„Ein Held (griechisch ἥρως hḗrōs, althochdeutsch ´helido´)
ist eine Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften,
die sie zu besonders hervorragenden Leistungen, sog. Heldentaten, treiben. Heldentaten
beinhalten Mut, Opferbereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstüberwindung. Am
Anfang der Heldentat steht immer die Möglichkeit des vollständigen Scheiterns.“
…so die
lexikalische Umschreibung des Begriffes „Held“.
Dass
sich da unweigerlich Bilder von muskelbepackten, todesmutigen, schwitzenden,
dabei jedoch blendend aussehenden Männern einstellen, ist selbstverständlich.
Und besonders abends auf der Couch bewundern wir die Helden von „Troja“, „Herr
der Ringe“ oder „Gotham City“ bei ihren Einsätzen.
Im
Alltag - besonders im Schulalltag-
begegnen uns Helden in der Regel nie. Wo auch? Unter unserer Schülerschaft wohl
kaum! „Heldentat Schulabschluss“??? Liegt in unerreichbar weiter Ferne!!!!
Rückblick:
„Frau
Samstag, sind Sie sicher, dass wir das schon mal hatten mit x-Achse und y-Achse
und so?“
„Oh
Mann, wie geht nochmal malrechnen?“
„Adjektive
sind Tu-Wörter, ne?“
„Bei
„geteilt mit Rattenschwanz“ fängt man doch von hinten an, oder?“
„Pythagoras?
Das war doch das mit dem Kreis, ne?“
„Ich
soll hier erklären, was ein „Glossar“ ist. Das ist doch diese Stadt im Harz?“
„Ich
soll eine Erörterung schreiben, welche Gründe gegen die Einnahme von Drogen
sprechen – aber mir fällt jetzt echt nichts ein!“
„Inhaltsangabe?
Kein Plan! Das haben wir doch noch nie gemacht!!!???!!!!“
„Ich
scheiß auf die Hausaufgaben. Die bringen eh nichts.“
Alles
Standardsätze in meiner Klasse.
Nur
schade, dass wir uns 2 Wochen vor den Hauptschulprüfungen befinden.
Es
vergeht kein Tag, an dem ich nicht zusammenzucke. Empfindlich berührt von den
Sätzen die mir den ganzen Abgrund des Unwissens deutlich machen, der da geballt
vor mir sitzt. Und das, wo ich doch mit Sicherheit sagen kann, wir haben alles,
aber auch wirklich alles durchgenommen, was das liebe Kultusministerium an
kleinen Schmankerln für uns vorgesehen hatte! ISCHWÖRE!!!
Aber es
bleibt einfach nichts davon hängen. Hirne wie Siebe!
Ein
geistiger Tiefflug nach dem nächsten!
Und mir
kommt der Verdacht, ich könnte von Flachpfeifen und Versagern umzingelt sein.
Alles Nieten?
Doch
immer, wenn diese dunkle Ahnung in mir wächst, da überzeugen mich die Jungs vom
Gegenteil.
In
Wirklichkeit stecken in ihnen wahre Helden mit einem erstaunlichen Talent zur
Selbstüberwindung:
Der
künftige Realschüler Roger gibt eine Erörterung ab, die aus genau 3 Zeilen
besteht und mich erblassen lässt. Oh mein Gott – nicht mal der kann´s! Doch
nach einer verzweifelten Schimpfkanonade meinerseits belehrt er mich eines
besseren und liefert mir am nächsten Tag eine Erörterung ab, bei der jeder
Gymnasiast einpacken könnte. Er muss Stunden daran gesessen haben!
Niklas,
der mit Online-DJing und Musik-Mixen bereits sein eigenes Geld verdient, verkündet
mir eines Morgens: „Frau Samstag- es hat mich echt Überwindung gekostet, aber
ich habe meinen Turntable jetzt in den Keller geräumt und dort bleibt er auch
bis nach den Prüfungen. Ich bin sonst einfach zu abgelenkt!“
Obwohl
die Standardbekleidung meiner Schüler aus grell-bunten Jogginghosen besteht,
überrascht mich Jason ein paar Wochen vor der Schulentlassung mit einer Jeans. „Sie
haben ja recht, Frau Samstag – bei der Abschlussfeier kann man echt nicht in
Jogginghosen kommen! Und eigentlich sind Jeans gar nicht so schlimm!“ Er sieht
blendend aus und ist um Jahre gereift! Daraufhin beschließt auch Nic, am
Nachmittag sein Glück bei NewYorker in der Innenstadt zu versuchen. Er kommt
zwar am nächsten Tag wieder mit Jogginghosen, kann mich aber mit den Worten
besänftigen: „Frau Samstag – Jeans sind echt scheiße – meine Eier haben da
garkein Platz. Aber ich werde am Tag der Abschlussfeier ne Jeans mitbringen und
mich dann kurz vor der Zeugnisvergabe auf dem Klo umziehen! Zufrieden?????“ Und
ob ich zufrieden bin!
