Auch an unserer Förderschule wird
in jedem Frühjahr eifrig getestet. Zwar haben alle unserer Schüler bereits
einen sozusagen amtlich anerkannten Förderbedarf, sonst wären sie nicht bei
uns. Aber manchmal reicht dieser eben nicht aus oder es stellt sich im Laufe
der Zeit heraus, dass er in einem ganz anderen Bereich liegt, als ursprünglich
angenommen. Dann holen auch wir uns die Leute mit den Koffern ins Lehrerzimmer
bzw. in die Klassenräume.
Dieses Jahr hatte ich sage und schreibe drei Kandidaten zur Überprüfung gemeldet und das führte dazu, dass ich in den zurückliegenden Wochen jede Menge zu tun und organisieren hatte. Denn für jeden der drei Schüler war ein anderer Kollege von einer anderen Schule zuständig und sie alle wollten mit den jeweiligen Eltern und mir sprechen, im Unterricht hospitieren sowie in einem möglichst ruhigen Raum über zwei bis drei Vormittag hinweg ihre Probanden durchtesten. Ich führte also gefühlte tausend Telefonate, räumte ständig meinen Klassenraum auf (Aufräumen ist das, was man macht, bevor Besuch kommt!) und kloppte mich mit meinen Kollegen um den Belegungsplan für das Besprechungszimmer.
Angefangen hatte der Stress eigentlich aber schon im
Januar, denn um die Überprüfungen zu beantragen war erst einmal das
Herunterladen und Ausfüllen von ca. 30 Formularen notwendig. Am Ende konnte ich
die persönlichen Daten des jeweiligen Kindes dann wirklich singen. Außerdem
mussten natürlich die Eltern von dem Vorhaben überzeugt und Klassenkonferenzen
abgehalten werden. Vor allem aber musste für jeden Schüler ein ausführlicher
Bericht angefertigt werden, in dem möglichst drastisch die jeweiligen
Problemlagen geschildert werden mussten. Schließlich möchte man die
überprüfenden Kollegen schon vor deren Erstkontakt zum Kind
dahingehend lenken, dass sich ihre Einschätzung am Ende mit der eigenen deckt.
Trotzdem kann natürlich immer noch irgendwas schief gehen,
wie zum Beispiel bei der Überprüfung von Erkan. Dessen Eltern waren mit dem
eingeleiteten Verfahren ja überhaupt nicht einverstanden und waren in den Tagen
vor der Testwoche plötzlich unter keiner der zahlreichen angegeben Handynummern
mehr zu erreichen. Auch den Termin für ein persönliches Gespräch ließen sie
unentschuldigt verstreichen. Zum Glück fiel einer Kollegin ein, dass sie sich
neulich mit einer Freundin über den Fall unterhalten hatte. Diese Freundin
arbeitet an einer wieder anderen Förderschule und hat da den Bruder von Erkan
im Unterricht. Wir riefen also bei dieser Schule an und erfuhren, dass man dort
neben den zahlreichen uns vorliegenden Nummern noch zwei weitere Rufnummern von
der Familie hat. Tatsächlich war dann unter der einen Mutter Erkan zu
erreichen und diese war nicht besonders amüsiert darüber, sich nun doch mit uns auseinandersetzen zu müssen.
Ebenfalls einen Strich durch unsere Zeitplanung machte uns
Chantalle. Ausgerechnet am Tag der Unterrichtshospitation stürzte sie in der Pause
und wurde vor den Augen der gerade eingetroffenen Testerin mit dem Krankenwagen
weggefahren. Ich versorgte die Kollegin, die sich 30km über die überfüllte Autobahn zu uns gequält hatte, zum Trost mit Kaffee und Arbeitsproben aus
Chantalles Ablage. Aber trotzdem musste der Termin eine Woche später nachgeholt
werden.
Auch bei Pascal lief nicht alles rund. Eigentlich hatte der
überprüfende Kollege ihn für einige Tage zu sich an die Schule holen wollen um ihn
dort zu testen. Er sei schon einmal an unserer Schule gewesen, hatte er am Telefon
erklärt, das würde ihm für den Rest seines Lebens reichen. Leider spielte das
Taxiunternehmen nicht mit, dass sich nicht in der Lage sah, die Beförderung für
die drei Tage umzustellen, da es für den Bezirk der überprüfenden Schule nicht
zuständig sei. Nun musste der werte Herr Überprüfer sich also doch zu uns hin
bequemen, was in unserem Kollegium zugegebenermaßen mit einem gewissen Maß an
Schadenfreude aufgenommen wurde.
Letztendlich konnte dann doch bei allen drei Schülern das
Überprüfungsverfahren durchgezogen werden. Die Abschlussberichte stehen noch aus,
und es ist fraglich, wie die Eltern jeweils darauf reagieren werden. Kann gut
sein, dass da noch einige Gespräche, Klassenkonferenzen und Schriftwechsel
notwendig sein werden. Es bleibt also spannend, aber ich habe ja sonst nichts
zu tun. Unterricht? Ach ja, der hat in den letzten Wochen auch irgendwie
stattgefunden, so ganz nebenbei. Manchmal wünsche ich mir ja doch meine eigene
Sekretärin. Glück auf!
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