Samstag, 28. Mai 2011

Eine Klassenfahrt ist lustig, eine Klassenfahrt ist ...

Ich liebe Klassenfahrten! Warum? Das weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht steh ich einfach auf laute und magenunfreundliche ;) Busfahrten, auf Essenssituationen vergleichbar mit einer Raubtierfütterung, auf totale Übermüdung aller Beteiligten oder auf das Melden zerstörter Einrichtungsgegenstände gegenüber den besten Herbergseltern der Welt. Ja, irgendwie mag ich diese Dinge - und ich bin kein Masochist. Ich bin Lehrerin an einer Förderschule (wo war jetzt noch gleich der Unterschied zu dem Wort mit M...? Ich schau gleich mal bei wikipedia nach.) und das aus Überzeugung.
Also, zurück zu meiner letzten Klassenfahrt: An einem Dienstag so gegen acht, wurden die lieben Kleinen von ihren Eltern und Erziehern zur Schule gebracht.
Alle waren nervös und aufgeregt und mein erster Gedanke: Ob sich das in den nächsten Tagen wohl legt?
Die nächsten Tage, wo denke ich hin, käme der Bus doch endlich, das mache Sinn.
Doch wer wartet der bleibt - oder so ähnlich, denn der Busfahrer samt Bus kam wirklich nur sehr gemächlich.
Endlich ist alles im Bus verstaut, die Fahrt geht los und es wird laut:
"Du Wixer, ich will vorne sitzen", hör ich den kleinen Dennis rufen und beginne leicht zu schwitzen.
"Nein, isch hab zuerst gesagt und isch hab Frau Klein gefragt!"
Da hat der kleine Ömer recht, ich setz mich hin und schau zu dem Gefecht:
Eine Ohrfeige folgt einem Tritt. Bravo, klein Ömer der hält echt gut mit.
Ein blauer Fleck, ein Tropfen Blut und schon ist alles wieder gut.
Klein Ömer und Dennis sitzen vereint, in der ersten Reihe - wer hätts je verneint.
So kommen wir entspannt in der Herberge an; Mittagessen - na dann mal ran.
Rotkohl, Gulasch und Kartoffeln, ein Festschmaus, doch nicht für alle Stoffeln.
"Was ist das Rot da in der Schale?" "Das ist Rotkohl, keine Frage."
"Find isch eklisch, es isch nisch, Milchschnitte wär was für misch."
So schmeckt es dem einen, dem anderen nicht, naja, morgen gibt es ein anderes Gericht.
Frisch gestärkt gehts hinaus in eine Natur, das ist wirklich Luxus pur:
Hinter dem Haus fließt direkt ein Bach, da denkt sich der Lehrer: "Ach,
wie idyllisch und wie schön, ich werde bald viele nasse Kinder sehn."
Und so kommts wies kommen muss, alle werden nass, ganz ohne Verdruss.
Das herbergliche Treppengeländer wird zur Wäscheleine und die erste Hose bleibt nicht lange alleine.
Nein, bald sind sie alle nass, und Michael in der Satin Pyjama Hose gibt nun Gas.
Doch leider ist er nicht ganz so schnelle und schafft es nicht bis an die Schwelle.
Da ruft Herr Tiger plötzlich: "HALT!" Dass es im Hause nur so schallt.
"In Pyjama gehts nicht raus, dein Platz ist dann wohl jetzt im Haus."
Da guckt der Michael ganz traurig drein. "Ich wollt doch nur ins Wasser rein."
Am Abend folgt ein Lagerfeuer, doch nicht für alle kleinen Ungeheuer.
Der Tom hat sich es schon verspielt, er hat den kleinen Ben gequält.
So heißt es duschen und dann ab ins Bett, wenn es doch einemal klappen würde - es wär so nett!
Unter die Dusche geht Tom mit Müh und Not und dann folgt der Idylle Tod:
Frau Klein guckt ins Zimmer, nur so zur Kontrolle und ist gleich völlig von der Rolle.
Das Zimmer gleicht einer Seenplatte, inklusive Badematte.
Denn Tom macht für den Duscherspaß, gleich mal das ganze Zimmer nass.
Die Türen von Dusche und Badezimmer, die schließt er nicht wirklich immer.
So steh ich da also in der Pfütze und denke mir, ob es was nütze,
wenn ich jetzt ne Predigt halte. Ach was, denn er bleibt doch der Alte.
So nehme ich den Rückwärtsgang, schließe jede Tür - nicht bang-
