Da steht er nun der engagierte Pädagoge nachmittags am Kühlregal im Supermarkt und kann auch in seiner Freizeit nicht aufhören, an die Schule zu denken. Denn wie triftt er seine Konsumentscheidungen beim familiären Großeinkauf? Wählt er die Produkte etwa nach Qualitäts-, Geschmack-, Preis- oder Gesundheitsgesichtspunkten aus? Nein, weit gefehlt. Dann wäre er ja kein Pädagoge. Das einzige Kriterium beim Kauf von Joghurt, Käse, Quark usw. ist die Frage: Kann man aus der Verpackung was basteln?
Und je nach Unterrichtsplanung fällt seine Wahl dann auf den völlig überteuerten Camembert in der Pappschachtel (Laternen basteln!), auf total ungesunde Joghurt-Drinks in kleinen Plastik-Fläschchen (Styroporkugel oben drauf - fertig ist der Rohling für eine Krippenfigur o.ä.) oder auf maximal halbreife Physalisfrüchte aus Südafrika (In die Kunststoffkörbchen könnenStoffstreifen eingewebt werden - sieht sehr schön aus).
Von all diesen Dingen hat er natürlich schon längst einen riesigen Vorrat in seinem überquillenden Klassenschrank, aber wer weiß - es könnten ja schlechte Zeiten kommen. Sieht man ja am Beispiel der Filmdosen. Diese kleinen runden Behälter sind unerlässlich z.B. für ein anständiges "Geräuschmemory" oder zum Anrühren von Farben. Inzwischen - wir sind im digitalen Zeitalter angekommen - sind sie jedoch nahezu ausgestorben, bald wird man sie nur noch im manufaktum-Katalog finden. Wer noch eine Kiste von den Dosen hat, ist ein reicher Mensch. Auch heute zehren vor allem ältere Kollegen noch von den praktischen Kunststoffboxen, in denen in den 80er und 90er Jahren Ferrero seine Rochers und Raffaelos verpackt hat. Gibt es eine bessere Aufbewahrung für Lernkarteien?
Natürlich kann auch der konsumfreudigste Pädagoge nicht immer soviel Verpackung kaufen, wie er zum Basteln benötigt. So ist er im Einzelhandel schon als Jäger und Sammler bekannt, der etwa im Schuhladen regelmäßig mit der Frage nervt: "Ich bräuchte bis morgen 30 möglichst gleichgroße Schuhkartons. Können Sie mir helfen?", beim Schlachter um Rindertalg bettelt (braucht man für Vogelfutterglocken - stinkt fürchtbar!) oder beim Geflügelbauern Eierpaletten schnorrt (Grundmaterial zum Papierschöpfen).
Manchmal fliegen ihm natürlich Dinge auch einfach so ganz unverhofft zu. die Tochter von Frau Seltsam machte z.B. einmal Praktikum bei einem Immobilienmogul, der kettenweise teure Havana-Zigarren rauchte. Der Frevel: Die schönen Holzschachteln benutzte er stets, um damit seinen Kamin anzufeuern. Da zeigte Seltsam junior, dass Pädagogenblut in ihren Adern fließt, griff beherzt ein - und organisierte uns massenweise von diesen Schachteln. Später durften unsere Schüler die edlen Stücke dann mit "Serviettentechnik" verunstalten (kommt in der Beliebtheit gleich nach Bügelperlen...).
Eigentlich ja verdammt umweltfreundlich und nachhaltig dieses "Materialrecycling"! Den grünen Umweltengel schießt freilich der Kollege Brandt ab, der noch nicht mal kaputte Waschmaschinen zur Kippe fährt sondern sie stattdessen in der Schule anschleppt. Hier werden die Elektromonster von ihm und den Schülern artgerecht zerlegt und die Filetstücke werden entnommen: Aus der Trommel wird eine schicke Feuertonne und aus dem Bullaugenfenster eine feuerfeste Auflaufform.
Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt. Ich finde, die Hymne unserer Schule sollte - frei nach Herbert Grönemeyer - so gehen: "Oh, ich bastle was! Basteln macht soviel Spaß! Ich könnte ständig basteln gehn, basteln ist wunderschön..." Glück auf!
Herr Bromseklöten, vergessen Sie bitte nicht die Massen an Altkleidern von Kollegen, die in den Klassenräumen etliche Schränke verstopfen. Aber warum das zerschlissene Oberhemd des Herren Gatten der Altkleidertonne zuführen? Taugt doch wunderbar als Kittel beim kreativen Klecksen mit Farbe! Neben den Gatten-Oberhemden liegen stapelweise Fehlkäufe oder peinliche Modesünden- beides jedoch unverzichtbar beim Aufführen von Theaterstücken oder dem Schmackhaft-machen von Rollenspielen!
AntwortenLöschenGlück Auf!