am Ende hat sie tatsächlich alles mal probiert, aber ihr Teller ist voll mit einmal angebissenen Dingen uns sieht ein bisschen aus wie Ground Zero. Helmut ist etwas verwirrt, denn er findet keinen Rosinensemmel. Den isst er aber zu Hause immer. Immerhin zeigt er sich kreativ. Er pult aus der Müslischale die Rosinen raus und drapiert diese ordentlich auf einer Scheibe Weißbrot. Danach lässt er es dann richtig krachen und isst Nutellabrot mit Salami. Und zum Schluss holt er sich noch ein gekochtes Ei. Dabei greift er jedoch in den Korb mit den WEICHEN Eiern und das sprengt nun wieder sein Weltbild. Ein Ei hat steinhart zu sein. Fasziniert fummelt und drückt er an dem weichen Etwas herum und ich denke: Hoffentlich flutscht es ihm nicht aus der Hand - sonst hüpft es durch das ganze Restaurant und das Wort "Eisprung" bekommt eine ganz neue Bedeutung.
Letztendlich werden dann aber alle satt und verlassen zufrieden das Hotel. Nach einer Weile kommt das Taxi und bringt uns zum Bahnhof. Die Rückreise verläuft ohne besondere Vorkommnisse, alle sind müde und voll mit Eindrücken, die verarbeitet werden müssen. Auch Helmut und Chantalle, auf dem Hinweg noch oberflippig, kuscheln sich aneinander und halten die Klappe. Gerade noch schaffen sie es, am Ziel aus dem Zug zu steigen und sich von ihren Eltern nach Hause fahren zu lassen. Auch Frau Ogg und ich sind froh, wieder daheim zu sein - obwohl es wirklich eine tolle Reise war in eine unbekannte, aufregende Welt. Glück auf!