Nic ist
es auch, der mich vorwarnt: „Frau Samstag, wundern Sie sich nicht, wenn ich am
Tag der Prüfung entsetzlich nach Rauch stinke – aber ich brauche an dem Morgen
sicher ein paar Kippen mehr zur Beruhigung!“ Ich freue mich, dass wenigstens
einer einen Plan hat, wie er sich beruhigen kann und habe vollstes Verständnis!
Überhaupt
ist Nic der heimliche Superheld dieses Abschlussjahrgangs. Keiner musste so
viele Klippen meistern wie er. Ebenfalls Nic: „Frau Samstag, ich weiß nicht wie
ich das alles schaffen soll: Die Hausaufgaben, die Sie mir aufgeben und dann
noch Zeit zum Onanieren haben.“ Wir überlegen gemeinsam, wie er dieses Problem
lösen kann und er sichert mir zu, bis zur Prüfung nur noch einmal pro Tag zu onanieren! Danke!!!
Überraschend
wird das Dilemma für ihn dann jedoch noch schlimmer: Nic verknallt sich in
Jacqueline und plötzlich ist Onanieren gar nicht mehr das Wichtigste……… Dafür
Sex. Verdammt – warum konnte diese Trulla nicht erst ein paar Wochen später auf der Bildfläche
erscheinen? Nic kann an nichts mehr Anderes denken – sein Engagement für die
Prüfungen schleudert dem Tiefpunkt entgegen. Im Unterricht ist er nur noch
körperlich anwesend, oder manchmal sogar das nicht mehr, denn Nic verschwindet
gerne und oft aufs Klo. Daraufhin Niklas: „Nic, komm raus da – kacken kannste
am Wochenende!“ Antwort von drinnen: „Ne, da hab ich keine Zeit zum Kacken – da
muss ich ficken!“ In der Erdkundestunde zwischen Treibhauseffekt und
Klimaerwärmung meldet er sich dann doch. Leider nicht zum Thema. Er eröffnet
mir stotternd, dass er und seine Freundin gestern einen riesigen Fleck auf
seiner Matratze hinterlassen hätten und da dieser von den Eltern nicht entdeckt
werden sollte, hat er einfach ein Glas O-Saft darüber gekippt. Jetzt stinkt die
ganze Chose und er fragt mich, ob ich einen heißen Tipp für ein
Reinigungsmittel hätte, mit dem er den Fleck wieder rauskriegt. Der Unterricht
kommt kurzzeitig zum Erliegen.
Nach der
Sache mit dem peinlichen Fleck und dank eines ausgeklügelten Lernplans, ist
dann auch Nic wieder in der Lage, sich auf den Abschluss zu konzentrieren. Doch
schon naht das nächste „Seeungeheuer“ in Form von randalierenden Alkis auf dem
Marktplatz in Nics Heimatdorf. Einer von ihnen dreht nachmittags völlig durch,
und schlitzt sich die Pulsadern mit einer Bierflasche auf. Nic, der zufällig in
der Nähe ist, fackelt nicht lange, reißt sich sein T-Shirt vom Leib, bindet die
Blutung ab, organisiert noch schnell ein Handy von einer anwesenden Mutter und
verständigt Polizei und Notarzt. Mit blutverschmiertem Oberkörper kommt er nach
Hause und auch wir können am nächsten Morgen die Blutflecke auf seinen Schuhen
noch bewundern. Wenn das nicht wahre Heldentaten sind. An diesem Tag übt er
nachmittags natürlich für keine Prüfung – aber am Ende – am Ende ist dann alles
gut und er überrascht uns sogar mit weit überdurchschnittlichen Ergebnissen!
Und so
überwindet sich jeder auf seine Weise und sie erhalten die Lorbeeren für ihre
Mühen: Abschluss in der Tasche, Zukunftspläne stehen ebenfalls!
Frau
Seltsam und ich sind happy und als am Abend „Troja“ im Fernsehen läuft, da
kommen uns die Leistungen von Brad, Orlando und Co lächerlich klein vor!
Es
leben die wahren Helden des Alltags!
und wer hat schon IMMER gewusst, dass Nic Potential zu Höherem hat????Unsere kleine Sahneschnitte!! Noch eine Woche....dann heißt es Abschied nehmen...
AntwortenLöschenJa, du hattest immer so recht! Ich habs echt erst auf den letzten Metern erkannt! An nächsten Freitag darf ich garnicht denken! Wie kann man auf einmal so hängen an diesen Rabauken?
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