Dienstag, 13. März 2012

Großes Theater - Klappe die Zweite

Ich bin mir nicht sicher, ob die Seltsam und ich unserem Ziel „erfolgreiche Aufführung am Freitag“ heute auch nur annähernd einen Schritt näher gekommen sind.

Die völlig talentfreie Chayenne kann den Text immer noch nicht. Warum haben wir der eigentlich die Hauptrolle gegeben? Und mit ihrer Mimik verhält es sich auch so wie bei einem Schneemann –immer das gleiche erstarrte Grinsen. Da ist es ganz egal, ob sie Zuneigung, Angst oder Abscheu spielen soll – Chayenne grinst, stapft breitbeinig über die Bühne und die paar Fetzen Text, die sie dem Souffleur korrekt nachspricht, sind nicht zu verstehen. Einfachste Anweisungen wie: „Wenn du ohnmächtig zusammensinkst, dann fall so, dass das Publikum dich sieht“, versteht sie nicht. Und überhaupt. Dafür hat sie ihre ganze Energie heute dafür verpulvert, es der kleinen, temperamentvollen Spanierin Carmen (die zugegebenermaßen ziemlich nervig sein kann) mal richtig zu zeigen und ihr ein paar runtergehauen. Von liebreizender Königstochter also nichts zu sehen.

Da sind die jüngeren Darsteller schon deutlich talentierter. Lukas hat gleich zwei Rollen. Die eine ist für die Handlung des Stücks wichtig, die andere nur eine kleine Komparsenrolle ohne Text: Ein Wildschwein, das einmal von links nach rechts über die Bühne huscht. Aber Lukas geht in dieser Rolle völlig auf. Das Wildschwein ist sein großer Moment! Stolz wie Oskar kriecht er auf allen vieren über die Bühne und lässt sich dann gerne auch noch töten und ausweiden. Dies wiederum ist der große Moment von Antony, der auch zwei Rollen spielt. Die des Jägers eher die unwichtige, so meinen wir. Aber Antony sieht das anders. Würde man das Stück nach seinem schauspielerischen Höhepunkt benennen, hieße es „Der Schlachter und sein Schwein“.

Man könnte auf jeden Fall glauben: Eine talentfreie Hauptdarstellerin und 8 kleine Supertalente – die Quote ist doch prima –was stellen sich die Samstag und die Seltsam denn da so an.

Tja, ehrlichgesagt wissen wir auch nicht, warum trotzdem sämtliche Energiereserven um spätestens 8:30Uhr komplett aufgebraucht sind, aber es ist so. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es ein schier hoffnungsloses Unterfangen ist, die kleinen Talente „auf Kurs“ zu halten, damit sie dann irgendwie pünktlich 3 Minuten nach Beginn des Stückes ihren persönlichen großen Auftritt haben können. Denn dieses „auf Kurs halten“ ist extrem schwierig. Antonys Medikamente verloren heute schon um 8:20 ihre Wirkung, Carmen verstrickte sich im Laufe des Vormittags in wilden Fantasieerzählungen („Frau Samstag, Sie müssen mir etwas zu essen spendieren – ich habe nichts mehr, weil die Emilia mir in mein Müsli gespuckt hat!“ – „Nein, Carmen, du hast nichts mehr zu essen, weil du der Emilia deinen Müsliriegel geschenkt hast- von Müsli und Spucken war weit und breit nichts zu sehen!“), Lukas und Emilia können es spätestens um 9:30Uhr nicht mehr ertragen, dass man ihrer leibhaftigen Person keine Aufmerksamkeit mehr schenkt, sondern nur noch ihre Rollen Zwerg und Zwerg von Belang sind, und erkranken urplötzlich beide gleichzeitig an einem gigantischen Holzsplitter, der sich tief in ihre rechten Füße gebohrt hat und so weiter und so fort.

Da ist es dann also irgendwann kurz vor Schulschluss, Lukas und Emilia haben die Rollen bereits heulend hingeschmissen und sich zu Fr.Fee ins Sekretariat gerettet, um sich die Splitter rausoperieren zu lassen, Chayenne hockt talentfrei in der Ecke und weigert sich „den Prinzen“ anzuschauen, dem sie doch eigentlich um den Hals fallen soll, „der Prinz“ ist verzweifelt und wiederholt seinen Satz „Schönes Mädchen, willst du bei mir bleiben?“ bereits zum 8.Mal in der Hoffnung auf eine Antwort, Antony und Carmen verkeilen sich in einer wilden Rauferei und müssen getrennt werden, der kleine, mollige Sinan testet in der Zwischenzeit, ob man sich mit einem Plastikschwert auch selbst erstechen kann und Pamela zieht den Vorhang auf und zu, obwohl sie gar nicht soll. Für heute erklären wir die Probe für beendet!

Um 13:00 hängen Fr. Seltsam und ich ermattet auf unseren Stühlen im Lehrerzimmer und vergleichen wehleidig unsere Zahnfleische, auf denen wir beide gehen.

Ob Herr Bromseklöten und Herr Brandt uns aufmuntern können? Die haben gerade feststellt, dass ihre Arbeit von zwei Tagen gerade mal für 3 Minuten Filmmaterial reicht. Hm – das Filmprojekt scheint also auch nicht besser zu laufen, als unseres.

Das ist doch schon mal tröstlich zu wissen.

Wie gut, dass wir nicht nach Arbeitsergebnis bezahlt werden…..

1 Kommentar:

  1. ja liebe samstag, der tag war hart!! von unseren abgenutzten brustwarzen und dem wunden zahnfleisch können wir ja morgen schreiben- wenn wir hoffentlich wieder auf den füßen laufen und nicht mehr auf genannten körperteilen kriechen..(hier stellt sich allerdings die frage: sind zahnfleisch und brustwarzen körperteile???)
    so- jetzt noch schnell wieder 3o kg requisiten zusammensuchen...

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