Donnerstag, 20. September 2012

Immer wieder mittwochs


Am Samstag kommt das Sams, immer wieder sonntags kommt die Erinnerung und immer wieder mittwochs ist  „Aktivtag“ an unserer Schule. Für die Heimwerker und Hobbygärtner unter den Kollegen ist dies der höchste Feiertag, denn an diesem Tag können sie sich so richtig austoben. In altersgemischten Neigungsgruppen wird gewerkelt,  geschraubt, gegärtnert und - am allerwichtigsten - gekocht. Es geht also zu wie bei den Heinzelmännchen auf Speed, es fehlen nur noch die roten Mützen. Herr Brandt zerlegt Waschmaschinen, Frau Großstädter gräbt das halbe Schulgelände um als gäbe es kein Morgen und Herr Wald-Orff veranstaltet Kettensägenmassaker an Baumstämmen. Von den Kochkünsten der Kollegin Seltsam war ja schon mehrfach die Rede. Ich selbst, der handwerklich weniger begabt bin, habe mich im Laufe der Jahre an verschiedenen Aktivitäten von Fahrradwerkstatt über Computerschrauben bis hin zu Filzen und Weben versucht. Im Moment betreue ich die Servicegruppe, das heißt, wir kümmern uns um alles was mit dem rituellen gemeinsamen Essen zu tun hat: Tisch decken und abräumen, einkaufen, Wasser sprudeln, Tischdekoration herstellen und so weiter und so fort. Das sind Aufgaben, die selbst ich mit meinen zwei linken Akademikerkindhänden bewerkstelligen kann und für die Schüler, die von zu Hause noch nicht einmal gemeinsame Mahlzeiten kennen ist es ein wichtiges Lernfeld, das die meisten erstaunlicherweise recht motiviert angehen.
Bevor wir am Mittwochmorgen aber in die Hände spucken und loslegen können, müssen wir wie jede Woche auch diesen Mittwoch erst das rituelle  "Euro-Einsammeln" hinter uns bringen. Dafür treffen wir uns alle in einem Raum und jeder Schüler bezahlt seinen Unkostenbeitrag für das gemeinsame Essen. Frau Großstädter führt mit einer Engelsruhe die Bank, wacht über mögliche Guthaben und vergibt Kleinkredite an diejenigen Schüler, die malwieder nicht an das nötige Kleingeld gedacht haben. Dieses Prozedere ist auch heute nichts für ungeduldige Geister. Denn Frau Großstädter wird dabei jedes Mal von Schülern "unterstützt", die nach und nach die Namen aufrufen, das Geld einsammeln und die Listen führen. Heute sind es Sandra und Emre – nicht gerade als Rechengenies bekannt. Das Problem dabei ist: Während die zwei auserwählten "Bankangestellten" was für's Leben lernen, drehen die restlichen 30 Schüler langsam aber sicher auf. Die ganz schlauen kommen von vornherein eine halbe Stunde zu spät, alle anderen wissen nichts mit sich anzufangen und kriegen sich in die Wolle wegen nichts. Erdal klaut Oleg die Mütze, Justin quasselt Marvin eine Bullette ans Ohr, Chantalle zeigt Dominik den Stinkefinger. Immerhin, irgendwann ist dieses Jammertal durchschritten und der letzte Euro abgedrückt. 
Aber auch jetzt kann es noch nicht losgehen, denn Herr Wald-Orff ist heute krank und seine Schüler müssen auf die anderen Gruppen aufgeteilt werden. So etwas passiert recht häufig und weil andererseits auch andauernd irgendwelche Schüler fehlen oder hinzukommen hat man eigentlich nie die selbe Gruppenkonstellation wie in der Vorwoche. Die heimatlosen und gestrandeten des Tages stellen sich nun in einer Reihe auf und warten gespannt darauf, bei wem sie unterkommen. Irgendwie hat das manchmal etwas von Tagelöhnern, die morgens vor dem Stadttor darauf warten, dass ein reicher Gutsherr sie für einen Tag mit zur Weinlese nimmt.
Dann geht es aber endlich los. In meiner Gruppe verbringen wir heute die erste Stunde damit, bei herrlichem Herbstwetter Kastanien und buntes Laub für die Tischdekoration zu sammeln. Das ist eine recht friedvolle Tätigkeit, bei der ich nur einige Male an die wichtigsten Regeln erinnern muss: 1.Wir rupfen nichts von Bäumen und Büschen ab. 2.Wir machen keine Faxen vor irgendwelchen Klassenfenstern. 3.Wir sammeln nur heile und schöne Blätter. 4. Wir werfen uns nicht mit Eicheln und Kastanien ab. Zwar gibt es zwischendurch mal Stress, weil Kevin eine Platanenfrucht für eine Kastanie hält und nicht begreifen will, dass man diese nicht öffnen kann. Aber sonst läuft alles prima. Unterwegs treffen wir Frau Tulipan und Samantha erzählt ihr stolz:  „Wir sammeln Kastanien zum Essen!“ Als sie Frau Tulipans entsetzten Blick bemerkt fügt sie stolz hinzu: „Wir sammeln die für die Tische, damit die Tische niedlich aussehen!“ Niedlich, oder?
So kriegen wir die Zeit bis zur ersten Pause also prima rum und es könnte danach eigentlich genau so harmonisch weitergehen. Wenn, ja, wenn Sandra nicht in der Pause auf Andreas gestoßen wäre. Andreas hat nämlich heute überhaupt keinen Bock auf körperliche Arbeit bei Herrn Brandt, sondern zieht es vor, rauchend ums Schulgelände zu kreisen. Und dem kann Sandra nun einmal nicht wiederstehen. Irgendwann gesellt sich auch noch Erdem hinzu, der heute ebenfalls unmotiviert ist und nur rumnervt und deswegen von Frau Seltsam kurzerhand auf die Suche nach einem Praktikumsplatz geschickt wurde. Anstatt nun im Gewerbegebiet Klinkenputzen zu gehen („Praktika? Nee, ich will nicht Baumarkt!“) reiht er sich lieber in die Wandergruppe ein und stellt somit alle Schüler, die noch arbeiten, auf eine harte Probe. Zwar schwillt einem innerlich der Kamm, aber immerhin wir können sicher sein: Spätestens um 11 Uhr sind alle wieder da, denn dann wird das Essen aufgetischt. Vorher gibt es aber für alle standhaften Servicekräfte noch einiges zu erledigen. Pascal und Samantha bekommen den Auftrag, mit dem SprudelMaxx Wasser zu  „streamen. Anschließend sieht die ganze Schulküche aus wie die masurische Seenplatte. Der Rest deckt die Tische ein, fegt anfallende Scherben zusammen und stellt anschließend noch einmal die Gläser an die richtige Stelle bzw. legt das Besteck auf die richtige Seite des Tellers. Denn die korrekte Gedeckanorndung will im Sinne des Curriculumkreises jede Woche aufs Neue erlernt werden. Nun noch die Dekoration gleichmäßig verteilt und sich fünf Minuten drum gekloppt, wer die Kerzen anzünden darf – und schon kann gespachtelt werden.
Während der Mahlzeit zeigt sich wieder einmal: Nicht nur Liebe sondern auch Erziehung geht durch den Magen – denn selten ist es in einer normalen Schulwoche so ruhig wie während des gemeinsamen Essens. Nur Patrick (12 Jahre) macht wieder Theater, weil er das Gemüse in der Nudelpfanne nicht mag. Letzte Woche war es schon einmal Thema und da hatten wir einen Brief von der Mutter bekommen, in der sie um Verständnis bat: „Patrick wird das Gemüse schon essen, wenn er alt genug ist.“. Allerdings konnte uns Patrick keine Antwort geben auf die Frage, wann das voraussichtlich sein wird. Und so sitzt er heute wieder da und hardert mit seinem Schicksal und mit der Paprika.
Nach dem Essen begibt sich unsere Wandergruppe gut gestärkt wieder auf Trebe –dieses Mal schaffen sie es immerhin sich aus der Umlaufbahn  des Schulgebäudes zu lösen und hauen ab zum Pennymarkt. Dies beschert uns einen recht ruhigen Tagesabschluss, auf den ich auch wirklich angewiesen bin. Denn nach dem mittwöchlichen Essen ist mein Kreislauf so weit unten, dass ich eigentlich gut einen Mittagschlaf einlegen könnte. So lasse ich meine Arbeitsgruppe kleine runde Mandalas anmalen, die wir dann laminieren um nächste Woche als Glasuntersetzer auf den Tisch legen wollen. Alle befinden sich mehr oder weniger im Halbschlaf – leider auch Quentin, der beim Füttern des Laminators glatt die mehrfach vorgetragene Anweisung „Geschlossene Seite nach vorne!“ missachtet und dadurch einen Folienstau verursacht. Schnell haben wir uns jedoch von der Schraubergruppe des Herrn Brandt das nötige Werkzeug geliehen und bei einer Operation am offenen Herzen den Plastiktumor kunstvoll entfernt.
Die letzten Minuten verbringen wir in trauter Harmonie und Lethargie – bis das Taxi kommt und alle nach Hause gefahren werden. Dann ist auch Erdem wieder da – denn er will ja pünktlich zum Mittagessen zu Hause sein. Und als unerwartet positiven Tagesausklang präsentiert er uns sogar einen Praktikumsplatz bei Penny. Na, wer sagt’s denn.
Glück auf!

