Dienstag, 17. Mai 2011

Der Curriculum-Kreis

Eines der wenigen didaktischen Schlagwörter, das aus dem Studium hängengeblieben ist, ist die "Curriculum-Spirale". Damit ist so ungefähr gemeint, dass sich die Themen und Inhalte des Unterrichts in regelmäßigen Abständen wiederholen, jedoch jeweils auf einer nächsthöheren, dem Verstand des Kindes entsprechenden, Ebene behandelt werden. Soweit die graue Theorie.
In der Praxis, zumindest an unserer "Bildungsanstalt", sieht das etwas anders aus. Wer glaubt, in seinem Unterricht auf zuvor durchgenommene Inhalte zurückgreifen und aufbauen zu können, dem wird damit bei unseren Schülern ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wie bei einer Gruppe Eintagsfliegen. Dies hat zur Folge, dass man sich mitunter vorkommt wie Bill Murray in "Täglich grüßt das Murmeltier" und sich in seinem Unterricht im Laufe der Jahre in einer Art Kreis bewegt -  von einer spiralartigen Aufwärtsbewegung keine Spur!
Deswegen wird es Zeit, die Geschichte der Didaktik neu zu schreiben. Ich habe mir vorgenommen, spätestens zur nächsten didacta ein Fachbuch zu veröffentlichen, das alle Bestsellerlisten stürmen wird: "Der Curriculum-Kreis".
Danach, soviel sei schon verraten, trifft der euphorische Junglehrer in den ersten Jahren seiner Laufbahn eine Auswahl elementarer Themen aus den wichtigsten Unterrichtsfächern, sammelt dazu Materialien, mit denen er in seinem steuerlich abgesetzten Arbeitszimmer einmalig den Aktenschrank "Erik" bestückt - und damit hat er dann für den Rest seiner Laufbahn ausgesorgt. (Die Regale im Arbeitszimmer füllen sich auch so mit Reiseführern, GEW-Zeitschriften und Selbstgebasteltem von Eigen- und Fremdbälgern.) Und dann geht sie los, die lustige Karusselfahrt des Schulalltags.
Jedes Jahr wird dabei auf's Neue geklärt, dass...
- Kaugummis im Restmüll und nicht im Altpapier entsorgt werden,
- dass Jesus in Israel und nicht auf Island gelebt hat,
- dass die Region XY keine Glaubensgemeinschaft sondern eine Verwaltungseinheit ist,
- dass Dinosaurier lange vor den Menschen auf der Erde gelebt haben,
- dass man beim schriftlichen Subtrahieren hinten anfängt und
- dass Namenwörter groß geschrieben werden.
Die Unterrichtsvorbereitung hält sich dabei so übertriebenst in Grenzen, dass der geneigte Gröpaz sich dringend Nebentätigkeiten suchen muss um ausgelastet zu sein - wie z.B. Blog schreiben. Glück auf!

1 Kommentar:

  1. Sehr geil, Herr Bromseklöten! Du triffst den Nagel auf den Kopf! Ich bin auch deinen Bestseller gespannt. Und mir wird schon bei dem Gedanken an das Kreiscurriculum ganz schwindlig. Ach, die nächste Ohnmacht naht! Arrivederci!
    Frau Easy Samstag

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.