Es ging schon morgens los. Pascal sollte seine Hausaufgaben vorzeigen, nämlich den Bericht über seine praktische Arbeit vom Vortag. Ich las leise: "Gestern war ich bei Herrn Bromseklöten und habe an meiner Figur gearbeitet." Ich las das Ganze noch mal laut : "Gestern war ich bei Herrn Bromseklöten und habe an meiner Figur gearbeitet." und ließ es mir dann von Pascal vorlesen.
Was bitte ist das für eine Arbeitsgruppe bei Herrn Bromseklöten? Mein inneres Auge präsentierte mir den korpulenten Jungen, ganz in Cellophan gewickelt, von Herrn Bromseklöten mit Algensaft und Rohkost versorgt, als Pascal mich aus meinen Gedanken riss: "Alter! Frau Seltsam! Wir bauen so Mangafiguren!" Aaach so! Da muss man ja erst mal drauf kommen!
Lange Leitung hin oder her- irgendwie ist so ein Tagesanfang doch vielversprechend. Das wird abgespeichert als Anekdote, mit der man im Lehrerzimmer für gute Stimmung sorgen könnte und außerdem hat doch Morgenstund Gold im Mund...oder so (ich übrigens auch...)
Später kriege ich mit, wie Maurice von einem Mitschüler gefragt wird:
"Ey- Maurice- wie alt ist deine Schwester?"
Antwort: "15. Aber dick!"
"Ach so......und die andere??"
Maurice: "13. Nicht dick."
Während der Frager nun noch weitere Details über die genaue "Dicke" der Schwester erfährt ("Nee, nich so richtig dünn, aber nicht richtig dick...") rufe ich mir Mauricens verworrene Familienverhältnisse ins Gedächtnis und werfe ein: "Dann seid ihr drei also die drei Jüngsten in der Familie!" Offenbar habe ich Maurice damit beleidigt, denn er ruft völlig aufgebracht: "Nein!!! Ich bin nicht der Jüngste!! Ich bin der Fünftälteste!!!"
Na gut. Es kommt eben immer auf den Standpunkt an!
Und dann gab es da noch dieses Highlight mit Rene. Nach einem opulenten Pizzamahl muss noch der Ofen gereinigt werden. Als Rene und ich vor dem Backofen stehen, fragt er: "Und jetzt?" Ich antworte: "Jetzt machst du die Ofentür auf!" Der Zwölfjährige öffnet die Tür und zeigt sich entsetzt ob der getrockneten Käsereste und fragt: "Und jetzt?" Ich: "Jetzt kniest du dich davor und ich gebe dir einen Lappen!" Rene kniet sich hin, guckt mich an und sagt: "Das habe ich befürchtet! Gerne Frau Königin!"
Endlich! Endlich hat es mal einer erkannt! Nach solch einem Seelenbalsam habe ICH dann den Ofen geputzt und mir vom Knappen Schwämme, Wasser und Putzmittel reichen lassen. (Dass er Hausaufgabenfrei hatte, ist ja wohl logisch!)
Dies war nun wahrlich kein Schultag, an dem ich mich wie alle anderen mit letzter Kraft zum Lehrertempel schleppe, vornübergebeugt, die Schultasche hinter mir her ziehend, schwer keuchend...
Fast beschwingt betrete ich die heiligen Hallen und erspüre eine sonderbar beschwipste Stimmung...
Noch bevor ich "AH" sagen kann, geschweige denn eine meiner schönen Vormittagsgeschichten zum Besten geben, ruft mir Frau Samstag entgegen, dass sie heute mit einer Insel verwechselt worden sei.
"Ey, Frau Samstag, sind sie Insel?" und sie Schlagfertigkeit beweisen konnte: "Nee- bist du Boot?"
Nun zeigt auch Herr Bromseklöten Begeisterung: "Hahaaa!! Eine Insel mit zwei Bergen!!"
Woraufhin die Samstag erfreut ruft: "Spitzbergen!!"
Frau Großstädter hängt erschlafft auf ihrem Stuhl- sie wurde wohl heute weder als Insel noch als Königin wahrgenommen und war vermutlich nur von Irren umgeben. Sie mobilisiert alle Kraftreserven und zitiert Herrn Tulpe zu sich und sagt tatsächlich: "Herr Tulpe- willst Du ein Kind von mir???"
Der lacht und antwortet: "Wenn`s sein muss!"
Aber die Großstädter hat heute die Spendierhosen an und setzt noch einen drauf: "Dann schenke ich Dir später auch noch Zwillinge!"
(Ein Außenstehender könnte hier eventuell an eine sehr unkonventionelle, wenig romantische Familienplanung denken- in Wirklichkeit ging es natürlich nur darum, die schwierige Klasse zu entzerren!)
Für sehr viel Kurzweil sorgt auch die nette Referendarin, die inzwischen ein weiteres Adjektiv hinzugewonnen hat..."lustig"! Als im Kollegenkreis darüber gerätselt wird, ob der 15 jährige Marcel wohl jemals eine Freundin haben werde, ist ihr trockener Kommentar: " Bevor Marcel Flecken auf der Matratze hat, die nicht von ihm stammen, steht eher der Russe wieder am Rhein!!"
Und so fragt man sich an manchen Tagen, wer denn nun durchgedrehter ist- die Schüler oder unsereins? Vermutlich haben wir uns wie Hund und Herrchen ganz gut aneinander angepasst....
Alkohol gibt`s übrigens in der Schule nicht (höchstens von Schülern heimlich konsumiert..) Wir haben ein natürliches Beschwipstheitspotential!
Irre, was?!
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