Montag, 17. September 2012

Akkulaufzeit


Irgendwo geht ja das Gerücht um, Lehrer hätten entsetzlich viel „frei“. Mehr als jeder andere Normalsterbliche auf diesem Planeten. Und keinem dieser Normalsterblichen mag es so recht einleuchten, warum diese Zeit zum Auftanken so bitter, bitter notwendig ist. Dabei liegt es auf der Hand: Es ist im Prinzip wie bei diesen neumodischen Handys, den Smartphones. Die sind ja angeblich auch ganz prima. Die können „alles“. Die verfügen über Funktionen, wovon die alten Kommunikationskästchen nur träumen können. E-Mails abrufen, „in Facebook“ gehen, Fotos bearbeiten, Navigationssystem ersetzen, Sternbilder deuten, ---alles möglich mit diesen neuen Teilen. Das einzig Ärgerliche ist ein eklatanter Konstruktionsfehler: Je mehr Funktionen, desto kürzer die Akkulaufzeit. Und so will es der Teufel, dass man zwar mit all diesen Apps auf alles und jeden zu jeder Tages- und Nachtzeit zugreifen kann, nur leider muss man nun ständig ein Elektrizitätswerk hinter sich her ziehen, um das Scheißteil länger als 2 Stunden am Leben zu erhalten. Und etwa genauso verhält es sich auch mit den Lehrern und den Ferien. Je mehr komplexe Funktionen ein Lehrer erfüllen muss, desto schneller „geht der Akku alle“. Da ist es dann an unserem Etablissement nicht weiter verwunderlich, dass man zwei Wochen nach den Sommerferien bereits kurz vor dem „elektronischen Exitus“ steht, was den Energiepegel angeht.
Einfach zu viele Anwendungen gleichzeitig offen gehabt, zu viele Funktionen parallel voneinander bedient und eine zu große Anzahl Apps benötigt, um den Alltag zu bewältigen:

Schon am ersten Schultag ist man bemüht, allen kuriosen Gestalten in der neuen Klasse gleichzeitig gerecht zu werden. Da gibt es die Fraktion derer, die schon zu lange auf der Schule sind, ohne dass noch etwas nennenswert Produktives aus ihren Gehirnen/Mündern/Schreibgriffeln kommt. Und dennoch soll man auf diese „alten Pappenheimer“ wieder mit frischem Wind zugehen und ihnen die gefühlt zweimillionste Chance in unserer Bildungseinrichtung geben, obwohl dies etwa so überflüssig ist, wie ein Sandkasten in der Sahara. Gleichzeitig will jedoch auch der künftige Hauptschulabschlussabsolvent Maikel mit neuem Input gefüttert und bespaßt werden. Dieser Input muss jedoch in appetitliche Häppchen geschnitten und mit einem netten Petersilienblatt garniert sein, --sonst dann doch nicht. Neben dem Neuntklässler sitzt der desinteressierte Goran. Er hält es schon für eine Zumutung, wenn man ihm abverlangt im Unterricht den Kopf von der Tischplatte zu heben. Was mir nicht einleuchtet: In dem Kopf ist nichts, aber auch gar nichts drin – warum ist der dann so schwer, dass er ihn nicht selbst halten kann? Naja, die Lösung dieses Rätsels vertage ich erst mal auf morgen. Soll er von mir aus so liegen bleiben. Das Problem ist nur: er bleibt nicht ruhig liegen, sondern gibt ununterbrochen unqualifizierte Kommentare von sich. Außer – ja, außer ich kraule ihn. Das ist eigentlich auch das einzige Interesse an meinem Unterricht und mir, das ich ihm entlocken kann: „Können Sie mich kraulen? So richtig mit den Nägeln? An meinen Armen?“ Und während ich mir überlege, welche Fragen es in Hauptkommissar Schnüffelnase vom örtlichen Polizeipräsidium aufwerfen würde, wenn ich abends tot aufgefunden werde und unter meinen Fingernägeln lauter Hautschüppchen von Goran L. aus H. herauspräpariert würden, fällt mir auf, dass ich jetzt eigentlich zeitgleich 3 Sitzplätze weiter links stehen müsste, wo Don sich gerade in derwisch-artigen Muskelzuckungen verliert. Der gute Don ist nämlich gleich mit mehreren Gottesgaben gesegnet: Nicht nur, dass er so stottert, dass man ihn kaum versteht. Nein, er hat auch noch ADHS im Endstadium und als wäre das noch nicht genug, hat sich auf den gleichen Synapsen ein fieses Tourette-Syndrom angesiedelt, das sich jetzt mit dem ADHS und dem Sprachfehler um die Vormachtstellung im Gehirn streitet. Schade auch. Meistens will dann alles gleichzeitig raus und da hilft nur: Don mit der rechten Hand richtig kräftig durchkneten, dazwischen ab und zu nen leichten Schlag auf Rücken oder Nacken, mit der linken App, äh Hand, das Bukoma-Massage-Gerät für den Kopf betätigen und mit einem Fuß nach dem Nagelbrett angeln, das ihm an den nackten Sohlen immer so gut tut. Zeitgleich verlangt Jean-Luc nach mir. Der ist zwar schon im 8.Schulbesuchsjahr, kann aber leider noch nichtmal zwei Zahlen schriftlich addieren und braucht Hilfe. Unterwegs komme ich an Sven vorbei und höre gerade noch, wie er in Ryans Richtung „Gaskopf“ zischt. Was ein Gaskopf ist, erschließt sich mir nicht, aber offensichtlich ist es etwas, das Ryan nicht gerne hört. Denn der flippt sofort aus und wirft einen Tisch um. Und so versuche ich alle Apps gleichzeitig zu starten, um der Lage wieder Herr zu werden.
Eine zusätzliche Aufgabe besteht in den ersten Schultagen auch darin, sich mit den 2 neuen Teamkollegen anzufreunden. Obwohl die wirklich beide sehr nett zu mir sind (der eine hat mir sogar seine Referendarin geschenkt und beim andern darf ich mit dem Kopf nicken oder ihn schütteln soviel ich will) stelle ich fest, dass mir Frau Seltsam mit ihrem erfrischenden Humor doch sehr fehlt. Irgendwie war die „Ära der zwei vermeintlich lesbischen Muttis mit Söhnen und Einbauküche“ eben doch einmalig schön! Da weht nun schon ein anderer Wind…..! In der Pause ziehe ich Herrn Wald-Orff, den Frau Seltsam an meiner Statt als neuen Teamkollegen zugeteilt bekommen hat,  in eine dunkle Ecke und zische ihm mit funkelnden Augen zu: „Das eins klar ist: Frau Seltsam ist nur eine Leihgabe für ein Schuljahr! Ich kenne all ihre Macken, Dellen und Verschleißerscheinungen. Behandle sie mit Samthandschuhen! In einem Jahr schaue ich mir an, wie sie dann aussieht. Und wehe, es sind neue Macken und Dellen dazugekommen! Dann gnade dir Gott!!!!!! GGGGRRRRR!“ Herr Wald-Orff ist sichtlich beeindruckt und zieht zitternd von Dannen. Naja, zumindest würde ich das gerne mal erleben…..
Neben den alltäglichen Anwendungen auf der Startseite, laufen im Hintergrund meines inneren Smartphones noch zahlreiche andere Apps ab: Zum Beispiel die App, die das Schlafbedürfnis herunterreguliert und eine andere, die in den FrühAufstehModus schaltet (Beide bei mir mit Programmierfehler behaftet und beide brauchen extrem viel "Saft".) Und dann: Die Unterrichtsvorbereitungen für die Klasse von Kollege Mei, für die ich kostbare Sommerferienstunden geopfert habe, kann ich getrost in die Tonne hauen. In der ersten Schulwoche war bei denen garkein bißchen Unterricht möglich und ich muss mir was komplett Anderes einfallen lassen. Nicht mal Blickkontakt ließ sich am Anfang mit den kleinen Monstern herstellen. Am vierten Tag bestand dann mein persönlicher Erfolg bei Fridolin darin, dass ich ihn zumindest soweit erreichen konnte, dass er am Ende der Unterrichtsstunde mit mir gemeinsam Papierkugeln in die Federmäppchen seiner Mitschüler geworfen hat, während das nette Fräulein Leandros vorne (ebenso schweißgebadet wie ich hinten) versucht hat, das Klassenzimmer vom Auseinanderfallen abzuhalten.
Während gegen Ende des letzten Schuljahres mein persönlicher Lernpunkt darin bestand, so gelassen und routiniert zu wirken, dass ich nur einmal pro Woche schwitze, geht es im Moment eher darum, den Schweißverbrauch auf unter 10 Liter pro Stunde zu beschränken. Gelingt nicht immer.
Bereits nach 1,5 Schulwochen ist mein Akku so leer, dass ich mich frage, wohin das Sommerferienerholungsgefühl diffundiert ist. Ich kann es jedenfalls nirgends entdecken. Stattdessen schwinge ich mich kurz nach 13Uhr ins Auto, um zur Physikfortbildung ins 200km entfernte Einsteinhausen zu düsen. Nach 5 Kilometern auf der Autobahn verabschiedet sich mein Radiosender und ich drücke auf „Sendersuchlauf“. Nach 3 Stunden im Auto und etlichen Kilometern Stau in Einsteinhausen angekommen, stelle ich mit Erschrecken fest, dass ich mich an die komplette Fahrt nicht mehr erinnern kann und mich frage, wer mich hierher gebeamt hat. Ich kann unmöglich selbst gefahren sein, denn in diesem Moment registriere ich, dass ein Schlagersender Roland Kaisers Stimme aus meinem Radio herauswürgt. ----Davon hatte ich 3 Stunden lang nichts mitbekommen….
Naja. Wie auch immer. Ich bin wirklich ein modernes, voll funktionsfähiges, hochentwickeltes Gerät mit tollem Design und fantastischen Fähigkeiten. Und das gilt ebenso für all meine Kollegen! Das Problem ist nur: Die Hersteller sind noch nicht so weit, dass sie unserem nobelpreisverdächtigen Auftreten die Akkulaufzeit anpassen konnten. Und so sind wir bereits nach 2 Wochen völlig ausgepumpt und es hilft nur der Griff zu den guten alten unterrichtsfreien Tagen. Herbstferien, wo seid ihr? Wann dürfen wir endlich wieder den Akku laden????

