Donnerstag, 1. Dezember 2011

Bühne auf - Vorhang frei!

Ein echtes Highlight in meiner Schulwoche ist eine Doppelstunde mit der „Neigungsgruppe Theater“.

An unserer Schule gibt es noch gar nicht allzu lange „Neigungsgruppen“. Diese orientieren sich an den „Neigungen“ der Kollegen. Damit wir uns alle selbst auch da abholen können, wo wir stehen.

Da ich meine eigene Schulzeit mir großer Lust und Freude in einer Theater-AG verbracht habe, war es für mich naheliegend eben eine solche Neigungsgruppe anzubieten.

Bereits im letzten Schuljahr musste ich in kurzer Zeit (in einem überaus schmerzhaften Lernprozess) erkennen, dass eine Theater-AG am Gymnasium mit einer Neigungsgruppe Theater an unserem Etablissement etwa so viel zu tun hat, wie der Geburtstag von Justin mit dem Geburtstag von Jesus (oder wie war das, Herrn Bromseklöten?). Zwar ist beides dem Namen nach recht ähnlich, aber das wars dann auch schon.

Naja, vergangenes Schuljahr habens meine Kollegin und ich doch irgendwie hinbekommen, sogar einen echten theatralen Bestseller von Kollege Shakespeare auf die Bühne zu bringen (wenn auch in stark vereinfachter Version), aber die Hoffnung an dieses Niveau anknüpfen zu können, zerschlug sich bereits als wir die Namen der Schüler erfuhren, die unserer Neigungsgruppe dieses Jahr zugeteilt sind.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund (man will den Koordinatoren der Neigungsgruppen ja nichts Böses unterstellen) wurde uns nämlich eine Horde winziger Zweitklässler zugeteilt. Und wenn ich winzig sage, meine ich winzig. Frau Seltsam und ich haben sonst eigentlich nur mit den Abschlussstufenschüler zu tun und sind Kopfhaltungen gewöhnt, in denen die Sehnen, die sich im Nackenbereich befinden, kürzer und kürzer werden und der zurückgeworfene Hinterkopf eine Delle zwischen die Schulterblätter schlägt.

Alleine das Hinunterblicken, um diese winzigen Schülerchen sehen zu können stellt uns vor eine kaum zu lösende Aufgabe.

Dazu kommen die schrillen und hohen Stimmchen der Winzlinge, die einem das Gefühl geben, sich mitten in einer kontroversen Diskussionsrunde von Teletubbys und den Rumpelwichten aus Ronja Räubertochter („Wieso denn bloß?“) zu befinden. Und als ob das nicht schon genug wäre, sind mehr als 50% unserer Theater-Schüler : …….Mädchen!

Ihr wisst schon –diese merkwürdigen Geschöpfe, über die sich Frau Seltsam neulich schon in ihrem Blog ausgelassen hat. Der Begriff „Mädchen“ ist bei den weiblichen Geschöpfen unserer Bildungsanstalt nichts weiter als ein Euphemismus für das, was sie eigentlich sind: Nymphomaninnen, Walküren, Furien, Xantippen, hysterische Puten, Dominas……..Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Und da soll man nun ein Theaterstück auf die Beine stellen…… Aussichtslos!

Von unserem Vorhaben „Hamlet“ zu inszenieren (Frau Seltsam und ich können uns in die Hauptrolle nämlich so gut reinfühlen: „Überleben oder nicht überleben –das ist hier die Frage!“) sind wir dann ganz schnell abgewichen.

Stattdessen muss es nun ein Klassiker der Gebrüder Grimm tun: Schneewittchen und die 7 Zwerge. (Zwerge haben wir ja so viele als hätte irgendwo jemand ´ne Dose aufgemacht).

Doch vor die Proben hat der liebe Gott die Rollenvergabe gesetzt.

Noch bevor wir damit beginnen konnten, hallte es uns schon von allen (!) Seiten (auch von Seiten der männlichen Winzlinge) entgegen: „Ich will die Prinzessin spielen!“ „Nein ich will die Prinzessin sein!“ „Nein ich!“, „Nein ich!“.

Ob im Märchen „Schneewittchen“ überhaupt ein Prinzessin mitspielt, darüber lässt sich sowieso streiten, aber mit solchen Spitzfindigkeiten wollen wir garnicht erst anfangen. Kurzum: Wir standen vor dem Problem 7 Prinzessinnen und keine Zwerg zu haben. Keinen Zwerg? Verdammt – ich kann sie doch sehen: Da sitzen sie vor mir, die Winzlinge. Und keiner will erkennen, dass die Rolle eines Zwerges ihm quasi auf den Leib geschneidert ist?

Blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Stück umschreiben „Der Zwerg und die 7 Schneewittchen“ (Frau Seltsam und ich haben darüber ernsthaft nachgedacht) oder aber zur besten Methode zu greifen, die die pädagogische Schatzkiste zu bieten hat. Quasi zum Black&Decker-Schlagbohrer unter den pädagogischen Werkzeugen: Der Bestechung!

Und eh ich mich´s versah, zaubert Frau Seltsam eine Hand voll Süßigkeiten –wohlschmeckende, appetitlich anzusehende, kaloriengespickte Bonbons- aus ihrer Tasche hervor und verkündet: „Wer freiwillig (?????????????????freiwillig??????????) einen Zwerg spielt, der bekommt ein Bonbon!“. Und schon wird die (zugegebenermaßen leicht zu bestechende) Xantippe aus der ersten Reihe schwach („Na gut, wenns unbedingt sein muss, dann spiel ich halt n Zwerg“) ..und greift zu. Da lassen sich die anderen Neider nicht lange lumpen –und schwupp haben wir so viel Zwerge wie wir brauchen! Am Schluss besteht die pädagogische Kunst nur noch darin, im richtigen Moment von seinen Prinzipien abzuweichen und der einen Schülerin die noch übrig bleibt, schnell ein Bonbon zu versprechen, wenn sie nicht zum Zwergenvolk überwechselt, sondern "die Prinzessin" bleiben will. So einfach ist das!

Es lebe die Pädagogik!

Und von weiteren Erlebnissen mit der Neigungsgruppe Theater ein andres Mal mehr.....

1 Kommentar:

  1. Ach, Frau EasySamstag und Frau Seltsam, ich fand eure Romeo-und-Julia-Auslegung sehr innovativ. Bin schon sehr gespannt auf den Zwerg und die 7 Schneewittchen...
    Um mit einem Filmzitat zu schließen:
    "Weißer Helge, wir haben ein Problem."
    "Ihr müsst den Ring ins Feuer werfen."
    "Wir haben keinen Ring!"
    "Dann schmeißt Schneewittchen ins Feuer!"
    "Wir können doch Schneewittchen nicht ins Feuer werfen!"
    "Ja, dann habt ihr ein Problem!"

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