Donnerstag, 22. September 2011

Küchengeplapper

Es dürfte keinem Leser dieses Blogs entgangen sein, dass wir allesamt total verfressen sind. Das betrifft nicht nur das Kollegium.

Unsere Schüler- die ja über eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Labilität verfügen- können unserem Einfluss nicht widerstehen. Manch einer schafft es über einen Zeitraum standhaft zu bleiben und wir anderen können uns eines gewissen zöllibatären Eindrucks nicht erwehren- doch schließlich wird auch der stärkste Charakter schwach und schließt sich uns an. Für einige Klassen ist also der Mittwoch der Höhepunkt der Woche, denn da wird gemeinsam feudal gespachtelt!
Zur Zeit bin ich dafür zuständig, mit einigen Pubertieren diese Mahlzeit zuzubereiten. Die können aaaalles! Haben alles schon mal gemacht! Kennen jede erdenkliche Speise zwischen Feuerland und Liechtenstein! Sind bestens vertraut mit der korrekten Handhabung eines jeden Küchenwerkzeugs! Rezepte lesen? Wozu? Ein kurzer Blick auf den Rezeptbogen reicht aus- der Inhalt wurde ihnen irgendwie ins Hirn gebeamt! Aber wenn`s dann losgeht, wenn es darum geht aus echten, rohen Lebensmitteln und womöglich aus so kuriosen Dingen wie Kohl oder Mohrüben oder Zucchini eine warme Mahlzeit hinzubekommen, dann ist doch Hilfe gefragt. Letztendlich sind sie nämlich auf mich angewiesen! Gerne denke ich, dass sie ohne Mutter Seltsams Hife verloren sind- zumindest was die Herstellung einer vernünftigen Mahlzeit angeht. (Ich bilde mir natürlich ein, dass diese 15 Jährigen auch andere lebenswichtige Fragen ohne meine Hilfe nicht lösen können!!)

Was ich jetzt brauche, ist in erster Linie Geduld- sehr viel Geduld! Meine Pubertierchen denken nämlich, dass man aus rohen Nudeln einen Nudelsalat machen kann oder dass es Spinat grundsätzlich nur in Kombination mit Kartoffelbrei gibt. Der Eine weiß nicht, dass man Nudeln nicht in kaltes Wasser legt, der Andere macht mit 15 Jahren zum ersten Mal Milch heiß und ist irritiert darüber, dass sie anbrennen könnte.

Das ist also die eine Sache: Geduld.

Als wesentlich wichtiger hat sich aber erwiesen, dass man über eine gute Durchlässigkeit zwischen den Ohren verfügen muss, damit das berühmte „Zum einen Ohr rein, zum andern raus“ reibungslos funktioniert. Leider ist das bei mir nicht immer gegeben und Sachen, die ich gar nicht wissen will, bleiben hängen- ich glaube für immer. Gemeinsam kochen macht nämlich gesprächig. Da kommen die Jungs so richtig in Fahrt und erzählen….von Zuhause. So erfahre ich nebenbei, dass sich Marcels Mutter Zuhause oft eine dritte Brust umschnallt, dafür aber Anitas Oma nie einen BH trägt („Und das, Frau Seltsam, wollen Sie nicht sehen. Das ist so schlimm!). Renes einjährige Nichte liebt Zigarettenrauch („Wie? Ihr raucht mit ihr in einem Raum? „Nein! Natürlich nicht! Wir rauchen nur draußen! Ich gehe mit ihr raus und puste ihr den Rauch ins Gesicht! Da lacht sie immer!“) und Tobias wird nachts von seiner Tante geweckt, weil sie Angst hat von den Horrorfilmen, die sie zuvor gesehen hat….

Ich lasse sie reden, denn wir arbeiten ja über die Beziehungsebene und offensichtlich vertrauen sie mir. Da ich leider über keine Funktion verfüge, die Erzählungen „draußen“ lässt, habe ich es am letzten Mittwoch mit Singen versucht. Beim letzten Singstarabend mit den Kollegen waren Schlager an der Reihe, was mir erschreckenderweise sehr gut gefiel. Nun konnte ich das aufgefrischte Repertoire in der Küche zum Besten geben und siehe da- immerhin drei meiner Helfer stimmten begeistert mit ein. Das lässt hoffen für den Rest des Schuljahres und peinlich ist uns ja eh nichts mehr.

Am Ende ist musikalisch beschwingt eine passable Mahlzeit rausgekommen. Als ein Schüler fragt, woraus die Soße sei, antwortet Rene:“ Aus Milch und Quark und Eierstock!“ Da muss dann Herr Bromseklöten ganz doll husten und kriegt schlecht Luft- er hat sich wohl an einem Eierstock verschluckt! Oder ist ihm ein Eierstock in den falschen Hals geraten….

Genug Frau Seltsam! Das kommt dabei raus, wenn man zu viel mit den Schülern kocht!!

1 Kommentar:

  1. Probiers mal mit Hörspiel-CDs, Frau Seltsam! Aber ich muss schon sagen, ihr macht das jede Woche ganz prima! Mein Lieblingsessen ist ja das Erdnuss-Hühnchen - wann gibt's das mal wieder??? (Mal Nüsse statt Eier... - was für 'ne Abwechslung!).Werde euch jedenfalls für eine Doku-Soap vorschlagen: Rachs Restaurantschule kann gegen euch einpacken!

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.