Sonntag, 16. September 2012

Von den Frücht(ch)en der Arbeit

Das waren sie nun, die ersten zwei Wochen als neue Klassenlehrerin der dritten Klasse. Und in ungewohnter Weise möchte ich mich heute in leisen Tönen üben - denn, ob ihrs glaubt oder nicht: Ich mag meine Klasse und finde sie toll!!!
Mein schwarzseherischer Privatzoo mit Unken, Jammernden Katzen und heulenden Wölfen ist geschlossen - alles ist plüschig.
Während Herr Bromseklöten im Klassenraum unter mir von Soundteppichen und Hormonschleudern in der Klasse beballert wird und zusätzlich freie Sicht auf die von ihm zuvor erwähnte Idiotenrennbahn  vor seinem Fenster hat - blicken wir in das lauschige Grün der Baumwipfel, lauschen den Tschilpen der Vöglein und bearbeiten andächtig den vorgeschrieben Lehrplan.
Hin und wieder blickt eines meiner Lämmchen erschrocken auf, wenn aus den anderen Klassen kontextübliches Geschrei und Gepolter zu hören ist - wendet sich jedoch nach meinen beruhigen Worten "Keine Angst mein Herzchen, die kommen hier nicht rein!" wieder seiner Arbeit zu. Und nicht nur die Knaben lernen eifrig, auch ich musste all mein Vorwissen über den Lebensweltbezug der Kinder und Orientierung nach Unten schon in den ersten Tagen gründlich überdenken. Plante ich doch tatsächlich für die erste Schulwoche, aufbauend auf den Berufserfahrungen der letzten Jahre in anderen Klassen, lediglich eine Phase der Gruppenfindung mit Spielen und gemeinschaftlichem Miteinander, allerhöchstens noch die organisatorischen Notwendigkeiten zum Schuljahresbeginn - so belehrten mich die Buben doch eines Besseren. Schon am ersten Tage wurde ich nach Hausaufgaben gefragt. Am Zweiten wurde ich gebeten unverzüglich mit dem Unterrichten zu beginnen und bis zum Rest der Woche mit dem drängenden Wünschen nach freiwilligen Mehraufgaben überschüttet. In der letzten Woche machten alle ihre Hausaufgaben, arbeiteten die komplette Schulstunden bis zum Pausenklingel leise an ihren Aufgaben und waren auch noch nett zu mir.
Müsste ich das Verhaltensorginalitätenrepertoire meiner Engelchen umschreiben, würde mir nur "niedlich" einfallen.
Bitte versteht mich jetzt nicht falsch - ich würde hier all zu gern mehr zur Unterhaltung dieses Blogs beitragen, aber ich befürchte, wenn das mit dieser Klasse so weiter geht, werde ich auf lange Sicht keine Gründe mehr zum Schreiben finden.
Nach langem Überlegen habe ich auch schon zwei "Schuldige" für meinen jetzigen völlig ungewohnten und irritierenden Zustand ausfindig machen können: Frau Mahlzahn und ihre Kollegin aus der Eingangsstufe. Habe ich doch meine Klasse komplett und maßgeschneidert, so wie sie ist, von den beiden übernommen und kann nun mit den Frücht(ch)en ihr Arbeit tätig werden.
Wofür ich ihnen sehr dankbar bin!!!
Denn im Grund geht es uns doch allen so: im günstigsten Fall können wir die Früchte unserer Arbeit ernten, doch noch häufiger partizipieren unsere Kollegen davon, ob nun bei uns an der Schule oder Kollegen diverser Folgeeinrichtungen.
Und schaut man sich einmal genauer in unserer LPG ...ehm Entschuldigung PPG (Pädagogischen ProduktionsGenossenschaft) um, kann man die vielfältigsten Ernteerträge sehen.
Ob nun dank Herrn Brandt nur noch Marmor, Stein und Eisen bricht, anstatt Nasen- und Schienbeine.
Oder durch Herrn Bromseklöten dunklen Imperialisten auf die gute Seite der Macht gezogen werden und nun als handzahme Jedi gegen uns rebellieren. Ach vergessen wir nicht Frau Bob, denn nur durch ihren beharrlichen Einsatz an der Hygienefront (...ja, Lars wäscht sich jetzt regelmäßig nach dem Toilettengang die Hände), ging die Anzahl der Margen-Darm-Infekte an unserer Schule merklich zurück. Und so weiter, und so weiter... denn auch wenn manche unserer Erträge recht klein erscheinen, gleichen sie in ihrer Vielfältigkeit doch dem Angebot eines türkischen Obst- und Gemüsehändlers.
Auch wenn erst in gut drei Wochen Erntedankfest ist, so möchte ich doch schon heute allen Kollegen und Kolleginnen für ihre Ernte und den Frücht(ch)en ihrer Arbeit von Herzen danken.
In diesem Sinne heißt es morgen wieder: Rauf auf den Trecker und ran an den Acker!!!

