Donnerstag, 9. Juni 2011

Jedem Ende liegt ein Zauber inne

Noch vier Wochen bis zu den Sommerferien!
Die letzten Wochen eines langen Schuljahres sind jedes Mal eine Zeit, der ein ganz besonderer Zauber innewohnt. Man hat das Gefühl, alle fahren langsam ihre geistige Aktiviät runter - wie bei einem Atomreaktor, der rechtzeitig vom Netz genommen werden muss, bevor es vor lauter Überhitzung zur Kernschmelze kommt. Im Unterricht läuft in diesen Wochen NICHTS mehr. Heute hat schon Frau EasySamstag meine Bürgelperlen ausgeliehen. Die DVD-Player sind im Dauerbetrieb, gut, dass ich mir schon vor Jahren einen eigenen gekauft habe. Die Schüler können nach einem Freibadbesuch ihre Badesachen gleich in der Schule lassen - morgen geht es eh gleich wieder rüber in die Batze. Hier hat unsere Schule zum Glück sozusagen eine Flatrate, das heißt, wir müssen keinen Eintritt zahlen.
Im Lehrerzimmer werden die Kalauer immer flacher und es warten alle auf das Schuljahresend-Auslesen des Kopiergerätes sowie auf die Seigerehrung des Kopien-Weltmeisters 2011. Wie immer stelle ich mir die Frage: Habe ich zu Schuljahresbeginn genug Kopiergeld eingesammelt? Ist vielleicht am Ende sogar noch was über? Dann wäre vielleicht noch ein Klassenfrühstück im schwedischen Spezialitätenrestaurant mit den vier gelben Buchstaben drin. Oder für jeden eine Lore Pommes beim nächsten Schwimmbadbesuch.
Trotz dieses Schonprogramms halten nicht alle bis zu den Ferien durch. In einigen Klassen bröckelt es gewaltig. Man merkt: Die Nerven liegen blank -  besonders bei jenen, die inzwischen wissen, dass sie die Schule wechseln oder in die Selbstständigkeit entlassen werden. Gerade hat man im Abschlussbericht ihre guten Entwicklungen über alle Maßen gelobt, schon drehen sie nochmal auf wie zu Beginn ihrer Karriere bei uns. Nahezu täglich haben wir einen Krankenwagen auf dem Schulhof und als es vorgestern so richtig auf die Fresse gab, hat auch die Polizei malwieder vorbeigeschaut.
Von diesen extremen Auswüchsen mal abgesehen, ist unter den Kollegen in den letzten Wochen natürlich tendenziell die Bereitschaft größer, Dinge durchgehen zu lassen - frei nach Rilke: "Wer bis jetzt nichts begriffen hat, begreift auch in den letzten Wochen nichts mehr". Wozu sich noch aufregen? Nächstes Jahr kommt der Bengel eh zum Kollegen XY, soll der doch mal sein Glück versuchen.
Viel zu sehr ist man schließlich damit beschäftigt, sein eigenes restliches Arbeitspensum abzuarbeiten, damit man am letzten Schultag um Punkt 10:30 Uhr in das vollbepackt vor der Schule stehende Womo oder in das Taxi zum Flughafen springen kann. Aber leider hat der liebe Gott vor die Ferien aber nun mal die Zeugnisse gestellt und so laufen die Notebooks im Lehrerzimmer und der one-and-only Lehrerzimmer-Drucker noch einmal auf vollen Touren. Außerdem noch unbedingt zu erledigen vor den Ferien:
- Fahrtenbuch ausfüllen (denn wer weiß im September schon noch, wann er im alten Schuljahr wo einen Hausbesuch gemacht hat?)
- Aufräumen des Klassenraums, insbesondere der Fensterbänke, denn vielleicht kommt ja dieses Jahr zur Abwechslung mal der versprochene Fensterputzer?
- Leeren des Postfaches und abheften alter Berichte etc. - inklusive Entsorgung veralteter Speisekarten des Pizza-Bringdienstes und konfiszierter Pokémon-Karten.
- Und natürlich nebenbei schonmal die schönsten Ausflugsziele in der Urlaubsregion raussuchen, denn wir wollen ja das Ganze gemütlich ausklingen lassen. Ein Kernreaktor wird schließlich auch gaaanz langsam heruntergefahren. Glück auf!

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