Jedes Jahr um diese Zeit geht er wieder los - der Run auf die beliebtesten Klassenräume für das nächste Schuljahr. Schön groß sollen sie sein, hell und günstig gelegen. Ganz weit abgeschlagen sind die Räume in den angemieteten Leih-Containern, die als Dauerprovisorium auf unserem Schulhof stehen. Dort ist es im Winter entweder eisig kalt oder - wenn man die Heizungen anstellt - sofort so heiß, dass man denkt, gleich kommt der Mann mit dem Aufgusseimer und den Birkenzweigen.
Jedenfalls werden alle Kollegen stets sehr kreativ, wenn es darum geht, Argumente für bzw. gegen einen Raumwechsel zu finden und entsprechend hitzig sind die Dienstbesprechungen.
Ich bin da fein raus. Meinen Raum will eh keiner. Es ist einer der kleinsten und dunkelsten Räume der Schule und liegt in einem Seitengebäude jenseits des Schulhofes, den man jedes Mal überqueren muss, wenn man etwas im Lehrerzimmer vergessen hat. Aber das macht mir alles nichts. Umziehen möchte ich auf keinen Fall. Natürlich stört manchmal die Enge in dem Raum, der nicht nur klassischer Lernort sondern zugleich Frühstücksraum, Kunst- und Werkatelier, Spielzimmer und nicht zuletzt Materiallager für mich, die Fachlehrer und die Anwärterin ist. Manchmal weiß man einfach nicht mehr, wohin mit sich selbst, den Schülern, den angefangenen Kunstwerken und den ganzen Camembertschachteln.
Aber mit dem ganzen Kladeradatsch den Raum wechseln? Das ist für mich eine wahre Horrorvorstellung. Dafür müsste man ja aufräumen, sortieren, verpacken, auspacken und einräumen. Das kommt nicht Frage. Zumal ein größerer Raum mit größeren Schränken sicherlich innerhalb weniger Monate auch voll wäre.
Da bleibe ich lieber in meiner Lernhöhle, in der ich mich in den vergangenen sieben Jahren häuslich eingerichtet habe. Hier wird man mich am Tag meiner Pensionierung heraustragen müssen, wie einen Messie bei der Zwangsräumung.
Was die Möblierung und den Gebäudezustand angeht, sind wir eh nicht weit von (den Schülern vertrauten) Hartz-IV-Standards entfernt. So sucht man bei uns vergebens tolle Wehrfritzmöbel, moderne Whiteboards, ergonomische Sitzmöbel oder anderen didacta-Schnickschnack. Viele Möbel sind so alt wie die Schule selbst, der Rest wurde privat zu Hause aussortiert oder von Firmen gespendet, die sich neu eingerichtet haben. Immerhin: Wir haben einen eigenen Fernseher mit DVD-Player und eine Kaffeemaschine - das sind sowieso die wichtigsten Einrichtungsgegenstände.
Alle ehemals freien Flächen in meinem Klassenraum sind schon längst vollgestellt mit dem Pädagogen-Kleinmöbel Nr. 1: Den unvermeidlichen Kopierkartondeckeln. Diese dienen wahlweise als Schülerfächer, Materialkisten für Stationenarbeit oder Kleber-/Scheren-/Stiftebox.
Trotz allem: Weil Reibung bekanntlich Wärme erzeugt, fühlen wir uns hier alle pudelwohl und rücken auch gerne noch ein bisschen zusammen, wenn z.B. Besuch aus dem Studienseminar kommt. Ein bisschen Luft haben wir gewonnen, seit unserem Marvin vom Jugendamt der Schulbegleiter gestrichen wurde - der nahm aber auch ganz schön viel Platz ein! Glück auf.
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