Samstag, 15. September 2012

Die Schule - das Bermudadreieck

Eines der wichtigsten und zugleich schwierigsten Dinge, die unsere Schüler lernen müssen, ist es,  ihre Arbeitsmaterialien vollständig und in Ordnung zu halten. Bei einigen Kandidaten wird dieses Ziel nie erreicht. Auch in der neunten Klasse gucken sie einen mit großen Augen an, wenn man sie auffordert, das Arbeitsblatt der letzten Stunde herauszuholen oder sie darauf hinweist, dass ein neongrüner Textmarker kein geeignetes Schreibgerät für die Deutsch-Hausaufgabe ist. Einen angespitzten, unzerkauten und ausreichend langen Bleistift hatten die meisten zuletzt bei ihrer Einschulung in der Federmappe - wenn überhaupt. Ständig fehlt irgendwas oder ist auf unerklärliche Art verschwunden. Auf der anderen Seite sammelt sich im Laufe eines Schuljahres eine große Menge "Strandgut" im Klassenraum an, das scheinbar niemandem gehört und bei dem sich auch auf gezielte Nachfrage kein Besitzer ausmachen lässt. Lineale, Scheren, Buntstifte: Von all dem haben wir mittlerweile eine vollständige Ausstattung zusammen, mit der man ein ganzes afrikanisches Schulprojekt ausstatten könnte.
Allerdings stellt sich die Frage, wie man von den Schülern erwarten kann, ihre Sachen zusammen zu halten, wenn das noch nicht einmal uns Erwachsenen gelingt. Manchmal hat man das Gefühl, unsere Schule ist ein wahres Bermudadreieck, in dem ständig auf mysteriöse Weise Dinge verschwinden. Es ist, als ob nachts kleine Wichtelmänner unterwegs sind und sich aus dem Materialfundus der Schule die Dinge heraussuchen, die sie zum Einrichten ihres eigenen Haushaltes benötigen.
Damit meine ich nicht die kleinen alltäglichen Suchereien nach der Laptop-Mouse, dem Autoschlüssel oder der Telefonliste. Diese sind vor allem dem Chaos auf den Lehrerzimmertischen und in den Lehrerköpfen zuzuschreiben. Und nach kurzer Zeit tauchen die gesuchten Gegenstände eigentlich auch immer wieder auf. Nein, hier soll es um die wahren Rätsel des Schulalltags gehen, die selbst von Scully und Mulder, Sherlock Holmes oder Eduard Zimmermann nicht aufgeklärt werden könnten. Manche Dinge bleiben nämlich einfach verschwunden - ein für alle mal - und das, obwohl sie eigentlich zu groß sind, um versehentlich im Altpapier oder "unbeabsichtigt" in einer Lehrer- oder Schülertasche zu landen.
Als wir neulich unseren Einschulungsgottesdienst feiern wollten, stellte sich eine halbe Stunde vor Beginn heraus, dass das weiße Altartuch nicht mehr am angestammten Platz lag und auch sonst nirgends aufzufinden war. Zum Glück half uns Frau Tulipan mit einem alten Sofaüberwurf aus - das sah etwas rustikal aus, aber eigentlich gar nicht so schlecht. Dazu passte auch gut die Saftkaraffe aus der Schulküche, in die wir den Blumenschmuck stellten - denn auch die eigens für feierliche Zwecke angeschaffte Blumenvase war verschollen.
Als Herr Brandt kürzlich den Bandauftritt auf dem Schulfest vorbereiten und die Bühne aufbauen wollte, kramte er routinemäßig auch den Teppich für das Schlagzeugpodest hervor. Er traute seinen Augen nicht, als er feststellen musste, dass jemand ein Stück herausgeschnitten hatte. Der Verdacht fiel zuerst auf den Kollegen Haddock, denn das herausgeschnittene Teil hatte genau die Form der Bugspitze von dessen Segelyacht. Aber er war es nicht gewesen - sagt er. Ganz ausräumen konnte er den Verdacht bisher nicht.
Früher, als wir noch eine funktionierende Gegensprechanlage hatten, kam es regelmäßig zu wutentbrannten Durchsagen der Hauswirtschaftslehrerin: "Wer hat die Backbleche aus der Schulküche? Bitte sofort melden!" oder: "Wo ist mein neues Handrührgerät?". Auch der Werkkollege war häufiger zu vernehmen: "Ich suche dringend den achter Holzbohrer. Ich erwarte, dass er mir unverzüglich zurück gebracht wird!" Bei beiden Kollegen konnte man die mühsam unterdrückten Agressionen förmlich durch die Lautsprecherleitung hindurch spüren und wartete nur auf den Tag, an dem sie Geiseln nehmen oder  zum Amoklauf durch die Schule ansetzen würden. Man hätte es verstehen können.
Erstaunlicherweise gab es nie entgegengesetzte Durchsagen wie z.B.: "Ich habe einen Akkuschrauber gefunden - wem gehört er?". Der Verdacht liegt nahe, dass sich in solchen Fällen bei den meisten Kollegen das Jäger-und-Sammler-Gen durchsetzt und das Fundstück einfach in das eigene Klasseninventar integriert wird.
Eines schönen Tages war es dann vorbei mit den verzweifelten Suchmeldungen - die Lautsprecheranlage gab nach Jahrzehnten treuen Dienstes ihren Geist auf. Doch in diesen Sommerferien, oh Schreck, waren fleißige Handwerker in der ganzen Schule unterwegs gewesen und haben überall neue Strippen verlegt. Und so werden uns sicher bald wieder diverse Hilferufe - sei es mitten in der Prüfungsstunde der Referendarin oder in der Hauptschulabschlussarbeit. Vielleicht wird es dann Herr Wald-Orff sein, der fragt: "Wer hat meine Schnitzeisen geklaut? Bitte nicht lang rummachen - sofort zurückbringen!" Glück auf.

P.S: Da fällt mir ein: Ob Frau Mavinski wohl die Saftkaraffe nach dem Gottesdienst wieder zurück in die Schulküche gebracht hat? Ich fürchte, Unheil (bzw. die nächste Durchsage) naht!