und setze mich zu meinem Kaffee, mit dem nassen rechten Zeh.
Gegen elf dann endlich Stille, die Kinder schlafen, dank der ein oder anderen Pille.
Jetzt geht der Spaß erst richtig los, Karten kloppen, wie famos.
Da werden Lehrer zu Spilekindern wieder, allen voran der Herr Tiger.
Auch Herr Tulpe der lässt sich nicht lumpen, und erhebt gleich seinen Humpen:
"Auf die Klassenfahrt und die nächsten Tag, das wird ein Spässchen, keine Frage."
So sitzen wir Pädagogen zusammen, bis tief in die Nacht, ohne zu erstarren.
Die Starre folgt am nächsten Morgen, der Hahn kräht ab vier und macht uns Sorgen.
Die Kinder stimmen im Chor mit ein, muss denn das wirklich alles sein?
Da wünscht man sich in sein heimisches Bett; Scherz, da wär es doch nur halb so nett?!
Das Frühstück folgt, man freut sich drauf, das Kind neben mir trinkt leider Milch zu Hauf.
Das war zu viel für den kleinen Wicht, er kotzt sie zurück auf den Frühstückstisch.
So nimmt die Mahlzeit ein jähes Ende, dann nehmen wir doch mal die Freizeitgestaltung in unsere Hände.
Ein Ausflug zu einem Irrgarten steht an. "Bringen wir wohl alle Kinder wieder mit ran?",
geht es mir so durch die Sinne, da dreh ich mich um und denk ich spinne.
Klein Ömer prügelt auf wen anders ein, ich denk an die Hinfahrt: Das muss wohl so sein.
Und wie ich da so steh und schau, wird der Arm des andern blau.
Naja, dann störe ich wohl doch mal die Idylle und greife Ömer mir in Fülle.
"Ihre Mutter ist ein Hurensohn", ist sogleich dafür der Lohn.
Ich versuchs mit biologischen Fakten, doch Ömer scheint darauf nicht zu achten.
Erst durch die Fixierung von Armen und Beinen, kann er mich dann wieder leiden.
Wieder ist Abend, das Duschen steht an, doch wer hat einen ganz anderen Plan?
Der Tom der kommt schnell angelaufen, und ich seh in Gedanken das Wasser schon laufen.
Doch Entwarnung folgt sogleich. Er sagt: "Aus versehen..." Und ich werde ganz bleich.
"hab ich die Glühbirne aus der Fassung gedreht und sie darauf in Scherben zerlegt."
Am nächsten Abend ein ähnliches Spiel, klein Luca kommt aus dem Zimmer und redet ganz viel.
Auch er beginnt mit "Aus versehen..." und ich seh in seinem Blick das Flehen,
"hat Tom in die Lampe von gestern gepackt und ich drückte auf den Schalter, zack."
Herr Tulpe springt auf und nähert sich dem Maleur, puh, klein Tom schielt nicht mehr als zuvor.
Der Strom hat also nichts bewegt, mmhhhhh, woran das wohl liegt?
Die Klassenfahrt neigt sich dem Ende und wir packen ganz behende,
unsere sieben Sachen ein und legen sie in den Bus hinein.
An der Schule angekommen, sind noch alle ganz benommen:
von frisch gekochtem Essen, sauberen Bädern und Freundlichkeit, denn das steht zu Haus für nicht jeden bereit.
So übergeben wir alle an die Eltern zurück und denken uns heimlich "Was für ein Glück,
es sind nicht unsre lieben Kleinen, denn zu Hause möchte ich davon wirklich keinen."


Wie man an diesem kurzen Bericht unschwer erkennen konnte, bin ich nicht nur Förderschullehrerin aus Überzeugung, sondern auch Deutschlehrerin. Ist das schlimm? Nein, eigentlich nicht.
Nur, das man dann wohl auch an einem Samstag gegen 17h Deutschlehrerin ist und irgendwelche Kommentare in Reimform verfasst. In diesem Sinne freue mich schon auf weitere Schilderungen von Biolehrerinnen - denn da scheint meine Argumentationsgabe ja nicht so gut zu sein (Meine Mutter soll ja irgendwie immer noch ein Hurensohn sein).
In diesem Sinne - Glück auf.

1 Kommentar:

  1. Frau Klein, gib check! Was ist das - dreihebiger Jambus oder was? Kann man glatt 'n Film draus machen. Schönabendnoch und lass es krachen! Hollywood, wir kommen!

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