Mittwoch, 14. März 2012

Immer noch: großes Theater

Gestern war ein wirklich schlimmer Tag- Frau Samstag berichtete ja bereits davon.
Bis spät in den Nachmittag hinein (gefühlt bis tief in die Nacht) saßen wir noch im Lehrerzimmer und malten Theaterkulissen. Wir dachten ja, wir seien in diesem Jahr besonders schlau und würden uns mal ganz wenig Arbeit machen. Es sollte kein aufwändiger Kulissenbau werden wie in den Vorjahren, sondern einfach ein per Beamer projiziertes Bild- oder mehrere Bilder- da hat man ja quasi alle Möglichkeiten!! Da wir beide aber leider sowohl im Zimmereihandwerk, wie auch im Gerüstbau relativ unerfahren sind, mussten wir die Ide mit dem Beamer beerdigen- wir hatten einfach keine Idee, wo wir ihn positionieren könnten! Nun liefert ein anderes technisches Gerät die Kulisse- der Tageslichtprojektor.
Alles ganz easy, dachten wir. Kein mühsames, stundenlanges Bemalen von Tapeten oder Papierrollen, kein akrobatisches Aufhängen von Kulissen, dieses Mal keine auf dem Weg von der Klasse zur Aula zerstörten Kunstwerke, keine Papierverschwendung, kein Baum, der für unser Theaterstück sein Leben lassen soll.
Obwohl Frau Großstädter die Idee der Nachhaltigkeit bei unserer Art der Kulisse stark anzweifelte, blieben wir dabei. So schnell lassen wir uns unsere super Idee von der leicht gemachten Kulisse nicht vermiesen!
Gestern nachmittag nun saßen wir also beisammen, die Samstag und ich und malten. Und malten. Und stellten fest, dass wir Folienstifte nur in den Farben Rot, Grün, Schwarz und Blau hatten. Fuhren also noch mal los um Stifte zu kaufen. Und malten und malten und malten... einen schönen Märchenwald und etwas pompöses, Schlossähnliches. Als wir endlich fertig waren, wollten wir nur mal eben kurz den Tageslichtprojektor anschließen und ihn schnell noch richtig positionieren. Pustekuchen! Die Fläche, die er bestrahlte, war ungefähr Din A4 groß- tolles Bühnenbild. Also schufen wir (mal eben kurz) Platz nach hinten, denn der Projektor soll von hinten gegen eine Stoffwand scheinen. Ist das eigentlich auf allen Bühnen so? oder nur auf Schulbühnen? Vielleicht nur bei uns- da stapelt sich jedenfalls hinter der Bühne alles Mögliche, Sperrige, Schwere, Unhandliche! Das schreckte uns nicht lange und plötzlich eilte Frau Schön-Lange uns zu Hilfe (haben wir so laut geächzt??) und half schieben und wuchten und umbauen. Mit Ideen und Kraft und Gestöhne schafften wir es: er passte, der Projektor und beleuchtete eine große Fläche.
Zwar gibt es nun einen eingeklemmten Beckennerv zu beklagen und mit Sicherheit fortschreitende Gebärmuttersenkungen, aber das juckte uns nicht, denn endlich krochen wir mit letzter Kraft in den Feierabend,um...

Heute weiterzumachen.
Um es kurz zu machen: die Darsteller waren allesamt gut- textsicher, kannten ihren Einsatz, konnten sich alleine umziehen, blieben ruhig, hatten Geduld- irgendwie unheimlich.
Die Samstag raunte mir zu, dass wir noch nie so eine gute Probe gehabt hätten- an einem Mittwoch! Das ist in der Tat sensationell. Selbst die vielbeschriebene Cheyenne zeigte Willen und Einsatz. Auf der Bühne musste ich heute nur ein Mal meckern und drohen- es ging um sexuelle Belästigung von einer Achtjährigen an einem Elfjährigen. Da wir bei der jungen "Dame" ohne therapeutische Hilfe nicht weiterzukommen scheinen, konnte ich ganz dreist mit der Polizei drohen, was -oh Wunder- Wirkung zeigte!
Doch, es war ein guter Probentag... bis kurz vor Schulschluss jedenfalls. Da wollte Cheyenne ihren MP3 Spieler wiederhaben. Diesen hatte ich ihr Gestern abgenommen und eingeschlossen. Eigentlich hätte sie ihn, wie bei uns üblich, Morgens abgeben müssen und ihn dann problemlos Mittags zurückerhalten. Da sie das nicht getan hatte, nutzte ich die Gunst der Stunde, nahm ihn ihr ab, schloss ihn in Samstags Schreibtisch ein und erklärte ihr, wann sie ihn wiederhaben könne: dann, wenn sie ihren Text könne! Das war ein hervorragendes pädagogisches Mittel- der Text saß heute ganz wunderbar.
Um 13 Uhr wollten wir ihr das versprochene Gerät wiedergeben und ... weg! Gestohlen! Nicht auffindbar!
Wer von uns hat gesten den Schreibtisch auf und nicht wieder abgeschlossen?? Wir kriegen das nicht mehr auf die Reihe. Was wir bei den Schülern so gut können: Erinnerungen hervorlocken, recherchieren, analysieren, ermitteln, das klappt bei uns selber so gar nicht. Sind wir womöglich doch Politikerinnen? Wir können uns nischt erinnern!!!
Vielleicht kommt die Erinnerung ja scheibchenweise...

Und noch was: die Herren Kollegen vom Filmprojekt scheinen auch nicht mehr ganz frisch zu sein: Nachmittags kamen sie wie Qusasimodo und Affe Judy von "Daktari" ins Lehrerzimmer gehüpft, kicherten und riefen: "10 Minuten! Wir haben 10 Minuten Filmmaterial! HA!! 10 Minuten!!!"
Sind wir nicht alle ein bisschen gaga???

1 Kommentar:

  1. Also, den beeindruckendsten Auftritt am Rande unseres Stücks hatte heute defintiv Herr Wald-Orff, der sich auf einer wackeligen Leiter in schwindelerregende Höhen traute, nur um den handwerklich völlig untalentierten Damen vom Theaterprojekt Stück Holz anzubrigen, das an Schnüren auf die Bühne herabbaumelt! Chapeau, Herr Kollege und ein dickes Dankeschön!!!

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