Montag, 10. September 2012

Bleibt alles anders

"Wann schreibst du denn malwieder was, Herrn Bromseklöten? Es ist doch nun seit über einer Woche schon wieder Schule und wir wissen gar nicht, wie es dir ergangen ist!"
Ja, liebe Leser ich weiß, ich habe euch sträflich vernachlässigt aber was soll ich sagen: Die letzte Woche war der echte Hammer! Jeden Abend bin ich nur noch aufs Sofa gefallen und war nicht mehr in der Lage, irgendwas sinnvolles zu tun.
Natürlich ist es jedes Mal so: Nach sechs Wochen Abstinenz muss man sich erst einmal wieder an den Trubel und die Lautstärke gewöhnen. Gut, die eigene Brut - in den Ferien chronisch unterfordert und unterbeschäftigt - hat schon irgendwie dafür gesorgt, dass man nicht ein allzu tiefes Loch fällt. Aber trotzdem: Was hat mir nach den ersten Schultagen der Kopf gebrummt!
Die Zusammensetzung meiner Klasse hat sich dieses Mal gar nicht so sehr geändert, aber man nicht gerade behaupten, dass auch nur einer der Schüler über den Ferien irgendwelche positiven Entwicklungsschübe hingelegt hätte. Im Gegenteil: Alles, was an Arbeits- und Sozialverhalten im vergangenen Schuljahr mühsam eingetrichtert wurde, ist über den Sommer verloren gegangen. Das geht schon morgens los: Gab es nicht einmal die Reihenfolge: Hausschuhe anziehen, Mitteilungsheft abgeben, hinsetzen, ruhige Beschäftigung suchen? Nö, da bimmelt bei meinen Schülern gar nichts! Stattdessen wird wild drauflos gebrabbelt, alle durcheinander, jeder versucht den anderen zu übertönen. Am ersten Schultag kann man das ja vielleicht noch verstehen, da tun sich ja existentielle Fragen auf. Es könnte ja sein, dass sich die vormittäglichen Abläufe völlig verändert hätten. Aber spätestens wenn man merkt, dass immer noch der alte Bromseklöten da vorne sitzt, der Klassenraum genau so eng und versifft ist wie vor den Ferien und auch der Stundenplan sich nur marginal verändert hat, müsste man doch eigentlich beruhigt sein und zu altem Verhalten zurückfinden. Bis heute warte ich jedoch vergeblich darauf und ich denke, es wird auch noch eine Weile dauern. Bis der Laden wieder richtig läuft, werde ich wohl noch mehrere Male Chantalle von Justin trennen müssen, damit die beiden ihren nach Ferienbeginn sofort wieder aufgenommenen Privatkrieg wenigstens nicht während des Unterrichts austragen. Ich werde Pascal noch oft aus seinen Tagträumen rütteln, damit er wenigstens einen Satz pro Unterrichtsstunde aufs Papier bringt. Und ich werde Erik, unser wandelndes Klassenradio, noch das ein oder andere Mal nach bester Troubadix-Art fesseln und knebeln müssen um wenigstens mal für kurze Momente Ruhe im Karton zu haben.
Nicht gerade förderlich für das Besinnen auf schon einmal Gelerntes ist die Tatsache, dass meine Schüler allmählich in ein Alter kommen, in denen die Hormone anfangen durchzudrehen. Diese Entwicklung, kombiniert mit der Tatsache, dass auf dem Schulhof nach den Ferien massenhaft "Frischfleisch" eingetroffen ist, führt zu zahlreichen Turbulenzen und bringt mich an den Rande meiner Leistungsfähigkeit. Was mache ich bloß, wenn Samantha in einer Pause mit vier verschiedenen Jungs knutscht? Wird Zeit, dass die Mädchen-AG von Frau Seltsam wieder startet, die kann dann die ganzen Emotionen auffangen, denen man als Mann doch etwas hilflos gegenüber steht.
Ein Trost bleibt: Nicht nur in meiner Klasse geht es schon wieder munter drunter und drüber. Heute hatte ich das Vergnügen, am eigenen Leib zu erfahren, dass die Schüler von Frau Großstädter genau so schräg drauf sind und in punkto Abspacken nicht verlernt haben. Da hielt es Andreas und Emre gerade mal 15 Minuten im Unterricht, ehe es sie nach draußen zog, wo sie  "like a sattelite" in die Umlaufbahn der Schule eintraten. Und wie vor den Ferien war es natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Cheyenne dem Lockruf der beiden Wanderburschen folgte. Selbst das Einfühlungsvermögen der Referendarin und viele Zugeständnisse halfen nichts, sie war nicht in der Klasse zu halten. Dabei hätten wir sie sogar an ihrem Platz schlafen lassen, zumal sie schon zu Beginn darüber klagte, von den am Wochenende abgeleisteten Sozialstunden völlig von der Rolle zu sein. So saß ich also da und konnte nur zusehen, wie sich der Klassenraum immer mehr leerte und draußen auf der Idiotenrennbahn vor meinem Fenster immer regerer Verkehr herrschte.
Immerhin wartete in der Lehrerlounge eine frische, dampfende Pizza auf mich sowie mehrere Kollegen, denen es am Vormittag genau so ergangen war wie mir. Und nachdem Frau Mahlzahn mich zu Schuljahresbeginn erfolgreich von meinem angestammten Platz vertrieben hat, habe ich zumindest dieses Trauma überwunden und mich auf der anderen Seite von Tisch 1 häuslich niedergelassen. In zwei Wochen kommt sowieso Frau Klein von ihrer Weltumseglung zurück und da werden sitzplatztechnisch die Karten eh wieder ganz neu gemischt. Ist ja auch egal, neben wem ich sitze - hauptsache er/sie ist nicht so laut. Sonst platzt mir wirklich irgendwann der Schädel. Manchmal glaube ich, ich werde langsam zu alt für den Job! Glück auf.

Montag, 3. September 2012

Habemus Papam


Der Wortteil „Klausur“ in „Klausurtagung“ leitet sich ab vom lateinischen Wort „claudere“ – „schließen/einschließen“ und so verbirgt sich hinter einer Klausurtagung nichts weiter, als das Phänomen, dass lauter erwachsene Menschen eingesperrt werden, mit dem Zweck fernab der Öffentlichkeit irgendetwas Produktives zu Tage zu fördern. Also im Prinzip wie im Konklave bei der Papstwahl. („Konklave“ leitet sich interessanterweise auch von „claudere“ ab :-) !! ) .
Und tatsächlich hat unser Pädagogen-Konklave eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Konklave im Vatikan:

Das alte Schuljahr ist gerade gestorben. Sedisvakanz! Und nun sollen quasi neue Probleme heraufbeschworen werden, die dann solange für eine Arbeitsgrundlage sorgen, bis auch dieses Schuljahr dahingeht und die nächsten großen Ferien eine neue Epoche einläuten.
Alle Kardinäle, pardon – Pädagogen – versammeln sich in der Sixtinischen Kapelle, was in unserem Fall die Pausenhalle ist. Willkommen in den heiligen Hallen! Die Kardinäle sind aus aller Herren Länder eingeflogen worden und haben spektakuläre Reisen hinter sich. Da ist es nur verständlich, dass ersteinmal geschnattert, erzählt und Reiseeindrücke ausgetauscht werden, bevor man sich dann dem ernsten Teil der Veranstaltung zuwendet.
Diese folgt dann geradezu dem strengen vatikanischen Reglement: Der Kardinaldekan, in Gestalt des Schulleiters, eröffnet das Konklave und führt durch das Programm. Andächtig bis meditativ wird seinen Worten gelauscht und jeder kennt seine Rolle und seinen Platz in der Hackordnung.
Während dem Konklave führt jeder die ihm übertragene Aufgabe gewissenhaft aus. Da gibt es Kardinäle, die in der ersten Reihe mitmischen, zu Diskussionen anregen, zur Stimmabgabe in Form kleiner bunter Zettelchen oder papierner Wolken auffordern und die abgegebenen Stimmen der übrigen Würdenträger dann einsammeln, clustern und auswerten. Meistens führt diese Stimmenauswertung jedoch nicht gleich zum gewünschten Ergebnis und so sind Herr Brandt, Herr PingPong, Herr Fan und die anderen Pyromanen ersteinmal aufgefordert, schwarzen Rauch zu produzieren.
Und so folgt ein Wahlgang auf den andern. Es wird gefaselt, diskutiert, sich gegenseitig mit Ideenreichtum überboten, gewetteifert, gebauchpinselt, gehackt, gehauen, geschlafen oder ratlos in die Gegend gestarrt. Ja, so ein Konklave hats in sich. Manche versuchen sich unauffällig zu verhalten, frei nach dem Motto : "Bloß nicht Papst werden!“, andere nehmen schonmal probehalber auf dem Papstthron, der bei uns die Gestalt eines gepolsterten Rollschreibtischstuhls hat, Platz ...und verweisen so die anderen Aspiranten auf ihren billigen Plastikstühlchen auf Rang 2.
Immer wieder wird die konspirative Versammlung von meditativen Klängen aus der Lautsprecheranlage beschallt und kurz zum Gebet innegehalten.
Und immer wieder bilden sich Grüppchen –wie die von „südamerikanischen Würdenträgern“, die klüngelnd ihre Köpfe zusammenstecken und einen gänzlich anderen Papst bevorzugen würden, als es die afrikanischen Abgesandten tun täten.
Tja, alles nicht so einfach. Dabei haben doch alle das gleiche Ziel: „Am Ende der Klausur müssen auf jeden Fall so viele Arbeitsgruppen entstanden sein, dass wir uns alle erfüllt und auserkoren fühlen .HALLELUJA!  – Mensch, das wird sich doch wohl machen lassen, oder nicht?“
Im Zuge der Erschöpfung werden Stimmen laut, ob so eine Papstwahl nicht völlig anachronistisch sei und den Aufwand überhaupt lohnt. Ist es nicht eher so, dass wir uns durch das Konklave Probleme schaffen, die wir erst garnicht hätten, wenn wir kein Konklave abhalten würden? Wer wollte denn überhaupt diesen neuen Papst? Braucht den überhaupt irgendjemand? Und was machen wir hier eigentlich? Wer in dreiteufelsnamen hat uns in das Flugzeug befördert, das uns hier her gebracht hat? Und wenn Papstwahl wäre, und keiner geht hin? Was wäre dann? Doch darauf weiß alleine der liebe Gott die Antwort.
Und so rauchen die Köpfe weiter, bis nicht mal mehr der Vizechef weiß, wies weitergehen soll und ein Teil der anwesenden Kardinäle ganz undiszipliniert in weniger komplizierte Fragestellungen abgleitet: „Soll man beim alten Bringdienst die Hostien bestellen, oder doch lieber mal den neuen Lieferanten ausprobieren?“, „Wie kommt es, dass der junge Nachwuchskardinal so blass ist? Hat der sich während den Sommermonaten aus lauter Strebsamkeit in der vatikanischen Bibliothek einschließen lassen?“ und „Wieso hat der dafür zuständige Erzbischof die Schränke im apostolischen Palast immernochnicht ausgeräumt und entstaubt?“ Fragen, die die Welt bewegen.
Am Ende des Konklaves sind alle erschöpft und bräuchten jetzt erstmal 3 Monate Urlaub statt eines neuen Pontifikats mit tausend neuen Aufgaben. Aber so ist es eben: Der neue Papst in Gestalt des neuen Schuljahrs voller neuer pädagogischer Herausforderungen, die gelöst werden wollen, steht vor uns. „Habemus Papam“- und…: „Habemus Hunger“. Und so findet das letzte Abendmahl in Form eines zünftigen Grillgelages statt—froh, wieder in Freiheit zu sein, nach 3 Tagen voller enthaltsamer, zölibatärer Stunden!
…..und Herr Brandt lässt zufrieden weißen Rauch in den Himmel steigen. :-)